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Bücher: Aufsatzsammlung von E. Hobsbawm über die Trends im 21. Jahrhundert

Was kommt auf uns zu?

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(iz). „Es war die größenwahnsinnige US-Politik nach dem 11. September, die die politischen und ideologischen Grundlagen des früheren hegemonialen Einflusses weitgehend zerstörte und vom Erbe des Kalten Krieges kaum etwas anderes übrig ließ als eine zugegebenermaßen furchteinflößende militärische Macht. Dafür gibt es keine vernünftige Erklärung.“ (Eric Hobsbawm, „Globalisierung, Demokratie und Terrorismus“)

Was kann uns jemand mitteilen, dessen Lebensdauer beinahe ein ganzes Jahrhundert überspannt? Einiges, vor allem wenn es sich dabei um den immer noch hellwachen und anhaltend kritischen britischen Historiker mit österreichischen Wurzeln Eric Hobsbawm handelt.

Im Dezember 2009 hat der Deutsche Taschenbuchverlag nun ein neues Buch des im ägyptischen Alexandria geborenen Hobsbawm veröffentlicht. In der Aufsatzsammlung „Globalisierung, Demokratie und Terrorismus“ setzt sich der von manchen als bedeutendster lebender bri­ti­scher, wenn nicht gar weltweiter His­toriker angesehene mit drängenden Zukunftsfragen auseinander.

Ausgehend von „Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert“, das laut Hobs­bawm ein ungemein blutiges war, über das Wesen des Imperiums und die Streitfrage, ob die Vereinigten Staaten ein solches überhaupt sein können, bis zur Frage nach dem „Terror“ und der „Öffentlichen Ordnung in einem Zeitalter der Gewalt“ umreißt der Historiker, ausgestattet mit der Erfahrung des 20. Jahrhunderts, globale Trends der Zukunft.

In den zusammengetragenen Aufsätzen, Notizen und Reden, die laut Verlag teilweise behutsam aktualisiert wurden. Ihm, so Hobsbawm in seinem Vorwort, gehe es um fünf Bereiche, „die heutzutage klares und fundiertes Nachdenken verlangen“. Dazu zählen unter anderem die Frage nach Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert, die Vergangenheit und Zukunft von Weltreichen sowie die Frage nach politischer Gewalt und Terror.

Gerade beim letzten Punkt macht der Historiker deutlich, dass die weltweit Politik beeinflussende Angst vor Terror vielleicht nicht in dem Maße real ist, wie sie uns gerne angedient wird. Auch wenn „panislamische Terrornetzwerke“ mehr Menschen als ihre Vorgänger töteten, „aber auch deutlich weniger, als Staaten dies tun“, sei das statistische Risiko, ­einem Terroranschlag zu Opfer zu fallen, minimal. Ein Anlass für militärische Aggressionen könne es jedenfalls nicht sein. Hobsbawms vielschichtige Analysen lesen sich angenehm leicht, da sich der bekannte Historiker nicht auf postmoderne Gebilde einlässt, Interessen klar benennt und sich eine intellektuelle Unabhängigkeit und Schärfe bewahrt hat, wie sie vielen deutschen Publizisten (und Bellizisten) gut anstünde.

Eric Hobsbawm
Globalisierung, Demokratie und Terrorismus
Deutscher Taschenbuch Verlag, Dezember 2009
Taschenbuch, 176 Seiten
ISBN: 978-423-24769-6
Preis: 14,90 Euro

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