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Buch: Thorsten Polleit über ein liberales Geldwesen ohne Zwänge. Von Abu Bakr Rieger

Wo sind die neuen Werte?

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(iz). Ich traue überhaupt keiner Papierwährung“ – so lautet das trockene Urteil eines Investmentprofis, der gleichzeitig einmal kein Lobbyist der Finanzindustrie ist. „Die nächste Krise kommt“, da ist sich Marc Faber im Interview mit dem Handelsblatt sicher und verweist auf die absehbare Rolle der Notenbanken. „Die Notenbanken werden die Börsen bei jedem Einbruch mit frisch gedrucktem Geld heraushauen“, so Faber und – so erklärt er das Prinzip „contra naturam“ und die logische Folge des Verlustes der Kaufkraft des Geldes: „Wenn Du die Zinsen auf null Prozent setzt und Deine Notenbank Geld druckt, dann frag Dich mal, was intelligente Menschen wohl lieber haben möchten – Papiergeld oder Gold?“

Das Thema nimmt nun ein neues Buch von Thorsten Polleit auf. Polleit fordert eine Geldreform und den Schritt „vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“. Für viele Muslime, die ­bisher die „Islamische Bank“als primären islamischen Lösungsansatz begreifen, sind diese Gedanken um die moralische Qualität von Geld und wie dieses Geld „aus dem Nichts“ in die Welt kommt, völlig neu.

Vollzieht man die Thesen des Buches nach, muss man auch das islamische Banking neu bewerten. Die Gegenthese zum Modernismus ist simpel: Eine Welt ohne Banken ist nach wie vor eine bessere Welt. Die Einsicht, dass beim („islamischen“) Banking die Kopie nicht viel besser ist als das Original, wird sich wohl bei vielen Muslimen bald durchsetzen.

Obwohl Polleit das Zinsverbot leider nur am Rande streift, ist sein Buch über die Folgen maßloser Produktion von Papiergeld für Muslime absolut lesenswert. Die Politisierung des Geldes und die Einführung eines Zwangsgeldes ist für Polleit mit den Gesetzen der freien Marktwirtschaft nicht vereinbar und bringt notwendigerweise „schlechtes Geld“ hervor. „Man merkt nicht oder will nicht merken, dass die Wurzeln der Geldentwertung ideologischer Natur sind. Nicht die „wirtschaftliche Lage“ bringt die Geldentwertung mit sich, sondern die inflationistische Politik. Das Übel ist geistiger Art“, zitiert Polleit den Theoretiker Ludwig von Mises.

Mises Theorie besagt, dass unter normalen Marktverhältnissen beliebig vermehrbares, entmaterialisiertes Papiergeld niemals etablierbar gewesen wäre. Gewinner sind nun alle „Reichen“, die ihr Geld zum Erwerb von Gütern und Rohstoffen einsetzen können, während das Geld der kleinen Leute in ihren Händen zerrinnt. Der Systemfehler wird auch nicht etwa dadurch besser, dass nun einige amerikanische Superreiche Teile ihres Vermögens spenden wollen und den bankrotten Staat damit indirekt endgültig in Frage stellen oder gar ersetzen wollen („L’etat c’est moi“).

Auch in Deutschland werden alle politischen Parteien nicht wirklich mit dem bedrohlichen Inflationsgespenst konfrontiert. Das ist kein Wunder. Die Fachdebatten um das Thema Geld werden auch immer häufiger nicht mehr von Parlamentariern, sondern von systemtreuen Lobbyisten geführt. Polleit sieht nicht nur einen Zusammenhang zwischen Verschuldung, chronischer Inflation und der Auflösung der Bürgerrechte durch den ausufernden Staat, sondern verortet dafür auch die politische Verantwortung eindeutig bei den Zentral- und Notenbanken.

Freiheit – so die These Polleits – wird künftig an dem Umstand festzumachen sein, ob in einem freien Markt freie BürgerInnen ihr Geld ohne Benachteiligung frei auswählen dürfen. Die politischen Thesen Polleits, die sein Buch zusammenfassen, sind heute weiß Gott brandaktuell: „Alle wichtigen Währungen der Welt sind staatliches Zwangsgeld. Staatsgeld ist ethisch defekt und inflationär. Es sorgt für Wirtschafts- und Finanzkrisen und es mündet in eine Überschuldungsklemme, welche die freiheitliche Gesellschaftsordnung gefährdet.“

Thorsten Polleit/Michael von Prollius, Geldreform, Lichtschlag Verlag, Euro 15,90

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