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Berlin: Seminar für Krisenhelfer abgeschlossen. Von Inge Pett

Erste Hilfe für die Seele

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(KNA). Die muslimischen Frauen sind außer sich. Sie versuchen, den Krankenwagen zu stürmen, in dem ein schwer verletzter Verwandter auf der Trage liegt. Doch der Sanitäter spricht kein Türkisch. Jede Minute zählt. Die Frauen verzweifeln.

Eine Szene, wie sie sich so oder ähnlich jeden Tag bei einem Großeinsatz ab­spielen kann. Diesmal handelte es sich jedoch um die Abschlussübung des bundesweit ersten interreligiösen Semi­nars für Notfallseelsorge und Krisenintervention, an dem neben christlichen und jüdischen Helfern auch musli­mische Ehrenamtliche teilnahmen. Bei einer Feier in Berlin wurden die 72 ­Absolventen geehrt.

Titel des Pilotprojekts war „Erste Hilfe für die Seele in multikultureller und multireligiöser Gesellschaft“. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich ein Seminar mit realitätsnahen Übungen. Gemeinsam mit Feuerwehr, Notärzten, Polizei, Technischem Hilfswerk und Wohlfahrtsverbänden spielten sie inter­kulturelle Probleme durch, die im Kri­senfall auftreten können.

Wie behandelt ein christlicher Sani­täter eine Muslimin, und wie stellt man sich im Katastrophenfall auf Menschen mit unzureichenden Sprachkenntnissen ein? Die Verantwortlichen gingen auf Fragen wie diese ein. Bei der interkulturellen Seelsorge gehe es aber laut Peter Graf, emeritier­ter Professor für interkulturelle Pädagogik der Universität Osnabrück, nicht nur um Katastrophenfälle, sondern häufiger noch um persönliche Schicksale. Oft spielt bei individuellen Krisen die Verletzung der Identität eine zentrale Rol­le, so Graf. Ausgebildete und ent­sprechend sensibilisierte Helfer könn­ten den Notfall als Ereignis aufgestauter Bedrängnis verstehen und somit Men­schen mit einer verletzten ­Identität Wege aus der Krise aufzeigen.

Die 72 Berliner Absolventen, von ­denen 25 muslimischen Glaubens sind, stehen jetzt auf Abruf als Notfallhelfer bereit. Falls bei einem Unglücksfall Muslime betroffen sind, werden sie sofort per Handy alarmiert.

Wann wieder eine derar­tige Fortbildung stattfindet, ­steht noch nicht fest. Zunächst werden die Erfahrungen der vom Bundesinnenministerium finan­zierten Schulung ausgewertet und dis­ku­tiert. Die Träger des Berliner ­Projekts sind sich jedenfalls sicher, dass es auch in anderen Groß­städten Schule machen sollte.

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