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Berlin: Junge muslimische Stimmen im Dialog. Von Erzsébet Nour Roth

„Jeder von uns ist ein ganz besonderer Mensch“

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(iz) Über 70 verschiedene muslimische Jugendliche nahmen den Innensenator Erhardt Körting, unter dessen Schirmherrschaft die zweijährig geplante Veranstaltung “Junge muslimische Stimmen im Dialog” stand, beim Wort und versammelten sich am vergangenen Samstag in der Bosnischen Moschee in Berlin, um bei einer Open Space Veranstaltung in Diskussion zu treten.

In Themengruppen wie „Islamfeindlichkeit und Rassismus“, „Identität und Vielfalt“ oder „Wie man sich als Muslim in die Gesellschaft einbringen kann“, fanden sich die Jugendlichen verschiedenster Nationalitäten zwischen 15 und 25 Jahren am Vormittag zusammen, um über die Inhalte zu diskutieren und welche relevanten Punkte später in Anwesenheit von Herrn Körting und ausgewählter Presse präsentiert werden sollen.

Sawsan Chebli, Grundsatzreferentin bei der Senatsverwaltung für Inneres, war ebenfalls zugegen. Gemeinsam mit dem freien Träger RAA Berlin, der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie, hat sie an der Verwirklichung des von der Innenverwaltung initiierten Projekts mitgearbeitet, das mit einer erfolgreichen Auftaktveranstaltung im Dezember letzten Jahres begann.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause mit kulinarischen Leckereien, erhielten die vorrangig weiblichen muslimischen Jugendlichen in der obersten Etage des Hauses das Mikrofon, um ihre Ergebnisse kund zu tun. Die Frage der Identität in der deutschen Gesellschaft als muslimische Minderheit, sowie die Feststellung, dass vor allem durch ihren konkreten gemeinschaftlichen Beitrag etwas geändert werden kann, war wohl Schwerpunkt in jeder einzelnen Themengruppe.

Das Identitätsproblem für viele Jugendliche, so formulierte es eine Teilnehmerin aus „Die Rolle der Medien“, die sich zu Hause zwar als Muslim wahrnehmen, aber draußen in der Schule oder Universität es eher verschweigen, um „besser“ anzukommen und integriert zu sein, rühre vor allem von der negativen Berichterstattung der Medien über den Islam her.

Eine weitere Teilnehmerin der Themengruppe „Innerislamischer Dialog“ hielt fest, dass sie als Jugendliche etwas verändern wollen. Sie wollen etwas tun, um in der Gesellschaft willkommen zu sein und das mit ihrer eigenen Persönlichkeit. Wir müssen, so die Teilnehmerin, bei uns selbst anfangen, um auf der einen Seite den Medien keine negative Fläche mehr bieten zu können, und auf der anderen Seite sei dies der richtige Weg, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Nach diesen und weiteren sehr motivierenden Äußerungen der jungen Teilnehmer und Teilnehmerinnen, erhielt Innensenator Körting das Wort und begann mit dem Lob, dass die Jugendlichen dazu bereit waren, ihren Samstag für diese Veranstaltung zu opfern. Er griff die Thematik der Identität auf und betonte, dass wir alle, nicht nur die Migranten und Migrantinnen, verschiedene Identitäten besitzen. Identitäten wie in seinem Fall die als Vater, als Sozialdemokrat oder als Berliner. Jeder von uns besitze verschiedene Identitäten. Und jeden von uns macht das zu einem einmaligen Menschen. Jeder von uns ist eben ein ganz besonderer Mensch, so der Innensenator.

Herr Körting bestätigte, dass die Medien durchaus eine negative Berichterstattung über den Islam praktizieren. Er wies jedoch auch auf die „Gegenseite“ hin, die ebenso ein negatives Bild, wie in dem Film „Tal der Wölfe“, bei denen die Juden als „böse Leute“ degradiert würden, darstellten. Es sei immer Vorsicht geboten, wenn Menschen bestimmter Ethnie verteufelt oder ausgegrenzt werden. In seinem Schlusswort betonte Körting, dass wir gemeinsam daran arbeiten müssen, wie wir den Islam in Deutschland noch besser in die Gesellschaft integrieren können.

Bei der Abschlussrunde durften die Jugendlichen vereinzelt ihre Gedanken mitteilen, bei denen vor allem der Dank ausgesprochen wurde, endlich ein Sprachrohr zu bekommen und in den Dialog mit Politikern treten zu dürfen. Endlich dürfen sie sich aktiv beteiligen und einen Beitrag leisten, im Rahmen einer politischen Veranstaltungsreihe.

Das Ausschlaggebenste dieser Veranstaltung war, wie bei vielen solcher Art, die zahlreichen Nebengespräche und Interviews des Tages. Die Journalisten durften und konnten Muslime erleben, die sich beteiligen wollen und mit der Öffentlichkeit reden möchten. Sie erleben Jugendliche, die sich sehr wohl mit Deutschland identifizieren und aus diesem Grund so dankbar für solche Veranstaltungen sind. Sie dürfen sprechen, denn sie werden gefragt und miteinbezogen. Es wird nicht über sie geredet. Es wird mit ihnen geredet.

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