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Bekannte Muslime. Von Muhammad Mojlum Khan

Mimar Sinan, der bekannte Architektur

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Muslime haben nicht nur einen erheblichen Beitrag zum Fortschritt der Wissenschaften und Technologien geleistet, sie erweiterten auch die menschlichen Fähigkeiten in Sachen Kunst und Architektur. Einige der weltweit schönsten historischen Bauwerke wurden von Muslimen unter der Patronage von Herrschern wie Abdalmalik ibn Marwan, Abdarrahman II., Sultan Suleyman und Schah Dschahan errichtet.

Ob es sich dabei um die prächtige Alhambra in Granada, der exquisite Komplex der Suleymaniya in Istanbul oder das unsterbliche Taj Mahal handelt, Muslime haben diese und viele andere, unzählige Monumente in allen Zeitaltern gebaut. Sie repräsentieren die Schönheit und künstlerischen Aspekte des Islam. Häufig wurden große architektonische Werke von ebenso großen Geistern geplant, entworfen und gebaut. Die muslimische Welt hat einige der weltweit bedeutendsten Genies hervorgebracht. Dazu zählen Muhammad Tahir Aga und Mahmud Aga oder Fazlur Rahman Khan.

Aber der größte muslimische Architekt, und vielleicht auch der produktivst, was Mimar Sinan (geb. 1489). Er kam in der zentralanatolischen Provinz Kayseri zur Welt. Von griechischer Herkunft, nahm sein Vater, Abd Al-Mannan, den Islam an und wurde zu einem wichtigen Mitglied der osmanischen Zivilverwaltung. Wie sein Vater zuvor auch wurde der junge Sinan zu einem loyalen Unterstützer der Osmanlis, auch wenn er in jungen Jahren keine Anzeichen an den Tag zu legen, zu dem großen Architekten zu werden, als der er später gelten sollte. Nach dem Abschluss seiner frühen Erziehung schloss er sich – wie sein Vater – dem Korps der Janitscharen an. Er muss sehr stark und diszipliniert gewesen sein, denn nur die Mutigen und Ritterlichen wurden in dieser Eliteeinheit zugelassen. Dank seiner körperlichen Fähigkeiten, seines scharfen Verstandes und seiner Organisationsfähigkeiten in der osmanischen Armee. Aber es waren seine Kenntnisse als taktischer Planer, militärischer Stratege und als Erfinder militärischer Ausrüstung, die ihm eine beneidenswerte Stellung in der Truppe einbrachten. Während der Regierung von Yavuz Sultan Selim baute er mehr als 150 Kriegsschiffe. Unter Sultan Suleyman dem Gesetzgeber leistete er einen wichtigen Beitrag bei der erfolgreichen Einnahme der Insel Rhodos und der serbischen Stadt Belgrad.

Im Alter von 49 Jahren, im Jahre 1538, verlieh ihm Sultan Suleyman einen der höchsten Titel der Osmanen. Er wurde zum führenden Chefarchitekten und -planer des Sultans. Auch wenn es bereits Dutzende von wichtigen Bauherren des osmanischen Devlets gab, wollte der Sultan ihn für die Aufsicht und Planung seiner wichtigsten Bauprojekte. Diese Periode markierte nicht nur eine neue Phase in Mimar Sinans Leben, sondern war auch eine der produktivsten Perioden in der Geschichte der muslimischen Kunst und Architektur.

Nachdem die Osmanen das ehemalige Konstantinopel zu ihrer Hauptstadt Istanbul machten, begannen sie mit ihrer Umgestaltung des Stadtbildes der historischen Metropole. Sie konstruierten einige der atemberaubendsten Bauwerke der muslimischen Welt. Die Mammutaufgabe zur Renovierung der vorher verfallenen Hagia Sophia, die Jahrhunderte lang von den Byzantinern vernachlässigt wurde, fiel an Mimar Sinan. Er erneuerte das alte Gebäude und machte es zu einem der Symbole für das osmanische Istanbul. Sinan verfolgte mit großem Willen und Enthusiasmus seine Leidenschaft für die Planung und Durchführung großer architektonischer Projekte. Er tat dies bis ins hohe Alter.

