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Brief an einen neuen Muslim

Notwendige Orientierung von Abdassamad Clarke für alle, die zu Allah gefunden haben und sich Fragen stellen

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Foto: Khalil Mitchell for Visual Aurum

Allah, der Erhabene, sagt in Seinem Qur’an: „Wer könnte etwas Besseres sagen, als der, der zu Allah aufruft, rechtschaffen handelt und spricht: ‘Gewiss doch, ich gehöre zu den (Allah) Ergebenen’?“ (Al-Fussilat, 33)

(iz). Du hast Islam akzeptiert. Du hast erkannt, dass du einen Herrn hast, Der dich erschuf, dein Schicksal bestimmte – sowohl das Gute als auch das Schlechte, das Süße sowie das Bittere darin –, Der deine Gebete hört und Der dich gut kennt. Ist Ihm denn nicht bewusst, was Er schuf? Ein Herr, der Dich führt und zum Islam leitete. Der großzügig, barmherzig und mächtig ist. Er ist schnell in der Abrechnung und hat sowohl schöne als auch majestätische Eigenschaften. Du erkennst, dass dein barmherziger Herr persönlich für dich eine Botschaft durch Seine Propheten entsandte. Der letzte war der Gesandte Allahs, Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gewähren. Du glaubst, dass das Buch Allahs das Wort Allahs ist, Der darin zu dir spricht.

Du bist möglicherweise erstaunt, dass deine Kultur die Wahrheit des Islam seit mehr als tausend Jahren verbirgt. Du wurdest überwältig von der Erkenntnis, dass er die Wahrheit und der Reale ist, dass der Garten und das Feuer wirklich sind, dass unzählige Propheten und Gesandten zur Menschheit geschickt wurden. Dazu gehörten ’Isa (Jesus), Musa (Moses), Ibrahim (Abraham), Nuh (Noah) und Adam sowie viele weitere, deren Namen wir nicht kennen und welche durch die Menschheitsgeschichte hindurch auf der ganzen Erde entsandt wurden. Heute lebst du in der Gültigkeit des letzten Propheten – Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Seine Botschaft hebt alle früheren Bücher und deren Lebensweise auf. Sie gilt bis zum Ende der Zeiten für Menschen aller Völker und Sprachen.

Du gehörst einer Gemeinschaft an, die sich vom Osten in China bis nach Westeuropa und Amerika erstreckt, von der Südspitze Afrikas bis in die kalten Steppen des nördlichen Eurasiens. Es ist eine Gemeinschaft, die Araber, Türken, Perser, Chinesen, Afrikaner, Malayen und Indonesier, Inder und Pakistaner sowie eine wachsende Zahl von Deutschen, Spaniern, Engländern, Italienern, Mayas und Menschen aus der Karibik umfasst. Sie macht mehr als ein Viertel der Menschheit aus.

Du kennst vielleicht den Reichtum und die Schönheit bei Architektur, Kunstfertigkeit und Kunsthandwerk des muslimischen Lebens, die große Menge an Gedichten und Liedern sowie das riesige kulturelle Erbe der Gelehrsamkeit in den Wissenschaften des Islam. Zu Letzteren gehört die Kommentierung des Qur’an, verfeinerte Ausführungen zum Recht, Studien der Hadithliteratur, arabische Wörterbücher etc.

Inmitten dessen jedoch fällt dir auf, dass du nicht nur ein neuer Muslim bist, sondern auch „Konvertit“ genannt wirst. Und du sollst dich noch weiter einstufen. Unterschiedliche Leute – Muslime wie Nichtmuslime – wollen von dir wissen: Bist Du Sunni, Sufi, Salafi, Hanafi, Maliki, Schafi’i oder Hanbali? Und folgst du einem „traditionellen“ oder „politischen“ Islam, wirst „gemäßigter“ Muslim oder gar Extremist? Du hast einfach Islam akzeptiert und bist damit zufrieden, Muslim zu sein. Es verwirrt dich vielleicht, dass die Teilhabe an diesen Untergruppen notwendig erscheint, um dich in Gegnerschaft zu anderen zu bringen. Manchmal äußert diese sich in wirklicher Abneigung, die an Hass grenzt. Im Falle der Rechtsschulen erfolgt diese Unterscheidung so höflich, dass sie in deinen Augen eine tiefergehende Feindschaft maskiert.

