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Bekannte Muslime

Der Khalif Sultan Abdulhamid II.

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Sultan Abdulhamid II. (Abdülhamit II.) war einer der letzten Sultane des Osmanischen Reiches und Khalifen der Muslime. Als er, 1842 geboren, sein Amt im Jahre 1876 übernahm, befand sich die muslimische Welt in einer äußerst schwierigen Phase.

Bereits seit der Regierungszeit seines Großvaters Mahmud II. hatten im Reich starke Veränderungen nach europäischem Vorbild stattgefunden, getragen von der so genannten „Tanzimat“-Bewegung, vor allem in der Administration, etwa beim Militär, im Steuersystem und in Form einer gestiegenen Bürokratie. Im Bildungsbereich wurden die islamischen Wissenschaften von den anderen getrennt. Im Jahre 1815 wurde die Sultansresidenz, der Topkapi-Palast in Istanbul, geschlossen und Mahmud II. zog in den Dolmabahce-Palast. Durch die erhöhte Bürokratie war die persönliche Macht der Sultane stark geschwächt worden. Papiergeld und Banken wurden eingeführt. Gleichzeitig begann man, Kredite von europäischen Staaten aufzunehmen, wodurch man sich in zunehmende Abhängigkeit von diesen begab. Der Sultan beschäftigte sich genau mit dem europäischen ökonomischen und dem Finanzsystem, da er dies zusammen mit dem Einfluss der Banken und der zunehmenden Abhängigkeit von diesen als eine der größten Bedrohungen erkannt hatte. Als Abdulhamid II. mit 34 Jahren die Regierung übernahm, war sein Land hoch verschuldet und von Krieg bedroht, insbesondere von Russland, mit dem 1877-1878 auch ein Krieg geführt wurde. In dieser Zeit verlor das Osmanische Reich auch weite Gebiete auf dem Balkan, darunter Bulgarien. In Nordafrika wurde von den osmanischen Territorien nach Algerien nun auch Tunesien von Frankreich besetzt; England besetzte Ägypten. Schließlich kam es auch noch zu einem Krieg mit Griechenland. Mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II., der 1899 Istanbul besuchte, gab es allerdings gute Kontakte, und der Bau der Bagdad-Bahn wurde gewährt.

Abdulhamid II. sah den entscheidenden Grund für die Probleme jener Zeit in der damals im Gange befindlichen schrittweisen Aufgabe der Prinzipien des Islam und der Gesetze, die sich daraus ableiten, und der Ersetzung derselben durch willkürliche und selbstsüchtige Herrschaft. Er forderte daher „die Anwendung der Gesetze in einer Art und Weise, die den Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit gibt“ und dass die bestehenden Gesetze sämtlich hinsichtlich auf ihre Übereinstimmung mit der Schari’a untersucht werden sollten. Danach sollten sie entsprechend „Wort für Wort“ umgesetzt werden. Abdulhamid II. versuchte sein bestes, die Organisation der Gesellschaft wieder stärker am Islam auszurichten, doch war der Schaden, der dem Osmanischen Staat vor seiner Amtszeit bereits zugefügt worden war, bereits zu groß.

Von seinen Gegnern als „Reaktionär“ diffamiert, kannte er jedoch die europäische Geschichte und das europäische Geistesleben sehr gut und hatte es schon in seiner Jugend studiert. Er war ein intellektueller Mensch, der auch offen gegenüber neuen intellektuellen Strömungen war. Gleichzeitig war er entsprechend einer alten Tradition wie alle osmanischen Sultane auch in einem Handwerk ausgebildet und ein guter Tischler, was zeitlebens sein Hobby blieb.

Das biographische Werk „Ulu Hakan“ des großen Schriftstellers und Denkers Necip Fazil Kisakürek trug später zur Ehrenrettung dieser großen Persönlichkeit ebenso bei wie die Publikationen anderer Historiker und Autoren. Abdulhamid II. regierte das Osmanische Reich 33 Jahre lang und versuchte trotz aller Schwierigkeiten recht erfolgreich, Stabilität zu bewahren. In seiner Regierungszeit gab es eine kulturelle und sprachliche Renaissance. Im Jahre 1909 wurde Abdulhamid II. abgesetzt. Nach seiner Absetzung übernahm Sultan Mehmet V. Reschad bis 1918 das Amt, das mittlerweile aber stark geschwächt war. Im Jahre 1918 das Sultanat vom Khalifat getrennt und 1924 zusammen mit dem letzten Sultan Mehmet VI. Vahiduddin das Khalifat abgesetzt. Am 10. Februar 1918 starb Sultan Abdulhamid II. in Istanbul. Necip Fazil sagte: „Abdulhamid II. verstehen heißt, alles zu verstehen“.

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