IZ News Ticker

Bonn: BIG-Partei lud zur Diskussion über die örtlichen Muslime

Auftakt für intensiveres Gespräch?

Werbung

(iz). Unter dem Titel „Muslime in Bonn zwischen Anerkennung und Ausgrenzung“ hatte die BIG-Partei am 15. März in die Aula der Bad Godesberger Gesamtschule zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Bonner Muslime, die mit rund 29.000 Menschen etwa 9 Prozent der Bonner Bevölkerung stellen, waren zuletzt durch scharfe mediale Kritik an salafitischen und extremistischen Strömungen gerade unter jüngeren Muslimen unter zunehmenden Rechtfertigungsdruck geraten (die IZ berichtete). Gut 60 Personen waren zu der Veranstaltung gekommen, davon waren schätzungsweise mindestens zwei Drittel Muslime. Unter der nichtmuslimischen Bevölkerung stieß sie also offenbar auf nur geringes Interesse.

Nach einem kurzen Einführungsvortrag von Jakob Hackenberg (BIG-Partei), der auch das Podium moderierte, sowie zwei weiteren Vorträgen, in denen der pensionierte evangelische Pfarrer Ulrich Thomas über seine langjährigen positiven Erfahrungen im Miteinander mit Muslimen berichtete, und der Sprecher des Rates der Muslime in Bonn, Bacem Dziri, über „Muslimische Werte in einer pluralistischen Gesellschaft“, begann erst nach einer Stunde das eigentliche Podium. Auf diesem saßen neben den bereits genannten noch die Islamwissenschaftlerin Rufeida Al-Mustapha (BIG-Partei), der pensionierte Berufsschullehrer Matthias Montzel, die Ärztin Dr. Nadia Najjari (BIG-Partei) und der bekannte ehemalige Taekwondo-Weltmeister und Olympiateilnehmer Aziz Acharki.

Laut Pfarrer Ulrich Thomas habe es mehrere Rückschläge für das Zusammenleben gegeben: Die Änderungen des Asyl- und Ausländerrechts in den frühen 90er Jahren und der 11. September 2001. Diese Ereignisse hätten unter den hier lebenden Muslimen eine tiefe Verunsicherung ausgelöst und das Gefühl, weniger willkommen zu sein. Er sei beeindruckt, dass Muslime trotzdem im Lande blieben und sich engagierten, um zu zeigen, dass „der Islam nicht gewalttätig ist“, sondern der Qur'an zu „Gerechtigkeit, Erbarmen und Wohltätigkeit“ anhalte. Deutschland werde durch muslimische Menschen – entgegen der Behauptung Sarrazins – nicht dümmer, sondern reicher. Er sehe dafür viele positive Beispiele, so Pfarrer Thomas.

Rufeida Al-Mustapha erzählte, dass sie in ihrem Beruf in der Sozialforschung keine Diskriminierungserfahrungen gemacht habe, es aber paradox finde, dass eine Muslimin, die sich in NRW für den Islamischen Religionsunterricht bewerbe, diese Tätigkeit nicht mit Kopftuch ausüben könne. Auch Dr. Nadia Najjari berichtete über konkrete Erfahrungen solcher Diskriminierungen, etwa als eine hoch qualifizierte Ärztin von der Klinik nur wegen ihres Kopftuchs nicht eingestellt worden sei. Matthias Montzel hatte auch über negative Erfahrungen mit muslimischen Schülern zu berichten, etwa was mangelnde Disziplin angehe. Viele seien aber auch sehr strebsam und aufstiegsorientiert. Er beobachte eine „Entwurzelung“ junger Muslime, die er bedauerte. Montzel wünscht sich, dass die jungen Muslime Halt in ihrer Religion finden: „Man soll seine Religion nicht wegwerfen.“ Auch der erfolgreiche Sportler Aziz Acharki hatte überwiegend Positives zu berichten; bei der Bundeswehr habe man spezielle Mahlzeiten ohne Schweinefleisch erhalten, und mit dem Gebet habe es auch keine Probleme gegeben.

Mehrere Podiumsteilnehmer stellten klar, dass sie sich als Deutsche sehen, sich hier heimisch fühlten und die Zuschreibung als Ausländer oder Nicht-Einheimische ablehnen. Die eigentlichen gesellschaftlichen Probleme seien vielmehr sozial als religiös begründet, sagte auch Haluk Yildiz von der BIG-Partei.

Als nach rund zweieinhalb Stunden die Runde für Zuschauerfragen geöffnet wurde, hatten viele aus dem Publikum die Veranstaltung, die letztlich über drei Stunden andauerte, bereits verlassen – hier wäre man mit einem kürzeren Programm, um das Publikum nicht zu sehr zu ermüden, sicher besser beraten gewesen.

Aus dem Publikum kam von einem älteren Herrn die kritische Anmerkung, die Podiumsdiskussion habe eher einer „Werbeveranstaltung“ geähnelt. In der Tat war man sich auf dem Podium weitgehend einig, zu einer wirklichen Diskussion kam es nicht. In die gleiche Kerbe schlug auch die lokale Presse, die die Veranstaltung ebenfalls eher kritisch aufnahm und vor allem auch eine kritische Selbstreflexion der Bonner Muslime vermisste. Die Frage, wie man sich zu dem Extremismus in den eigenen Reihen positioniert, wurde in der Tat auf der Veranstaltung nicht aufgeworfen. Eine offene, konkretere Debatte hätte vielleicht dennoch aufkommen können, wenn zumindest mehr Interesse seitens der nichtmuslimischen Bonner gezeigt worden wäre.

Die Debatte wird sicherlich weiter geführt werden, hoffentlich konstruktiv im Sinne einer Verbesserung des Zusammenlebens, und nicht der Eskalation. Es bleibt zu wünschen, dass diese Veranstaltung immerhin ein notwendiger Auftakt dazu war.

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen