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Berlin: Terroranschlag geplant

Terrorverdächtiger Syrer festgenommen

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Foto: pexels.com

In Chats reden sie über Bomben, Gewehre und das Töten. Einer zieht los und kauft Chemikalien, so der Vorwurf der Ermittler. Lange beobachten die Fahnder, wie die Pläne konkreter werden – bevor sie zuschlagen. Berlins Innensenator zeigt sich erleichtert.

Berlin (dpa/iz). Nach monatelanger Observierung haben Spezialkräfte in Berlin einen terrorverdächtigen Syrer verhaftet. Der 26-Jährige soll sich in einer Chat-Gruppe intensiv über den Bau von Bomben informiert und dafür Chemikalien gekauft haben. Sein Ziel sei es gewesen, einen Terroranschlag zu verüben, berichteten die Ermittler am Dienstag. Nach Angaben von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) arbeitete der Mann seit Anfang September an einer Grundschule als Putzkraft, vorher soll er im Bode-Museum beschäftigt gewesen sein.

Mitglieder der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei stürmten am Dienstagmorgen die Neubauwohnung des Mannes in der Nähe des Rathauses Schöneberg im Berliner Westen. Der Verdächtige wurde verhaftet, Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) durchsuchten die Wohnung. Sie beschlagnahmten Unterlagen und Computer, um weitere Beweise zu finden.

Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, die parallel ermittelten, plante der Syrer einen Terroranschlag. Er habe eine extremistische Einstellung und bereits begonnen, „die benötigten Bauteile und Chemikalien für den Bau einer Sprengvorrichtung zu beschaffen“, so die Bundesanwaltschaft. Im August soll der Mann Aceton und im September Wasserstoffperoxidlösung gekauft haben. „Beide Chemikalien werden zur Herstellung des hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid (TATP) benötigt.“ Die geplante Bombe „sollte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort in Deutschland gezündet werden, um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen“, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.

TATP ist im Zusammenhang mit Terroranschlägen in Paris bekannt. Der Sprengstoff lässt sich mit einfachen Mitteln herstellen. Das macht ihn attraktiv für Terroristen. Im Nahen Osten ist TATP auch bekannt als „Mutter des Satans“.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte sich bei den Ermittlungen auf den Vorwurf der Anleitung zu einer staatsgefährdenden Gewalttat konzentriert. Bereits am 5. November stellte ein Richter einen Haftbefehl aus. Neunmal soll der Syrer seit dem Frühjahr in einer Messenger-Gruppe mit IS-Anhängern Anleitungen zum Bau von Waffen und zum Herstellen von Sprengstoff ausgetauscht haben. Die Chat-Teilnehmer schrieben über Plastiksprengstoff, Paket- und Magnetbomben, „Türfallen mit Explosivstoffen“ sowie Kalaschnikow-Sturmgewehre und Maschinenpistolen. „Was da ausgetauscht worden ist, war ganz klar mit extremistischem Hintergrund und diente dem Zweck der Vorbereitung von Anschlägen“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Berlins Innensenator Geisel erklärte: „Wir gehen davon aus, dass es eine beträchtliche Gefahr gab.“ In den Chatprotokollen sei es darum gegangen, möglichst viele Menschen zu töten. Er gab zu, dass die letzten Wochen vor dem jetzigen Zugriff belastend gewesen seien. „Diese Abwägung zu treffen, ist eine enorme Nervenanspannung.“ Er sei regelmäßig unterrichtet worden. „Die letzten Wochen waren nicht schön“, sagte er zu der Problematik der Polizei, einerseits genügend Indizien für eine Verhaftung sammeln zu müssen und anderseits zum richtigen Zeitpunkt vor einem Anschlag zuzuschlagen.

Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Sicherheitsbehörden Geisel zufolge durch einen Hinweis eines ausländischen Nachrichtendienstes. Über ein konkretes Anschlagsziel des Verdächtigen lägen keine Erkenntnisse vor. Unklar ist, ob er Komplizen in Deutschland hatte oder regelmäßig radikalisierte Moscheegemeinden besuchte.

Im Jahr 2014 soll der Syrer nach dpa-Informationen nach Deutschland eingereist sein. Er wurde als Flüchtling anerkannt und besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis. Bekannt wurde auch, dass er eine Ehefrau hat.

Spezialkräfte der Polizei hatten am Dienstag zudem einen Gebäudekomplex in Lübeck wegen des Verdachts der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ durchsucht. „Wir hatten Waffen vermutet, aber keine gefunden“, sagte die Sprecherin der für solche Delikte in Schleswig-Holstein zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp. Festnahmen habe es nicht gegeben. Ob die Behörden von der Möglichkeit eines Terroranschlags ausgingen, ließ Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen offen. Nach ihren Angaben gibt es keinen Zusammenhang mit dem Fall des in Berlin festgenommenen Syrers.

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