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Das andere Deutschland

Dem „Orient in Mitteldeutschland“ ist nun ein eigener Band gewidmet

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Foto: Der Pascha von Magdeburg

(iz). „Ost ist Ost, und West ist West, und niemals treffen sich die beiden“, dichtete einst Rudyard Kipling. Hier irrte der Mann offensichtlich. Nicht nur die Gegenwart des heutigen Europas, auch seine Geschichte sprechen eine andere Sprache.

Der vorliegende Band „Der Pascha von Magdeburg“ ist historischer und zeitgenössischer Beweis, dass das Gegenteil der Fall war – beziehungsweise ist. Auf den 324 Seiten des aufwändig gemachten und illustrierten Buches des ost-nordost Verlages gehen seine AutorInnen den Spuren des Austausches zwischen dem Morgenland und dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts nach.

Selbst ein oberflächlicher Blick macht deutlich, dass sich da enorm viel finden lässt. Thematisch sind die einzelnen, kurzen Aufsätze, die jeweils eine Person oder eine Begebenheit behandeln, in vier sinnvolle Kategorien geteilt: Kreuzwege, Befruchtungen, Sagen & Legenden sowie Neue Vielfalt Sachsen-Anhalt.

Mit „Der Pascha von Magdeburg“ bieten seine Macher etwas Neues und begeistern für die interkulturelle Geschichte Mitteldeutschlands. Kaum glaublich, mag manche/r denken, wenn er oder sie einem stereotypen Bild der neuen Bundesländer anhängt. Der interkulturelle und -religiöse Aspekt des Buches hört nicht bei den Inhalten auf. Die Geschichten wurden von einer mehrsprachigen Projektgruppe recherchiert „und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen liebevoll illustriert“.

Dabei wird – wie die 45 Beiträge unter vier Schlagworten dokumentieren – ein weiter Bogen geschlagen. Dieser reicht vom Besuch des Gesandten Ibrahim ibn Yakup bei Kaiser Otto I., über den Orientreisenden Olearius bis zu Kalligrafien junger Magdeburgerinnen aus Syrien.

Vis-a-vis zeitgenössischer Nationalismen, einer Verdrehung von Geschichte sowie der Betonung von Polaritäten geht es AutorInnen und Verlag um Begegnung und gegenseitige Bereicherung. Dies gelingt „Der Pascha von Magdeburg“ nicht nur auf einem erhellenden Niveau. Das Buch kommt auch ohne moralisierenden Zeigefinger oder Rhetorik aus, sondern lässt Vergangenheit und Gegenwart für sich sprechen.

Nicht wenige werden sich fragen: Wieso eine Region, die in den letzten Jahren eher weniger durch Vielfalt und Begegnung aufgefallen zu sein scheint? Die Antwort liefert die Geschichte. Weite Teile des heutigen Ostdeutschlands standen nicht nur in einem umfangreichen Austausch mit der slawischen und baltischen Welt. In früheren Zeiten bestanden auch Handels- und Kulturbeziehungen mit der türkischen und arabischen Welt. Das ­bezeugen nicht nur Münzfunde, sondern auch die Leipziger Messe, die Händler aus aller Welt anzog.

Erwartungsvoll stimmt, dass diese „Mosaiksteine“, so Dr. phil. Hotopp-Riecke vom Herausgeber ICATAT, nicht für sich bleiben. Für drei weitere Bände (über Brandenburg-Berlin, Altmark sowie Thüringen-Sachsen konnten Verlage gewonnen werden). (lm)

Dr. Mieste Hotopp-Riecke (Hrsg.), Der Pascha von Magdeburg, 324 Seiten, gebunden, ISBN 978–3–9819118-4-8, Preis: EUR 25,80

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Laila Massoudi

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