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Bericht über den Ideenreichtum libanesischer Unternehmer

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

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Foto: Ahmad Moose, flickr|

Mainz (KNA). Nördlich von Israel und umgeben von Syrien liegt der Libanon. Das Land, das kaum halb so groß ist wie Hessen, wurde seit seiner Unabhängigkeit 1943 von Bürgerkriegen und heftigen Krisen geschüttelt. Immer wieder wird es auch in die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Palästinensern und Israel verwickelt. Eine schwierige Ausgangslage für die über vier Millionen Einwohner. Zurzeit teilen sie ihr Land mit über einer Million Flüchtlingen aus Syrien. Das allein ist eine ungeheure Herausforderung für die Infrastruktur und das Sozialgefüge.

Die Reporterin Katrin Sandmann hat den Libanon bereist, um herauszufinden, wie die Menschen mit diesen Problemen zurechtkommen. Ihre erstaunliche Reportage «Libanon – Zukunft gesucht» lief am Freitag um 21.00 Uhr in der 3sat-Wirtschaftsreihe «makro».

Die Bilder, die Katrin Sandmann zeigt, widersprechen zunächst den gängigen Vorstellungen von einem von Krisen geschüttelten Land. Beirut ist eine fröhliche, westlich wirkende, quirlige Mittelmeermetropole. Die Probleme erkennt man erst auf den zweiten Blick. Noch gibt es Häuser, an denen die Spuren der Bürgerkriege zu erkennen sind; am Rand der Millionenstadt drängen sich die Armutsviertel.

Im Flüchtlingslager von Schatila im Süden Beiruts hat Anjoud Masri aus Syrien mit ihren Kindern Zuflucht gefunden. Ihr Alltag ist alles andere als einfach. Sie lebt in einer armseligen Behausung, für die sie rund 200 Dollar Miete bezahlen muss. Im Libanon ist sie wie die anderen Flüchtlinge nur geduldet. Kleine Hilfen gibt es nur von der UNO.

Staatlichen Unterhalt erhalten diese Menschen nicht. Dazu wäre der Libanon gar nicht in der Lage. Schon jetzt schätzt die Weltbank, dass sich der Schaden, der dem Land durch den Syrienkrieg entsteht, jedes Jahr auf 2,6 Milliarden US-Dollar beläuft. Bis vor kurzem noch hatte der Tourismus Geld ins Land gespült. Vor allem Gäste aus den Golfstaaten flüchteten im Sommer vor der Hitze ihrer Heimat in die Kühle des Libanon-Gebirges. 2010, vor Beginn des syrischen Bürgerkrieges, zählte man über zwei Millionen Touristen.

Seit Saudi-Arabien und Katar ebenso wie die westlichen Industriestaaten vor einem Besuch in dem Mittelmeerstaat warnen, stehen die Hotels leer, etliche wurden geschlossen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent. Ohne Zweifel befindet sich der Libanon in einer existenziellen Krise.

Katrin Sandmann, die schon 2006 während der Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel aus Beirut und aus dem umkämpften Süden des Landes berichtet hatte, wollte wissen, wie die Bürger des Landes mit dieser Situation umgehen. Sie fand engagierte junge Unternehmer und Unternehmerinnen, die mit unglaublichem Optimismus und Ideenreichtum versuchen, die Zukunft zu gestalten. Serene Abbas und Narina Najm, zwei junge Frauen, haben beispielsweise das Internetportal ‘raghunter’ entwickelt, das einen Überblick über das Modeangebot im Libanon bietet. Auf dem Portal kann man Geschenkgutscheine für die verschiedenen Läden erwerben und per E-Mail verschicken. Vor Ort sind sie erfolgreich und hoffen, dass sie ihre Idee auch international vermarkten können.

Katrin Sandmann vermittelt in ihrer Reportage einen ganz anderen, neuen Blick auf ein geschundenes Land. Den Menschen, denen die Zuschauer in ihrem Film begegnen, ist angesichts der neuesten Meldungen aus dem Krisengebiet Nahost nur zu wünschen, dass Terror und Krieg nicht alle ihre Pläne und Wünsche zerstören und das Erreichte wieder vernichten.

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Monika Herrmann-Schiel

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