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Bulgarien: Muslime wehren sich gegen aggressive Hass- und Gewaltwelle von Rechtsextremen

Stunk im Land der Rosen

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Die anhaltenden antimuslimischen Über­griffe seitens der faschistoiden ­Ata­ka-Partei in Bulgarien drohen zu eska­lie­­ren. Am 13. Juni veröffentlichte das Büro des bulgarischen Obermuftis in ­Sofia eine Erklärung, in der die ­musli­mi­sche Minderheit des Balkanlandes aufgefordert wurde, künftig Maßnahmen zur Selbst­verteidigung zu ergreifen. Der bulgarische Staat „ist entweder nicht in der Lage, uns zu beschüt­zen, oder er will es nicht“, hieß es in der Erklärung.

Sofia (IZ/jw/SNA). Die bulgarische Gesellschaft wird augenblicklich akut von Islamfeindlichkeit geplagt. Dies ist zumindest die Quintessenz ­eines besorgten Aufrufes des obersten ­Muftis. Darin wurden die Muslime (bis zu 20 Pro­zent der Bevölkerung ausmachen) auf­gefordert, sich gegen anhaltende Angriffe zur Wehr zu setzen. Die Erklärung vom 13.06.2011 wurde einen Tag nach einem brutalen Angriff auf den Hausmeister der Hauptmoschee in Sofia abgegeben. Der brutale Überfall unbekannter Täter fand nur wenige Minuten vor Beginn des Morgengebets statt. Eintreffende Gläubige fanden den Mann blutverschmiert und schwer verletzt vor.

Zentral beschäftigte sich die Erklärung mit den Vorfällen vom 20.05.2011, als Extremisten der faschistoiden Ataka-­Partei betende Muslime außerhalb der ­Banya Bashi Moschee angriffen. Die Faschisten, die gegen die Muezzin-Rufe durch die Lautsprecheranlage der Moschee protestieren wollten, verletzten etli­che Gläubige und zündeten Gebetsteppiche an. Mehrere Menschen mussten nach den Ausschreitungen in Krankenhäusern behandelt werden. In der Öffentlichkeit löste dieser Angriff Empörung aus. Während Präsident Parwanow von einem „Spiel mit dem Feu­er“ sprach, wurden Rufe nach einem Verbot von Ataka laut. Die Ataka-Fraktion ist jedoch ein zuverlässiger Mehrheitsbeschaffer der konservativen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Borissow. Nach dem brutalen Angriff auf die wichtigste Moschee Sofias sah sich die Regierungspartei genötigt, die To­lerierung ihrer Regierung durch die Rechten zu kündigen. Am 17.06.2011 musste sich das Kabinett einem Misstrau­ensvotum stellen, das sie nur knapp überstand. Nach Ansicht von Beobachtern intensiviert Ataka ihre Angriffe gegen die Muslime, um durch eine nationalistische Polarisierung ihren Popularitätsschwund aufzuhalten.

Die Einrichtungen des bulgarischen Staates, so der oberste Mufti, hätten versagt, Muslime und ihre Einrichtungen zu schützen. „Nach dem letzten Fall von Gewalt gegen Muslime und Tätlichkeiten gegen eine Moschee hat die muslimi­sche Gemeinschaft die klare Botschaft erhalten, dass der Staat entweder ­unfähig ist, sie zu schützen, oder dies nicht will. Als Bürger eines EU-Landes – die die Hoff­nung hatten, dass es ausreichend funktionierende Mechanismen gäbe, ­Re­pression zu unterbinden – bringt uns dies in eine missliche Lage.“

Leider hätten sich die Hoffnungen der Muslime als illusorische erwiesen. Man sei sich bewusst, dass die Muslime für ihre Sicherheit und für ihre Rechte ­sorgen müssten. „Unzählige Fälle der letzten Jah­re, darunter einige schockierende, ­lassen den Schluss zu, dass wir hier uner­wünscht sind und dass der Druck ­gegen uns anhalten wird. Sie belegen, dass die bulgarische Gesellschaft aggressiv gegen den Islam, dessen Werte und die muslimische Gemeinschaft eingestellt ist“, lautete die Schlussfolgerung des Ober­haup­tes der muslimischen Gemeinschaft.

Die oben angeführten Vorfälle ­dürften nicht als Rowdytum oder Kriminalität bewertet werden, sondern als „eine zusammenhängende Strategie gegen Muslime, die zu weitreichenderen Aktionen“ führen könnte. Auch wenn Bulgariens Mus­lime „die Unterstützung von Politi­kern, Intellektuellen und Teilen der Gesellschaft erhalten haben“, sei es zu vergleichbaren Übergriffen gekommen. Am 30.05.2011 habe das Büro des Muftis Innenminister Tswetanow auf gewalttätige Angriffe auf betende Muslime hinge­wiesen. Allerdings hätten Reaktionen von Menschenrechtsorganisationen, der Regierung oder politischen Parteien ­bisher auf sich warten lassen.

In der Erklärung wurden die ­Muslime aufgerufen, sich Tag und Nacht als freiwillige Wachen bereitzustellen. Damit sie schützen könnten, „was der Staat nicht kann – die Ehre und Würde des ­Is­lam und der Muslime“. Die ­autochthone muslimische Gemeinschaft besteht aus pomakischen und türkischsprachigen Muslimen.

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