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Bücher: Dr. Murad Hofmann über Mathias Rohes Werk zum islamischen Recht

"Beitrag zur Versachlichung der Debatte"

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(iz) Der Christ Mathias Rohe (49), Inhaber des Erlangen-Nürnberger Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung sowie Gründungsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG), ist für hiesige Muslime ein Glücksfall; denn dank langer Studien im Nahen Osten kennt er das islamische Recht wie kein zweiter und stellt es vorurteilslos dar – sowohl in seiner Entwicklung in der Frühzeit, im Mittelalter und bis auf die Neuzeit als auch mit umfangreichen Studien der jetzigen Situation in Indien, Kanada und Deutschland. Dabei weist er in größtem Detail nach, dass das islamische Recht – ohne in Beliebigkeit zu zerrinnen – so pluralistisch und anpassungsfähig wie das europäische ist. In beiden Rechtskreisen gilt: “Wo zwei Juristen, da drei Meinungen.” Damit trägt Rohe durch Versachlichung zur Entkrampfung der öffentlichen Islam-Diskussion bei.

Rohes präzise, umsichtige und fundierte Darstellung (mit 2.627 Endnoten) ist für Juristen ein wahrer Genuss. Wichtig ist dabei, dass Rohe im Gegensatz zu Joseph Schacht und Bilderstürmern à la Kalisch von der hohen Verlässlichkeit der mündlichen Überlieferung im Islam ausgeht. Nichtjuristen mögen allerdings mit der juristischen Lehrbuchdiktion (einschließlich geläufiger römisch-rechtlicher Zitate in Latein) einige Schwierigkeiten haben.

Dass Gott alleine Gesetzgeber sei, hält Rohe zu Recht ohne inhaltliche Aussagekraft, zumal ohne Auslegung schlichtweg kein Recht angewendet werden kann. Auch weist er zutreffend darauf hin, dass sich das von Muslimen praktizierte Recht stark von dem publizierten Juristenrecht unterscheiden konnte. Der Autor verweist mehrfach lobend auf die Islamische Charta des Zentralrats der Muslime in Deutschland, weil er dem ordre public in Europa, also der lokalen Rechtsordnung, grundsätzlich Gültigkeit für die hiesigen Muslime einräumt.

Rohe, Das Islamische Recht – Geschichte und Gegenwart, 2. Aufl., C.H.Beck: München 2009, 606 S., gebunden, 39,90 Euro, ISBN 978-3-406-57955-4. (Unter dem gleichen Titel waren bereits Bücher von Said Ramadan [2. Aufl. 1996, Genf] und Tilman Nagel [2001, Göttingen] erschienen.)

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