Du siehst und spürst gelegentlich jene, für die „der Westen“ im vollkommenen Gegensatz zu „Islam“ steht. Sie positionieren sich eindeutig im Gegensatz dazu. Andere haben hingegen die Absicht, diesen „Westen“ auf jede erdenkliche Weise nachzunahmen. Für sie gibt es für den Islam keinen anderen Weg nach vorne als in solch einer Imitation.

Das ist ein Rätsel. Aber als neuer Muslim magst du dich nicht in der Lage sehen, an deiner Intuition festhalten, dass Islam selbst genug ist und du nur Muslim bist. Es ist die Absicht dieses offenen Briefes, dich zu überzeugen, dass das ausreicht. Aber ich möchte zeigen, dass die Gruppierungen, zu denen ihr eingeladen werdet, und ihre Etiketten eine gewisse Substanz haben. Ich möchte dich überzeugen, dass Zugehörigkeit eine Wirklichkeit ist und dass sie alle Muslime sind und Teil der größeren Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz besteht das große Geheimnis darin, einfach Muslim zu bleiben. Vielleicht beginnt bei dir die Erkenntnis, dass dieses etwas ist, dessen Bedeutung wir nicht vollkommen umfassen. Wir müssen sie uns wieder aneignen.

Wo anfangen? Erstens möchte ich mich auf Fragen beschränken, in denen unterschiedliche Gruppen Recht haben. Denn es gibt Dinge, bei denen Muslime sich einig sind, ohne dass sie in den Bereich der Meinungsverschiedenheiten vordringen.

Beginnen wir mit dem, was „politischer Islam“ genannt wird. Hier gäbe es verschiedene Beispiele. Tatsächlich haben sie sich mit wichtigen Fragen des Islam beschäftigt, denen von Regierung und Autorität. Ein Teil des Rechts kann nicht ohne Herrschaft oder einen ernannten Qadi realisiert werden. Und es besteht kein Zweifel, dass es traditionelle Ausdrucksformen muslimischer Regierung gibt. Allerdings müssen wir uns bewusst sein, dass wir unsere Geschichte häufig grob vereinfachen. Selbst ein oberflächlicher Blick offenbart alle Arten von politischen Formationen in den letzten eineinhalb Jahrtausenden. Und doch können alle Formen unter dem Titel der Gemeinschaft mit einer Führung zusammengefasst werden, die im Qur’an als „jene mit Autorität über euch“ beschrieben werden. Gemeinschaftliche Autorität spielt in Teilen des Islam eine Rolle. Sie muss die Leute ernennen, welche die Zakat einsammeln, oder auch den Anfang beziehungsweise das Ende des Ramadan bestimmen. Insofern haben solche Gruppen Recht, dass es keinen wirklichen Weg gibt, die religiöse Seite des Islam von den gemeinschaftlichen Aspekten zu trennen. Und diese Politik ist recht klar im Buch (Allahs) und der Sunna (der prophetischen Lebensweise) zu finden.

Unter den politischen Gruppen gibt es solche, die einen Trend verkörpern, der sich „Modernismus“ nennen ließe. Geht es darum, dass wir mit der Moderne umgehen müssen, dann ist der Fall unbestreitbar. Tatsächlich lässt sich begründen, dass eine der wesentlichen Eigenschaften von Islam ist, in jedes Zeitalter und jede Gesellschaft zu passen – bis zum Ende der Zeiten. Nicht nur enthält das Recht spezifische zeitlose Regeln. Es verfügt auch über Prozeduren für den Umgang mit neuen Situationen. Und bringt Antworten auf der Basis der Qur’anverse, der bekannten prophetischen Lebensweise, der Übereinkunft der Leute des Wissens und früherer Urteile auf neue Fragen hervor.

