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Berlin: Der Senat stellt gemeinsames Projekt ein. Die Muslime protestieren. Von Malik Özkan

Keine Seelsorge im Knast?

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Die Einstellung des gemeinsamen Projekts zur Gefängnisseelsorge hat Berliner Muslime vor den Kopf gestoßen. Die in der Arbeitsgemeinschaft Muslimische Gefängnisseelsorge e.V. organisierten Institutionen reagieren mit der Absage des Berliner Islamforums.

(iz). Ein Leben im Gefängnis – wenn auch nur zeitlich begrenzt – ist für die Betroffenen schwer genug. Unsere Redaktion bekommt immer wieder dankbare Rückmeldungen von Insassen, welche die IZ im Rahmen von Freiabos für Gefangene beziehen. Eines ist sicher: Sie können jede Art von menschlichem Zuspruch – darunter auch Seelsorge – gut gebrauchen.

Eigentlich hätte es ein erfolgreiches Projekt sein können, nachdem 2011 im Rahmen des Islamforums des Berliner Integrationsbeauftragten der Bedarf nach „muslimischer Gefängnisseelsorge“ anmeldet wurde. Als Reaktion gründeten Berliner Vereine, die bereits im begrenz­ten Maße in Berliner Gefängnissen Seelsorge anbieten, sowie die muslimischen Teilnehmer des Islamforums die Arbeitsgemeinschaft Muslimische Gefängnisseelsorge e.V., was vom Justizsenat laut einer Presseerklärung der beteiligten muslimischen Einrichtungen begrüßt worden sei. In Folge wurden „bis Ende 2012 28 Personen“ zu muslimischen ­Gefängnisseelsorgern ausgebildet. Das ganze geschah in Kooperation mit dem Justizsenat.

Umso größer war die Bestürzung der Berliner Muslime, als ihnen „nach zwei Jahren Vorbereitungszeit“ am 23.8.2013 der Justizsenat die Beendigung der Zusammenarbeit erklärte. Anscheinend seien Mitwirkende vom Innensenat und dem Berliner Verfassungsschutz „als problematisch eingeschätzt“ worden.

Im Gespräch mit der IZ berichtete Burhan Kesici, Vorstandsmitglied der ­Islamischen Föderation und Generalsekretär des Islamrates, von der positiven Vorbereitungsphase für die Gefängnisseelsorge. Für Kopfschütteln bei den Beteiligten in der Arbeitsgemeinschaft sorgte unter anderem, dass ein Teil des abgelehnten Personals seit Längerem bereits im Rahmen anderer Projekte in der Gefängnisseelsorge engagiert sei. „Dass man bei sehr vielen Bedenken hat, hat uns doch stutzig gemacht und wir konnten das nicht nachvollziehen.“

Irritierend sei auch gewesen, dass die Ablehnung weder vom Innensenator noch vom Justizsenat kam, sondern von der Finanzverwaltung der Justiz. Selbst der verantwortliche Senator des Inneren habe auf Anfrage der muslimischen Einrichtungen mit Unverständnis darauf reagiert, dass das Projekt als Ganzes nicht stattfinden werde. Da man im Rahmen des Berliner Islamforums „seit fast acht Jahren“ über solche Fragen rede, fände man das Verhalten der entsprechenden Behörde „nicht in Ordnung“.

„Niemand von uns hat erwartet, dass hier irgendwelche Probleme auftauchen könnten. Schließlich handelt es sich um Menschen, die fast alle seit vielen Jahren die Zusammenarbeit mit der Politik und den Behörden aktiv mitgestalten und im gesellschaftlichen und interreligiösen Dialog sehr engagiert sind“, erläuterte Imran Sagir, Sprecher der ­Arbeitsgemeinschaft.

Als Reaktion haben die mehr als zehn muslimischen Vereine und Organisationen ihre Teilnahme am Berliner Islam­forum erst einmal unbefristet eingestellt. Alles hänge laut Burhan Kesici davon ab, ob in diesem Rahmen neues Vertrauen aufgebaut werden könne.

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