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“Briefe, die abzuschicken wir uns nicht getrauten” – Von Ali Kocaman an jene, die sich als Opfer sehen (wollen)

Die Unzufriedenen

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Liebe Unzufriedene,

in Zeiten einer anschwellenden Islamkritik (ganz nebenbei: ein lukrativer Berufszweig) und eines populistischen Ressentiments habt ihr seit einiger Zeit ausreichend Gelegenheit, eurem – begründet oder nicht – ­Namen gerecht zu werden. Heute nimmt das The­ma der Feindlichkeit gegenüber Muslimen bei Leserbriefen und eingesandten Texten an die IZ den prozentual größten Anteil ein. Immerhin gibt es sogar ein aktiv klagen­des „Institut“, das sich beinahe ausschließlich diesem Thema widmet – allerdings ohne positive Beiträge außerhalb dieses ­begrenzten ­Feldes zu formulieren.

Eigentlich sollte der Muslim von ­Positivität und Dankbarkeit gegenüber seinem Schöpfer und der Schöpfung geprägt sein. Diese Grundstimmung geht im aktuellen Zustand leider zu oft verloren. Sollte eure ­Reaktion nicht eigentlich sein: „Ja, wir ­werden mit Ablehnung konfrontiert. Aber das moti­viert uns noch mehr, unserer Aufgabe gerecht zu werden.”

Damit wir uns nicht falsch verstehen – und heute wird gerne falsch verstanden: Es geht nicht um die Leugnung realer Diskriminierung und Ungleichbehandlung von ­Muslimen. Im Gegenteil, wir bemühen uns als IZ-Redaktion entsprechend unserer ­Möglichkeiten, auf diese hinzuweisen und – wo möglich – etwas dagegen zu tun. ­Jenseits eines generell unfreundlichen sozialen ­Kli­mas, das viele gesellschaftliche Gruppen trifft, gibt es bekanntermaßen viele Fälle von Diskriminierung praktizierender ­­­Mus­l­ime und Musliminnen.

Im Idealfall muss eigentlich aus einer ­solchen realistischen Einschätzung nach islamischen Denkregeln eine aktive Haltung folgen. In Deutschland geht die häufige Klage – unver­ständlich genug – oft mit einer gleichzeitigen gemeinschaftlichen Lähmung ­ins­besondere unter jüngeren Muslimen einher. Dabei könnte man doch als soziale Gruppe wie als Individuum in Deutschland vieles positives tun – vom Leserbrief über die Ansprache an den lokalen Bundestags- oder Europaabgeordneten bis hin zum eventuellen Rechtsweg.

Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen einer realistischen Einschätzung gesellschaftlicher Realitäten und einer de facto reaktionären Haltung, die noch darin besteht, sich selbst und andere Muslime (selbst wenn diese es nicht sein wollen) nur noch als Opfer sehen zu wollen – oder zu können. Mehr noch, manchmal drängt sich der Eindruck auf, die Beschäftigung mit dem gegen sie gerichteten Ressentiment ist für viele das einzige, was sie vor der vollkommenen Atomisierung bewahrt.

Die reale Gefahr besteht, dass die anhaltende und beinahe obsessive Fokussierung auf anti-muslimische Negativität („Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Zitat von Friedrich Nietzsche) zum Teil der ‘Aqida (Glaubenslehre) gemacht wird. ­Dafür gibt es aber keine Grundlage in den islamischen Fundamenten.

Im Qur’an macht Allah nicht nur deutlich, dass jede Generation einer ihr angemessenen Prüfung unterzogen wird. Er ­unterwies uns auch, dass es einen zeit­übergreifenden, existenziellen Unterschied zwischen jenen gibt, welche die Wahrheit bezeugen und jenen, die sie aktiv leugnen. Wer damit nicht leben kann, will vielleicht mehr anerkannt werden, als es ihm gut tut. Als der Prophet von einem der Engel gefragt wurde, ob er seine Gegner verfluchen wolle, verneinte er dies. Er sei nicht entsandt wurden, um zu verfluchen. Dabei hatte der Gesandte Allahs von allen Muslimen das schwierigste Schicksal.

Der Prophet, seine Gemeinschaft und Praxis von Medina sind bereits der Erfolg. Wir müssen uns nur daran erinnern.

Euer Ali Kocaman

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