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Bundesweit erster christlich-muslimischer Kindergarten

Zwei-Religionen-Kita geht zum 1. August an den Start. Michael Althaus berichtet aus dem niedersächsischen Gifhorn

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Foto: tolmacho, Pixabay | Lizenz: CC0 Public Domain

Christen und Muslime spielen und lernen gemeinsam. So sollen Konflikte gar nicht erst aufkommen. Für die geplante Zwei-Religionen-Kita gibt es bereits eine Warteliste. Das Konzept stößt jedoch auch auf Kritik.

Gifhorn (KNA). Im niedersächsischen Gifhorn beginnt der Dialog der Religionen künftig bereits im Sandkasten. Zum 1. August wollen Kirchen- und Moscheegemeinden in der 42.000-Einwohner-Stadt westlich von Wolfsburg die Kita „Abrahams Kinder“ eröffnen. Der Vorsitzende des Trägerkomitees, der katholische Pastoralreferent Martin Wrasmann, spricht vom bundesweit ersten christlich-muslimischen Kindergarten. „Wir möchten zur Begegnung der beiden Kulturen beitragen“, sagt der 63-Jährige. Das Konzept scheint aufzugehen: Nachdem das Anmeldeverfahren anfangs stockte, ist die geplante Gruppe mit 18 Plätzen für Kinder von ein bis sechs Jahren mittlerweile voll. Sechs Kandidaten stehen bereits auf der Warteliste.

Die katholische Gemeinde Sankt Altfrid pflegt laut Wrasmann schon seit Jahren eine gute Zusammenarbeit mit der deutsch-türkischen Moscheegemeinde Ditib: Friedensmärsche, Gebete und Jugendbegegnungen gehören zum gemeinsamen Programm. Als der Pastoralreferent davon hörte, dass die Moscheegemeinde einen eigenen Kindergarten plant, kam ihm die Idee: Warum nicht eine gemeinsame Einrichtung betreiben? Bei den Muslimen stieß er gleich auf Begeisterung. Die evangelische Kirche, die ebenfalls mit ins Boot geholt werden sollte, reagierte zunächst mit Zurückhaltung. Schließlich fand sich mit der Dachstiftung Diakonie aber doch ein Träger aus ihrem Bereich. Eine jüdische Gemeinde, die man sich ebenfalls als Partner hätte vorstellen können, gibt es in Gifhorn nicht.

Gemeinsam wurde ein Trägerkomitee gegründet, dem jeweils drei Vertreter der katholischen und muslimischen Gemeinde sowie der Dachstiftung Diakonie angehören. Zudem haben je ein Delegierter der Stadt Gifhorn, der evangelischen und der kurdischen Gemeinde einen Sitz. Abraham wurde zum Namensgeber auserkoren, weil er in beiden Religionen als Urvater gilt.

Von den 18 Kindern sollen mindestens 7 christlich und 7 muslimisch sein, so die Idee. Überdies werden auch Konfessionslose aufgenommen. Nach aktuellem Stand ist das Verhältnis von christlichen und muslimischen Kindern in etwa ausgeglichen. Die verbindenden Elemente der beiden Religionen würden in der Einrichtung in den Alltag integriert, sagt Wrasmann. „Begegnung der Kulturen kann nur dort gelingen, wo der jeweils andere ein Gesicht für die Menschen bekommt.“

Das bedeute nicht, dass alle religiösen Feste gefeiert würden. „Aber wir können gemeinsam darüber reden, welche Bedeutung die Feste haben.“ Die neue Kita werde „keine Bibel-Koran-Schule, sondern ein Ort der Achtsamkeit“. Dazu gehöre auch der Plan, eine starke Elternarbeit zu etablieren, um auch unter Erwachsenen den Austausch zu fördern. Das Essen in der Einrichtung soll halal-zertifiziert sein.

Details, etwa ob gemeinsam gebetet oder Gottesdienst gefeiert werde, wolle man den künftigen Mitarbeitern überlassen. Die Stelle der Leiterin ist bereits – mit einer Katholikin – besetzt. Für die drei Erzieherstellen läuft noch das Bewerbungsverfahren; mindestens je ein Muslim und ein Christ sollen eingestellt werden. Die Träger wollen das Projekt jährlich mit rund 20.000 Euro bezuschussen. Unumstritten ist die neue Kita gerade angesichts der zunehmenden populistischen Tendenzen nicht.

„Es gibt in Gifhorn viel Zuspruch, eine schweigende Mitte und laute Kritik vom rechten Rand“, so Wrasmann. Besonders die örtliche AfD-Fraktion wettert gegen das Konzept, aber auch innerhalb der Moscheegemeinde gibt es vereinzelt Skepsis gegenüber einer Zusammenarbeit mit Christen. Eine große Mehrheit des Stadtrates steht jedoch hinter dem Konzept, mit dem Gifhorn bundesweit Vorreiter werden kann.

Eine Drei-Religionen-Kita von Christen, Juden und Muslimen wird derzeit auch in Berlin-Moabit geplant, soll aber erst 2021 eröffnen. In Osnabrück gibt es bereits eine jüdisch-christliche Kita sowie eine Drei-Religionen-Schule. Wrasmann selbst ist optimistisch: „Wenn unsere Kita erst einmal an den Start geht, erhoffe ich mir, dass die Kritiker ruhiger werden.“ Er denkt auch schon über eine Erweiterung nach: „Wir schauen bereits nach Räumlichkeiten, in denen wir in einem Jahr eine zweite oder dritte Gruppe eröffnen könnten.“

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