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Buchrezension: Das Lehrwerk “Mein Islambuch”. Von Mustafa Cimsit

Viele Stärken und wenige Schwächen

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(iz). Die Debatte um den Islamunterricht in Deutschland ist nun dort angekommen, wo sowohl die Muslime als auch die Regierungen der einzelnen Länder ihn als unverzichtbar anerkennen und intensive Bemühungen anstreben, um ihn flächendeckend einzuführen. Wichtige Voraussetzungen für diese Einführung sind Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien. An beiden wird bundesweit durch Fachleute gearbeitet. Bücher für den Islamunterricht kommen so langsam auf den Markt. Es gibt erst zwei Lehrbücher für den Islamunterricht, die offiziell zugelassen sind.

Eins davon ist „Mein Islambuch“, das unter der Mitautorenschaft und wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Bülent Ucar von der Universität Osnabrück herausgegeben wurde, ein Schulbuch für den Islamunterricht für das erste und zweite Schuljahr der Grundschule. Bereits der Titel des Buches macht einen guten Eindruck, weil er sofort das besagt, was er ist: Ein Buch für/über den Islam. Das Buch ist innovativ, informativ und der Lebenswirklichkeit der Muslime treu geblieben. Es ist somit „in der Mitte des Islams“. Es beginnt mit den fünf Säulen und endet mit den sechs Glaubensgrundlagen. Eine ausgezeichnete Herangehensweise, die sich durch die jahrhundertelange Tradition bewährt hat, um die Glaubenswahrheiten des Islams den muslimischen Kindern nahezubringen. Als Kind habe ich im Grundschulalter selber dieses Wissen, also die fünf Säulen und die sechs Glaubensgrundlagen des Islams, von meinen Eltern beigebracht bekommen. Aber eine dritte Grundlage islamischen Glaubens wurde mir auch vermittelt: Die Aufrichtigkeit (Ihsan), die den dritten, wichtigen Strang in der muslimischen Glaubenslehre ausmacht. Sie ist im Buch leider kaum eingearbeitet. Dieser dritte Strang ist von erheblicher Bedeutung, denn er ist die Essenz, die dem Glauben seine „Seele“ verleiht.

Die Themengebiete erstrecken sich von Gottes Allmacht über die Feste im Islam und einige grundlegende Informationen über Christentum und Judentum bis zur Lebensgeschichte des Propheten Muhammad, Friede sei auf ihm. Wie sich für ein Schulbuch gehört, sind die Themen nicht unnötig breitgetreten, sondern relativ übersichtlich, einfach und verständlich gehalten und animieren zu weiteren Fragen. Eine große Erleichterung für die Lehrkräfte und eine pädagogisch sinnvolle Vorgehensweise, für die man die Autoren loben sollte. Es liegt auf der Hand, dass jede Pionierarbeit wie auch diese – ich halte sie für eine solche – mit Mängeln behaftet ist. Aber nicht die kleinen Mängel, sondern die ganzheitliche inhaltliche Zusammensetzung eines Werkes ist maßgeblich für seine Qualität. In diesem Sinne ist dieses Schulbuch eine Bereicherung für jeden Religionslehrer im Islamunterricht.

Die Bilder im Buch wechseln zwischen echten und gezeichneten Bildern ab. Die abgebildeten Personen sind überwiegend europäischer und nur teilweise südländischer oder orientalischer Herkunft. Den Autoren unterstelle ich die gute Absicht, den Islam dadurch in Deutschland „heimischer“ werden zu lassen. Meiner Meinung nach hätte aber die Lebensrealität der Muslime durchaus mehr Beachtung finden können. Vor allem wenn man bedenkt, dass kaum kopftuchtragende Frauen oder Mädchen abgebildet werden. Die Realität sieht da natürlich ganz anders aus und diese sollte man nicht verdrängen. Der Respekt und seine Umsetzung insbesondere gegenüber Gott und der Leitfigur des Islam, nämlich des Propheten Muhammad, Friede sei auf ihm, sind denke ich zu kurz gekommen und werden der faktischen Religiosität nicht gerecht. So würde zum Beispiel kein frommer Muslim irgendeinen Propheten einfach mit dem Namen erwähnen ohne eine Eulogie (Segensspruch) hinzuzufügen.

Das Buch hat neben Schwächen auch Stärken. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es an vielen Stellen auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Islam, Christentum und Judentum durch Fragen wie: „Woran erkennst du, dass die Kinder in einer Synagoge, einer Moschee oder Kirche sind?“ verweist. Das Buch ermöglicht nicht nur, dass den Schülern zu einer eigenen muslimischen Identität verholfen wird, sondern fördert auch gleichzeitig die Verständigung unter den Religionen und sensibilisiert die Kinder bereits im frühen Alter für den interreligiösen Dialog.

Das Optische ist wechselhaft durchmischt mit Kalligrafien und modernem, ansprechenden Layout mit Fotos, Collagen, Liedern und Zeichnungen, wodurch das Buch für die Schüler sehr attraktiv wirkt. Durch etliche Fragen wie:“Warum wurde Muhammad ‘al-Amin’ genannt?“ oder „Welchen Menschen vertraust du?“ sollen die Schüler zum Nachdenken und Handeln angeregt werden. Meiner Ansicht nach stellt das Buch eine gute Ergänzung und Bereicherung zum Moschee-Unterricht dar.

Trotz der kleinen Mängel thematisiert der Inhalt des Buches zu einem großen Teil die Lebenswirklichkeit der Schüler, ohne dabei die islamische Tradition zu vernachlässigen, was für mich ein großer Pluspunkt bleibt. Wie vortrefflich die Autoren bei der religiösen Vermittlung gearbeitet haben, kann man am besten an diesem Zitat von Ruth Heil zeigen, das sie ins Buch aufgenommen haben: „Du bist etwas Besonderes. Das wollte ich dir schon immer sagen. Als Gott dich erschuf, legte Er liebevoll ein Stück von sich selbst in dich hinein. Er wollte, dass du einmalig bist.“

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