Für mehr als ein halbes Jahrhundert arbeitete Mimar Sinan mit voller Energie für drei unterschiedliche osmanische Khalifen: Sulaiman I., Selim II. und Murad III. In ­dieser Zeit baute er unzählige prächtige Moscheen, Regierungssitze, Mausoleen, Bibliotheken, Schulen, Brücken und Imarets [osman. Külliye]. Namentlich entwarf er die Gräber von Imam Abu Hanifa in Bagdad und Dschalal Ad-Din Rumi in Konya.

Sein erstes wichtiges architektonische Projekt war der Komplex der Sehzade Moschee in Istanbul. Das Projekt wurde 1544 auf Anraten von Sultan Suleyman begonnen, der eine bleibende Erinnerung für seinen Sohn, Prinz Muhammad, bauen wollte, der in Manisa im Alter von 22 Jahren an den Pocken starb. Mimar Sinan selbst betrachtete dieses Bauwerk als die Arbeit eines Lehrlings, auch wenn es ein hoch dekoratives und beeindruckendes Werk ist. Aber Sinan orientierte sich selbst an sehr hohen Standards und versuchte immer, die Erwartungen des Sultans zu übertreffen.

Sein zweites, wichtiges Projekt war der prächtige Komplex der Suleymaniye-Moschee in Istanbul. Dieses Gebäude sollte eine architektonische Aussage für die Osmanen sein und damit sämtliche bisherigen osmanischen Bauten übertreffen. Sultan Suleyman selbst wählte den zukünftigen Bauplatz aus. Er wollte der Skyline Istanbuls einen bleibenden Stempel aufdrücken. 1550 legte Mimar Sinan den Grundstein für den Komplex in persönlicher Anwesenheit des Sultans.

Nach Angaben von Mustafa Ali, dem bekannten osmanischen Historiker, war Sultan Suleyman nicht nur ein herausragender Herrscher, sondern auch ein gleichfalls produktiver Bauherr, der gewillt war, seine Spuren in den Annalen des Islams zu hinterlassen.

Der Architekt des Sultans arbeitete sieben Jahre lang rund um die Uhr an dem Projekt. Von Anfang an überwachte er es mit großer Sorge und Genauigkeit. 1557 wurde der Moscheekomplex formell eröffnet. Mit ihm wurde die Umgestaltung des Istanbuler Stadtbildes einen großen Schritt vorangebracht. Er betrachtete die Suleymaniye als eine seiner besten Arbeiten.

1566 sollte es für eine Gelegenheit geben, sich erneut zu übertreffen. Nach dem Tod des alten Sultans wandte sich Sultan Selim II., der einzige überlebende Sohn Suleymans, an den gealterten Architekten, der zu dem Zeitpunkt ein reifes Alter erreichte. Sein nächstes Meisterwerk sollte dieses Mal in der Stadt Edirne gebaut werden. Nachdem er beinahe ein Jahrzehnt an dem Selimiye-Komplex arbeitete, wurde das Projekt 1574 eröffnet. Die Selimiye ist das größte aller osmanischen Gebäude und gilt heute als eines der schönsten architektonischen Monumente.

Mimar Sinans Gebäude wurden bekannt für ihre Eleganz, ihre Klarheit des Innenraums und der Simplizität des äußeren Entwurfs. Sie stehen für einen neuen und innovativen Ansatz bei Kunst und Architektur. In diesem Sinne war Sinan ein einzigartiger Architekt und Baumeister, der die Notwendigkeit für Raum – ohne auf Schönheit, Eleganz und Grandeur zu verzichten – erkannte.

Auch wenn die Moscheekomplexe der Suleymaniye und Selimiye als zwei seiner beeindruckendsten, plante, überwachte und baute Mimar Sinan mehr als 350 Konstruktionen. Dazu zählen 81 Moscheen, 55 Schulen, 34 Regierungsgebäude, acht Brücken und 19 Mausoleen.

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