Das betrifft den rechtlichen Rahmen, aber Islam war immer modern beziehungsweise wir sollten eher sagen, dass er „neu“ ist. Andernfalls liefe etwas schief. Seine Neuheit gründet nicht auf dem Einfluss äußerer Kulturen, sondern weil er jede Zeit einer höheren Bewertung unterzieht, sowie das Annehmbare bewahrt und zurückweist, was inakzeptabel ist. Ein Modernismus, der behauptet, dass wir Islam revidieren oder reformieren müssen aufgrund dessen, was wir von Wissenschaft und anderen gegenwärtigen Institutionen verstehen, ist bereits veraltet. Die Wissenschaften, die so hochgehalten werden, werden von ihnen selbst kritisch in Augenschein genommen. Sie befinden sich in einer Krise. Solche Menschen sehnen sich nach der präzisen, mechanischen Ordnung von Newton, die längst von den Unschärfen der Quantenmechanik hinweggefegt wurde.

Islam war immer neu. Sein Erscheinen war ein Novum. Und in den Worten des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, war er ein Fremder. Er sagte: „Der Islam begann als etwas Fremdes und wird als Fremdes zurückkehren, so wie er begann. Und die Seligkeit gehört den Fremden.“ Dieses Hadith wurde von Abu Huraira überliefert und findet sich unter anderem in der (Sahih-)Sammlung von Imam Muslim. Die große andalusische Zivilisation war vollkommen neu. Das Entstehen der Osmanen brachte etwas komplett Neuartiges hervor. Jede muslimische Kultur war unverbraucht.

Nach dem politischen Verständnis und dem Modernismus werfen wir einen Blick auf das, welches die Tradition beansprucht. Nehmen wir beispielsweise die Salafis (die manchmal auch abwertend als die Wahhabiten bezeichnet werden). Sie betonen die Praxis der Salaf. Das sind der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sowie die rechtschaffenen Generationen nach ihm. Darin liegen sie ganz richtig. Von Abu Nahih Ar-’Irbad ibn Sarija wurde folgende Aussage überliefert: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ermahnte uns mit einer Ermahnung, durch welche unsere Herzen furchtsam wurden und die Augen mit Tränen überflossen. Und so sagten wir: ‘Gesandter Allahs, es ist, als wäre diese eine Ermahnung zum Abschied, also gib uns Rat.’ Er entgegnete: ‘Ich rate euch, Taqwa vor Allah, dem Mächtigen und Majestätischen, (Taqwa ist das umsichtige Verhalten, das sich aus dem furchtsamen Bewusstsein von Allah ergibt. Das heißt, die Vermeidung all dessen, was Er und Sein Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, untersagten und die Befolgung dessen, was sie befahlen) zu haben sowie zu hören und zu gehorchen, selbst wenn ein Sklave den Befehl über euch hat. Wer von euch lebt, wird viele Meinungsverschiedenheiten erleben. Also müsst ihr an meiner Sunna festhalten sowie an der Sunna der rechtgeleiteten Kalifen, die den geraden Weg nehmen. Beißt darauf mit den Backenzähnen. Hütet euch vor neu eingeführten Angelegenheiten. Denn jede neu eingeführte Frage ist eine Erneuerung. Und jede Erneuerung ist eine Irreführung. Und jedes Abirren führt in das Feuer.’“ Abu Dawud und At-Tirmidhi sagte, dies sei „ein gutes Sahih-Hadith“. Und Imam An-Nawawi übernahm es in seine Auswahl der vierzig Hadithe, von denen die Leute des Wissens sagen, dass sie unverzichtlich sind.

