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Islam in Deutschland: Fußspuren in unserer Geschichte

Ein kurzer Bericht von Ismahane Bessi über die ersten Muslime auf deutschem Boden

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Foto: Bundesarchiv, Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0 de

„Und eines von Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und der Unterschied eurer Sprachen und eurer Farben. Hierin ja sind bestimmt Zeichen für die Wissenden.“ (Ar-Rum, 22)

(iz). Einmal drehte sich der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, um und konnte in der Ferne Mekka erkennen. „Du bist Allahs liebstes Stück Erde“, sagte er mit dem Blick auf seine Heimatstadt, „und bei Gott, wenn mich dein Volk nicht aus dir vertrieben hätte, ich hätte dich nicht verlassen.“

Heimat ist der Ort, an dem jemand geboren wurde und aufgewachsen ist. Wenn Allah für jemanden bestimmt hat, welcher Ort seine Heimat sein wird, ist es falsch, seinen Ursprung zu verleugnen. Zumal der Prophet seiner Heimat nachgetrauert hat, trotz seiner Aussage: „Sei auf dieser Welt wie ein Fremder oder wie derjenige, der sich auf einer Durchreise befindet.“

Den Spruch „Geh doch dahin, wo du hergekommen bist!“ hat wohl fast jeder Muslim schon mal zu hören bekommen. Trotz der Tatsache, dass es viele Muslime gibt, deren Heimat selbstverständlich Deutschland ist. Sehen wir von den deutschen Konvertiten ab, gibt es Muslime, die seit vielen Generationen in Deutschland leben und kaum noch Bezug zu den Ländern haben, aus denen vor Jahrzehnten ihre Verwandten hergekommen sind. Mit den Gastarbeitern ist der größte Anteil der Muslime nach Deutschland gekommen. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch die ersten Muslime in Deutschland waren. Tatsächlich müssen wir etwas tiefer in der Geschichte graben, um herauszufinden, wann der erste Muslim deutschen Boden betreten hat.

Erstaunlicherweise passierte dies schon 150 Jahre nach der Offenbarung des Qur’an, als im 9. Jahrhundert der abbasidische Kalif Harun Ar-Raschid eine ­Gesandtschaft zu Karl dem Großen ins Fränkische Reich delegierte. Im selben Jahrhundert reisten arabische Wissenschaftler nach Paderborn und Magdeburg, um sich einen unmittelbaren Eindruck von den Sachsen zu machen.

Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich der Zweite sprach nicht nur Arabisch, sondern besaß sogar eine sarazenische Leibwache. Der Deutsche Orden wurde 1410 nicht nur von Polen und Litauen besiegt, sondern auch von den Tataren. 1656 stürmten Tausende Tataren Ostpreußen. 1745 hatte Friedrich der Große eine muslimische Armee aus Bosniern, Albanern und Tataren aufgestellt. Anhand dieser Fundstücke aus der Geschichte lässt sich leicht erkennen: Muslime haben nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg den Weg nach Deutschland bestritten. Sie waren wesentlich früher hier und prägten diverse deutsche Kaiser mit ihren Kulturen.

Knapp 30.000 Kriegsgefangene wurden seit Beginn des Ersten Weltkrieges in Wünsdorf im Halbmondlager interniert. Allein der Name des Lagers lässt darauf schließen, dass der größte Teil der Inhaftierten Muslime gewesen sind.

Die erste Moschee auf deutschem Boden wurde im Juli 1915 für die Insassen des Halbmondlagers errichtet. 1922 wurde die aus hölzerne Moschee abgerissen. Das einzige, was noch an diese Moschee erinnert, ist die Moscheestraße in Wünsdorf.

Die erste steinerne Moschee, die 1924 erbaut wurde und bis heute noch erhalten geblieben ist, ist die Wilmersdorfer Moschee in der Brienner Straße in Berlin.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es schon über 10.000 Muslime in Berlin. Überwiegend handelte es sich dabei um Slawen und Türken. Der Nationalsozialismus war nicht direkt gegen Muslime gerichtet. Aber sie fühlten sich durch die fremdenfeindliche Atmosphäre, die in Verbindung mit Hitlers Überzeugungen gegen andere Religionen und Kulturen stand, nicht mehr sicher.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) lebten ca. 6.000 Muslime in Deutschland. 1960 sind mit den Gastarbeiten viele Muslime nach Deutschland eingewandert, um das wirtschaftlich zerstörte Land wiederaufzubauen. Die­ ­Revolution im Iran und das Aufstreben der Taliban in Afghanistan trieb mus­­limische Asylsuchende beider Länder nach Deutschland. Heute sind knapp fünf Prozent der Bevölkerung Deutschlands Muslime.

Der Prophet Muhammad, Allahs ­Segen und Friede auf ihm, sagte: „Wer sich 40 Tage lang bei einer Gemeinschaft aufhält, gehört zu ihnen.“ In erster Linie ist damit gemeint, dass gute und schlechte Absichten einer Gemeinschaft, mit der man sich umgibt, auf einen abfärben können. Des Weiteren weist diese Aussage auch darauf hin, dass man sich in der Gruppe, in der man sich aufhält, natürlicherweise verändert und sich somit diesem Volk anpasst. Letztendlich bestimmt nicht die Religion, welches Land die Heimat eines Individuums ist, sondern der Ort, an dem man aufgewachsen ist.

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