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Berliner Ausstellung über die Grabungen in der Stadt Samara. Von Inge Pett

„Erfreut, wer sie sieht“

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Berlin (KNA). Es war eine Stadt gigantischer Ausmaße, die sich entlang des Tigris erstreckte. Der abbasidische Kalif al' M'tasim hatte Samarra 836 nach Christus erbauen lassen, um politischen Wirren in der Metropole Bagdad aus dem Weg zu gehen. Nur 70 Jahre lang sollte Samarra – was auf Arabisch so viel heißt wie „Erfreut, wer sie sieht“ – die Hauptstadt eines der größten Weltreiche der Geschichte darstellen.

Allerdings ist der Ruhm der Metropole, die zu ihrer Zeit vergleichbar war mit Konstantinopel, dem chinesischen Xi'an und Bagdad, weitgehend verblasst. Denn die Kalifen wanderten weiter. „Traurig für Samarra, schön für die Archäologie“, resümiert Julia Gomerra. Sie ist eine Kuratorinnen der Ausstellung „Samarra – Zentrum der Welt. 100 und 1 Jahr archäologische Forschung am Tigris“, die ab diesem Freitag im Museum für Islamische Kunst Berlin zu sehen ist.

Samarra, das heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, stelle ein „wunderbares, geradezu jungfräuliches Ruinenfeld“ dar. Mittelpunkt des Archäologen-Paradieses ist ein prachtvoller Kalifenpalast, bestehend aus einer Folge von Höfen, Thronsälen und Wohnräumen, Gartenanlagen, Polospielfeldern und Pferderennbahnen. Über die Größe des Areals schrieb der Archäologe Ernst Herzfeld, dass es etwa dem „von der Leipziger Straße im Süden, dem Brandenburger Tor im Westen, der Spree im Norden und Osten umgrenzten Zentrum Berlins“ entsprach.

//1//So fasste alleine die Große Moschee an die 100.000 Gläubige und hatte die Größe von zweieinhalb Fußballfeldern. Nach dem Abzug der Kalifen blieb Samarra ein bedeutendes Zentrum der Schiiten. Pilgerscharen besuchten den Schrein des verschwundenen zwölften Imans – für viele Schiiten eine messianische Gestalt. Friedrich Sarre, der erste Direktor des Museums für Islamische Kunst, sowie Herzfeld hatten sich 1911 bis 1913 zu der wissenschaftlichen Ausgrabung entschieden, die erstmals den Fokus ausschließlich auf die islamische Zeit legte – und dabei einen vollkommen neuen architektonischen Dekor-Stil entdeckt.

Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, betont die Bedeutung dieser Grabung für die globale Kultur- und Kunstgeschichte. Da sich die Besucherzahlen seines Museums immens gesteigert hätten, forschen er und sein Team nach neuen Wegen der Kontextualisierung. Bis zur Neueröffnung 2019 will man „trainieren und testen“.

Einen vielversprechenden Anfang macht dabei die in die Ausstellung integrierte Medienstation des „Experimentierfelds Museologie der TU Berlin“. Sechs kurze Filme nähern sich der Stadt Samarra aus höchst unterschiedlichen Perspektiven. Dabei reicht die Bandbreite von der historischen Einordnung bis zum persönlichen Reisebericht eines deutsch-irakischen Ehepaars aus Berlin. Und alles unter Mithilfe des „Museumsdiwans“, in dem Menschen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft ihre Ideen und Rückmeldungen einbringen können.

Vor allem der Aktualitätsbezug sei durchgehend erwünscht, berichtet Mitarbeiterin Susan Kamel. „Ein erster kleiner Schritt auf einer langen Reise“, so Stefan Weber. Die Richtung jedenfalls könnte passender und weitsichtiger nicht sein, nicht zuletzt im Hinblick auf das kommende Humboldt-Forum im wiedererrichteten Berliner Stadtschloss.

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Inge Pett

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