Diese sehr bekannte Aussage ist eine von vielen, die klarmachen, dass man an der Sunna des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sowie der von den rechtgeleiteten Kalifen festhalten muss. Daher ist das Bestehen der Salafis darauf nichts Neues. Es ging auch nicht verloren, sondern hier besteht und bestand immer Einigkeit unter den Muslimen. Tatsächlich gibt es in dieser Frage so viele Qur’anverse und prophetische Überlieferungen, dass kein Zweifel möglich ist. Es gibt vergleichbare Formationen, von denen man sagen kann, dass ihre Orientierung in Richtung Tradition, Vergangenheit und der vorsichtigen Bewahrung der islamischen Quellen geht. Und wer könnte etwas gegen die Wichtigkeit desselben sagen?

Lass uns nun einen Blick auf jene werfen, die stärker den spirituellen Aspekt des Islam betonen. Für die Sufis besteht Sufismus in seinen ersten Stufen aus der Reinigung des Herzens und der Befreiung des Verhaltens von zerstörerischen Gewohnheiten wie Prahlerei, Neid, Geiz, Gier, Wut und Hass. Andererseits geht es um die Verkörperung von edlen Charaktereigenschaften wie Großzügigkeit, Nachsicht, Standhaftigkeit, Aufmerksamkeit etc. Sie streben nach einem wahren und direkten Wissen (arab. ma’arifa) von Allah, dem Erhabenen. Das ist etwas anderes als Wissen aus Büchern oder Studium, obwohl es nicht im Widerspruch zu ihm steht. Sehr viele Gelehrte sind der Ansicht, dass die Wissenschaften des Sufismus für jeden muslimischen Mann und jede muslimische Frau verpflichtend sind. Denn es gibt viele Qur’anverse und Hadithe des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, welche die Wichtigkeit eines authentischen Wissens von Allah betonen. Negative Charaktereigenschaften seien fatal. Vielmehr seien die edlen Qualitäten des Charakters die eigentliche Essenz, für die der Gesandte Allahs, Heil und Segen auf ihm, gesandt wurde. Er, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Ich wurde nur entsandt, um die edlen, großzügigen Charaktereigenschaften zu vervollkommnen.“ Das wurde von Al-Bukhari und einer Vielzahl bedeutender Hadithgelehrter überliefert. Hier handelt es sich nur um einen von vielen Texten, welche diese Punkte betonen. Manche Muslime stimmen zu, sind aber anderer Meinung, was die Begrifflichkeit betrifft. Statt über Sufismus zu sprechen, reden sie von „Reinigung der Seele“ (arab. tazkijat an-nas). Es ist klar, dass sich Muslime über die Bedeutung dieser Wissenschaft verständigt haben.

Glaubt aber jemand, man könne wegen der spirituellen und inneren Dimensionen des Islam seine äußeren Dimensionen aufgeben, oder glaubt er an eine innere Deutung, welche eine eindeutige, klare Bedeutung ignoriert, dann wäre das ein Verderben des Islam. Vielmehr ist Sufismus ein wichtiger und bedeutender Aspekt unseres Weges, dessen Wichtigkeit nur klarer im Kontext der traditionellen Quellen und Politik wird. Das heißt, er ist Teil eines Ganzen.

Wenden wir uns Begriffen wie „traditioneller Islam“ – eine moderne Prägung – oder „sunnitischem Islam“ zu. Beide werden für den gleichen Zweck benutzt: die Zugehörigkeit zu den Ahl As-Sunna wa’l-Dscham’ah (Leute der Sunna und der Gemeinschaft). Diese Terminologie wurde geprägt, um verschiedene Formationen der muslimischen Gemeinschaft abzudecken, obwohl sie sich bei manchen Punkten der Praxis und Glaubenslehre unterscheiden. Es handelt sich um die Schüler der vier Rechtsschulen (Hanafiten, Malikiten, Schafi’iten und Hanbaliten), den Nachfolgern der beiden Schulen der Glaubenslehre  (die von Maturidi und Asch’ari) sowie den Lehrwegen des Sufismus, die sich auf Imam Al-Dschunaid zurückführen lassen. Unter diesem Dach sammelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Positionen, welche von Muslimen eingenommen werden. Gleichzeitig gelten alle als annehmbar, auch wenn es Meinungsunterschiede unter ihnen gibt.

