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Berlin: Erste Sitzung des neuen JUMA-Projektes. Von Nurulhuda Hajjir

Glaube versetzt Berge, Partizipation auch

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(iz.) Wir wollen etwas verändern, bewirken. Wir wollen Partizipation und Präsenz zeigen und damit unsere Teilhabe an der Gesellschaft verwirklichen. Wir wollen etwas tun für den inter- und intrareligiösen Dialog, wir wollen unsere Stellung in der Gesellschaft besser verstehen sowie die Rolle der Muslime in Europa. Wir wollen für Chancengleichheit einstehen und dem Nährboden für Diskriminierung das Wasser abwürgen. Deshalb haben wir uns am 05. März 2011 wieder zusammengefunden, um das JUMA Projekt mit seinen verschiedenen Arbeitsgruppen zu starten. JUMA übrigens steht für das, was wir sind: jung, muslimisch, aktiv.

Am letzten Samstag fand im Abgeordnetenhaus in Berlin die erste Sitzung des JUMA Projektes statt, bei der die sechs Arbeitsgruppen gebildet wurden und die Teilnehmer nun konkrete Ideen, Anregungen und Informationen ausgetauscht haben. Inspiriert waren die entsprechenden Entwürfe der AG’s durch die rege Mitsprache der Teilnehmer bei der Open Space- und Auftaktveranstaltung zuvor. Nun wurden die Interessenten am Wochenende zusammenberufen, um mit dem ersten Meeting den geplanten dreijährigen Prozess gemeinsamen Wirkens zu beginnen.

Obwohl es recht schwierig war, die Arbeitsgruppen fast gleichmäßig mit Jugendlichen zu besetzen, konnte letztlich jeder Teilnehmer einen von ihm bevorzugten Themenschwerpunkt auswählen. Dafür haben die einzelnen AG-Leiter nach der lebhaften Einführung durch die Moderatoren und Organisatoren Chaban Salih und Kofi Ohene-Dokyi einen kurzen Abriss über die sechs Themenschwerpunkte geboten:

Die AG Rolle der Medien (Leitung: Nikoletta Schulz, Patin: die Journalistin Kübra Gümüsay) beschäftigt sich zum Beispiel mit Medienanalyse, Medienrecht und journalistischer Arbeit. Denn, so wurde während eines Brainstormings schnell zum Ausdruck gebracht, die Medien stellten die vierte Gewalt dar, die uns Muslimen förderlich sein kann, das konstruierte Islambild zu korrigieren und zur negativen Berichterstattung ein Gegengewicht zu schaffen. Hierfür sind Redaktionsbesuche und Fachgespräche geplant, um den Teilnehmern eine bessere Vorstellung über den Erschaffungsprozess eines Zeitungsberichtes zu bieten. Die AG Diskriminierung und Chancengleichheit (Leitung: Dervis Hizarci, Patin: die Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz) untersucht unter anderem Situationen, bei der Diskriminierungen erfahren wurden, um entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten, die Degradierungen entgegenwirken und Chancengleichheit fördern sollen. Auch hier ist Aufklärungsarbeit dahingehend nötig, Diskriminierungen überhaupt als solche zu erkennen und sich gegen sie zu wehren. Ziel ist es, präventive Denkansätze bezüglich erlebter Benachteiligungen zu entwerfen und umzusetzen. Die Frage, wie man sich als Muslim in die Gesellschaft einbringen kann, behandelt die dritte AG (Leitung: Yasemin Bagci, Pate: der Künstler Melih Kesmen). Sie möchte Möglichkeiten präzisieren, die man als Muslim und Muslimin hat, ein aktiver und unentbehrlicher Part des Ganzen zu sein.

Viele Wege führen nach Rom, nur müssen sie dargeboten und eingeschlagen werden. Das Thema Identität als junger Muslim in Europa wird in der vierten AG diskutiert (Leitung: Chalid Durmosch, Pate: der Unternehmensberater Osama Abed). Besonders wichtig, zumal diese Identitätsfrage nicht nur den Muslim selbst beschäftigt. Vielmehr stößt sie vor allem in der Mehrheitsgesellschaft auf Widerhall, wenn über den Islam und seine „Anpassungsfähigkeit“ disputiert wird. Dabei werden zuhauf falsche Begrifflichkeiten und künstliche Zusammenhänge hergestellt, die es unter anderem in AG 4 zu überprüfen gilt. Ist der Islam nun Teil unseres Landes oder nicht? Bin ich Muslim oder Europäer? Besteht darin überhaupt ein Widerspruch, geschweige denn Entscheidungsnotwendigkeit, oder ist das nicht eher eine in sich inkonsistente Fragestellung?

Dass wir Muslime keine homologe Gruppe sind, das wissen wir wohl am besten. Dennoch – nicht gut genug. Die mannigfaltigen Strömungen und Hintergründe, die auf uns als die Muslime vereinigt sind, werden in AG 5 vermittelt und vernommen. Dieser innerislamische Dialog fand bislang nur wenig Beachtung, vor allem, weil seine Notwendigkeit vor dem Hintergrund des interreligiösen Dialogs unterschätzt wurde. Dieses Versäumnis soll nun nachgeholt werden. AG fünf macht den Start (Leitung: Hakan Tosuner, Patin: die Grundsatzreferentin beim Innensenat Sawsan Chebli). Last but not least lag den Teilnehmern folgendes Thema auf dem Herzen: der politische Umgang mit dem Islam (Leitung: Pinar Cetin, Pate: der Wissenschaftler Mounir Azzaoui). Welchen rechtlichen Stellenwert hat der Islam in Europa bzw. Deutschland? Auch hier spielt die Debatte um die angebliche Demokratieunfähigkeit des Islam und seine Kompatibilität mit den westlichen Regierungsformen eine Rolle. Wie in den anderen Arbeitsgruppen auch, müssen hier – zwecks eines grundlegenden Verständnisses – zunächst Begriffe wie Extremismus erörtert und Definitionen untersucht werden.

Vermutlich ist schon offenkundig geworden, dass es zwischen den Arbeitsgruppen Überschneidungen in der Thematik gibt; trotzdem wird ein sehr breites Spektrum an Anliegen und Debatten erfasst. Das ist deshalb von Vorteil, weil die einzelnen Teilnehmer bei der Gestaltung und Durchführung ihrer Arbeit auf diese Weise nicht auf das ausgewählte Thema beschränkt sind, sondern an verschiedenen Stellen Einblick in andere Themengebiete gewinnen. Auch ist der geplante Besuch von Experten und Gruppenpaten, die ihrerseits entweder vom Fach kommen, im Bundestag oder im Senat sitzen, nicht streng für die jeweilige AG vorgesehen, sondern soll auch den anderen Gruppen zugutekommen, sofern diese das wünschen. Sowohl bei den Vorbereitungsveranstaltungen als auch am Samstag zeichnete sich bei den Jugendlichen ein starkes Bedürfnis ab, eben jenes zu tun, worauf das Projekt abzielt: die Stimme zu erheben. Nicht nur die Teilnehmerzahl belegt dies, sondern auch die energische Entschlossenheit der Teilnehmer, einen Beitrag zu leisten, mitzuwirken und mitzugestalten. Ihnen allen brennt es unter den Nägeln; dass sie Teil einer pluralen Gesellschaft sind, wissen sie längst. Nun muss diese Pluralität zur Selbstverständlichkeit werden. Und zwar nicht nur für sie selbst.

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