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Burma: Die muslimischen Rohingya leben unter extrem schwierigen Umständen. Von Firaz Khan

Profil eines vergessenen Volkes

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(The Western Muslim). Es ist ein Beleg der Dynamik der islamischen Botschaft, dass wir Muslime in allen Teilen der Welt finden. Während Menschen aus allen Völkern und Kulturen die Einheit Allahs bezeugen, müssen sich die Muslime Burmas fühlen, als würde die Botschaft von Brüderlichkeit, gegenseitiger Hilfeleistung und Barmherzigkeit auf taube Ohren stoßen.

Ihre Wurzeln auf Perser, Türken, Mauren, die Moghuln, Paschtunen und Bengalen zurückführend, leben die Rohingya seit ihren Anfängen auf dem Gebiet des burmesischen Bundesstaats Rakhine. Auch wenn der Hinduismus einstmals in der Region vorherrschend war, führte die Ankunft des Islam in der Region des heutigen Rakhine dazu, dass die muslimischen Rohingya und die buddhistischen Maghs die beiden größten Gemeinschaften stellen.

In vielerlei Hinsicht ist das Leid der Rohingya eine bekannte Geschichte der nachkolonialen Welt. In der vorkolonialen Zeit und während der britischen Herrschaft erfreuten sich die Rohingya eines allgemeinen Erfolgs und besetzten hohe Positionen in der Regierung, im Handel und in der Zivilgesellschaft. Auch wenn die unterschiedlichen Gemeinschaften des heutigen Burmas früher harmonisch zusammenlebten, änderte die britische Herrschaft das soziale Gewebe des Landes dramatisch. Dies führte dazu, dass sich schließlich alle religiösen Gemeinschaften darauf einigten, die Herrschaft der Briten zu beenden. Nach seiner Unabhängigkeit 1948 litt Burma unter einem Bürgerkrieg zwischen Regierung und Minderheiten. Auch wenn diese sich kaum in Fragen wie Erscheinung, Kleidung und Sprache unterschieden, waren die kleinen Differenzen zwischen einzelnen Konfliktparteien von entscheidender Bedeutung. Die burmesische Armee, auch bekannt als Tatmadaw, unterdrückte und unterdrückt systematisch Minderheiten, darunter auch die Rohingya, sowie die Völker der Karen, Karenni, Shan und Mon. Die Tatmadaw betreibt eine Politik der „Vier Einschnitte“ mit dem Ziel, die von Minderheiten bewohnten Regionen des Landes klein und schwach zu halten. Diese „Einschnitte“ richten sich auf die Einschränkung der Lieferungen von Lebensmitteln und anderer Versorgungsgüter, dem Zugang zur Information, der Rekrutierung von bewaffnetem Widerstand und finanzieller Unterstützung. Unter dem Banner der „Vier Einschnitte“ wurden eine Reihe an Verbrechen begangen. Dazu zählen Zwangsumsiedlungen und interne Vertreibungen, Enteignungen von Land und Vieh, Zwangsarbeit, sexueller Missbrauch und Gewalt auf einem Niveau von systematischen Hinrichtungen.

Die muslimischen Rohingya wurden dabei gezielt angegriffen. Ein Propagandakrieg, angeführt von radikalen Buddhisten, hat unter der Behauptung, die Muslime suchten die Verbreitung des Islam durch die Heirat mit anderen Gruppen, zu Gewaltausbrüchen geführt. Einige Monate nach der Zerstörung von Buddhastatuen in Afghanistan durch die Taliban kam es zu Spannungen zwischen Buddhisten und Muslimen. Es häuften sich Berichte, wonach ein Mob von annähernd tausend Leuten unter Führung eines Mönchs muslimische Geschäfte, Häuser und Moscheen angegriffen haben soll. Die herrschenden Behörden haben nichts getan, um die Gewalt zu beenden, die sich in den folgenden Monaten auf benachbarte Städte und Dörfer ausgebreitet hatte.

Fluchtmöglichkeiten der Rohingya sind begrenzt: Mehr als eine Viertel Million Flüchtlinge sind ins benachbarte Bangladesch geflohen, doch die dortige Regierung ist unwillig, diese Menschen in ihrem Land aufzunehmen oder notwendige Mittel in den dortigen Flüchtlingslagern zur Verfügung zu stellen. Schätzungsweise 230.000 Muslime sind zur Rückkehr gezwungen worden. Der Rest der in den Lagern verbliebenen 30.000 Flüchtlinge lebt ohne ausreichende medizinische Versorgung und ohne Erziehungsmöglichkeiten. Außerdem sollen zwischen 100.000 und 200.000 Rohingya außerhalb von Lagern in Bangladesch leben. Sie haben keinerlei Dokumente, die sie als Flüchtlinge ausweisen. Die mangelnde Versorgung mit Medikamenten in den Lagern und das Fehlen von Zugang zu Kliniken hat nicht dazu beigetragen, die Situation der Menschen zu erleichtern. Mangelernährung an diesen Orten ist ein Dauerzustand, 52 Prozent der Kinder müssen damit leben und 16,8 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an akutem Nahrungsmangel. Der Großteil dieser Schwierigkeiten liegt an der armseligen Wasserqualität und dem Mangel an sanitären Einrichtungen, dem Fehlen von Lebensmitteln und den allgemein armseligen Bedingungen in diesen Flüchtlingslagern.

Darüber hinaus gibt es keine ausreichende Bildungsmöglichkeit für die Kinder. Schätzungsweise werden bis zu 650 Kinder pro Jahr geboren. Wegen eines Mangels an qualifizierten Lehrern, Hilfsmitteln und einer falschen Politik Bangladeschs liegt die Alphabetisierungsrate unter 12 Prozent und fällt noch weiter. Es bestehen Befürchtungen, dass eine gesamte Generation von Kindern nicht die notwendigen Fähigkeiten besitzen wird, eine lebensfähige Zukunft für sich aufzubauen.

Die Regierung von Bangladesch hat es internationalen Hilfsagenturen und NGOs untersagt, zu intervenieren. Es bestehen Befürchtungen in Dhaka, dass dadurch mehr Menschen in die Lager kommen wollen und sie deshalb die Grenze überschreiten könnten. Auch wenn eine ganze Reihe an Hilfsorganisationen internationale Unterstützung verlangt, wissen nur wenige Menschen vom Leid der muslimischen Rohingya.

Als sich der Islam in die vier Himmelsrichtungen ausbreitete, war er eine Botschaft, die keine Grenzen kannte. Gefangen in Mauern von Unwissenheit und Intoleranz, leben die Rohingya in ­einer Situation ohne Hoffnung. Damit sich das ändern kann, müssen sich die Muslimen in aller Welt mit der internationalen Gemeinschaft zusammentun, um diese Grenzen einzureißen und einem vergessenen Volk Hoffnung ­bringen.

Der Text wurde uns vom Medienprojekt “The Western Muslim” (www.thewesternmuslim.com) zur Verfügung gestellt.

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