An diesem Punkt ist es wichtig, daran zu erinnern, dass diejenigen, die mit diesen Begriffen beschrieben werden, Muslime sind; nicht bloß Sunnis oder „sunnitische“ Muslime. Obschon Muslime den hanafitischen, malikitischen, schafi’itischen oder hanbalitischen Schulen folgen, die aus dem Korpus der Leute der Sunna und der Gemeinschaft bestehen, sollten sie nicht durch sie definiert werden. Das heißt, jemand mag der Rechtsschule (arab. madhhab) von Abu Hanifa folgen, ist aber kein hanafitischer Muslim, sondern Muslim. Die Parteilichkeit unter Rechtsschulen ist eine Verfallserscheinung, obwohl sie in sich alle annehmbar sind. An diesem Punkt zeigt sich die Bedeutung von Führung, denn diese bestimmt den eingeschlagenen Weg bei solchen Fragen.

Wenden wir uns nun dem Islam im Westen zu. Sind wir auch nicht blind gegenüber dem Handeln imperialer und kolonialistischer Mächte in Vergangenheit und Gegenwart, lehnen wir jene Sichtweise ab, die den Westen als eine monolithische Einheit betrachtet, die ein Feind des Islam sei. Insbesondere deshalb, weil wir seine Früchte sind. In meinen Augen zeigt ein vorsichtiges Studium der europäischen Geschichte, dass der Westen seit sehr langer Zeit auf seinem Weg zum Islam ist. Eine profunde Lesart unserer Geschichte ergibt, dass wir über das imperiale römische Erbe hinausgegangen sind. Das Gleiche gilt für die Verfälschungen bei Glaube und Religion, welche die Kirchen uns aufgezwungen haben. Ein Beweis dessen ist die eigentliche Tatsache, dass ein solcher Text angesichts der großen Menge an Menschen nötig wird, die hier ihren Islam bezeugen.

In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf deine Rolle bei all dem Zurückkehren. Lass dich inmitten all dessen nicht von Enttäuschung und Desillusionierung, möge Allah dich und mich davor schützen, verführen. Nach der ursprünglichen Freude über die Entdeckung dieses verborgenen Schatzes erfahren nicht wenige, dass viele Muslime und Gemeinschaften dabei scheitern, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Sie wenden sich langsam von Moscheen ab, die von ihren ethnischen Trennungen und Streitigkeiten dominiert werden. Selten verlassen sie den Islam komplett, aber Begeisterung schwindet. Diese Enttäuschung wird unmöglich, wenn du dich, zusammen mit deinen Brüdern und Schwestern, als verantwortlich fühlst, Islam in unserer Zeit und in diesen Ländern hervorzubringen. Dann bleibt dir keine Zeit für Enttäuschung und Depression.

Obwohl wir gewohnheitsmäßig bestehende Gruppen als spalterisch ansehen, ist die Bildung von Gemeinschaften und Anerkennung von Autorität näher am Weg des Propheten, Allahs Heil und Segen auf ihm, und seiner Gefährten, anstatt als isolierte Familien und Einzelpersonen zu leben. Dass solche Gruppen Gemeinschaften werden und natürlich alle Muslime willkommen heißen müssen, und alle Muslime als ihre Brüder und Schwestern betrachten sollten, um sich natürlich zu größeren Gemeinschaften zusammenzuschließen, halten wir für offensichtlich.

Aber ich würde gerne noch einmal mit dir sprechen, der in dieser Gesellschaft Muslim wurde. Dein Platz ist sehr wichtig. Du musst den mittleren Weg des Islam einnehmen. Und ich meine keine Aufgabe von Inhalten, sondern einen Weg des Ausgleichs. In diesem Fall solltest du auch dem Druck anderer widerstehen, den Islam in die andere Richtung zu verändern. Das heißt, migrantische, kulturelle Elemente in ihren Islam zu bringen. Der Islam wird sich hier ausbreiten, wenn klar ist, dass man nicht aufhört, etwa Brite zu sein, wenn man Muslim wird. Denn er ist keine Kultur, sondern Filter für Kultur.

In diesem Bemühen ist es wichtig, dass du mit Eltern und Familie, alten Freunden und Bekannten, Arbeitskollegen und Kommilitonen in guter Beziehung bleibst. Dieser Aspekt kann nicht überbetont werden. Wie viel vom Islam besteht aus gutem Charakter und Verhalten, Großzügigkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit! Im Gesandten Allahs haben wir hier ein gutes Vorbild. Als einheimische Muslime habt ihr Zugang zu den Menschen dieser Regionen. Es mag reichen, dass sie einfach nur wissen, dass du Muslim bist, wenn deine Lebensführung in Übereinstimmung mit der des Gesandten Allahs ist, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Du bist an einem historischen Ereignis beteiligt, auch wenn die Geschichte deinen Namen vielleicht nicht aufzeichnet. Und trägst also eine doppelte Verantwortung: Die Verantwortung, von allen Muslimen, welchen Gruppen sie angehören, eine gute Meinung zu haben und und sich ihnen gegenüber gut zu verhalten. Und du trägst die Verantwortung, ein Vorläufer der islamischen Realität zu sein, die sich in unseren Ländern ankündigt.

Darin wird ein Kernelement der islamischen Botschaft als unvermeidlich erkennbar. Es ist so offensichtlich, dass es selten explizit in der Literatur erwähnt wird: Gemeinschaft. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und seine Gefährten waren eine Gemeinschaft. Das belegt die gesamte Hadithliteratur. Setzen wir das in Beziehung zu dem von uns Gesagten, dann ist es der Bedarf nach ihr, der Menschen dazu treibt, Gruppen zu schaffen und zu ihnen zu gehören. Es erübrigt sich, festzuhalten, dass eine gefühlskalte Moschee, zu der die Leute kommen und gehen, ohne sich zu begegnen, und in der sich nicht um das gegenseitige Wohlergehen gekümmert wird, nicht dieser Anforderung gerecht wird. Und sie basiert gewiss nicht auf dem Modell der erleuchteten Stadt Medina, die unser geliebter Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, etablierte. In dem Gebet, das wir fünf Mal täglich verrichten, und in der von uns rezitierten Fatiha, bitten wir Allah darum, „uns auf dem geraden Weg zu führen“. Wir flehen darum um „uns“, ohne Qualifizierung von Geschlecht, Rasse oder Kultur. Und es geht auch nicht nur um „mich“. Es wird auf der grundlegendsten Ebene des Islam davon ausgegangen, dass wir eine Gemeinschaft sind.

Wir finden ein wesentliches Element im Islam sowie in jeder Gesellschaft, die irgendwann die Überreste des Islam eines alten Propheten hatte. Dass es zwei Ebenen der Kommunikation gibt, von denen nur eine den modernen Menschen als real gilt: die zwischenmenschliche Kommunikation. Das andere lebenswichtige Element, dem jede vernünftige Kultur immer Aufmerksamkeit schenkte, ist die Kommunikation mit dem Unsichtbaren, Göttlichen: Das Gespräch mit Ihm in ernsthaftem Anrufen sowie dem Zuhören, wenn Er uns in Seinem offenbarten Buch anspricht.

Gemeinschaft ist notwendig für die gegenseitige Erinnerung, die so sehr Teil des Islam ist. Wir sind Menschen, die lehren und belehrt werden. Jeder Muslim hat einige Gebiete, in denen er lehrt und einige, in denen er unterrichtet wird. Gemeinschaft ist notwendig, damit unsere Kinder aus der Familie in die Welt kommen können. Bildung bedeutet ursprünglich „hinausführen“, das Kind aus der Welt des Kindes und der sicheren Zone der Familie in das Leben führen, das es wiederum leben muss.

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Abdassamad Clarke

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