IZ News Ticker

Das Buch eröffnet ganz neue Dimensionen

Bekenntnisse einer lesenden Seele: Essay von Ariyana Sen

Werbung

Foto: Max Pixel

„Nur die Ungewohntheit, etwas Gutes zu genießen, ist Ursache, dass viele Menschen schon am Albernen und Abgeschmackten, wenn es nur neu ist, Vergnügen finden.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

(iz). Als ich acht Jahre alt war, gab es eine Geschichte, die meinen Charakter von Grund auf verändern sollte: Eine familienlose Frau wird von ihrem Mann verlassen und hat nichts: Kein Geld, keine Wohnung, keinen Menschen, der teilhat an ihrem Schicksal. „Was, wenn ich auch irgendwann so einsam bin? Das, was ich meine Freunde nenne, was sind das für Menschen? Würden sie Leid ertragen, um mich vor größerem Leid zu schützen? Kann ich ihnen, ohne Angst, verlassen zu werden, einen meiner Fehler einräumen? Trauen sie sich, sich bei mir zu entschuldigen, wenn sie einen Fehler begehen? Halten sie mich an, wenn ich mich auf eine falsche Bahn begebe? Wenn ich ungerecht bin, sagen sie mir das? Helfen sie mir, mich zu sammeln, statt mich zu zerstreuen?“

In dieser Zeit ist es leider so, dass ein Freund derjenige ist, der dieselben Neigungen hat. Das ist zu oberflächlich.

Wie entgeht man dieser Einsamkeit? Meine Antwort auf war damals ganz einfach: Habe ein gutes Herz. Also habe ich für mich dahingelebt, in der Hoffnung, dass andere mein Herz erkennen würden; worüber ich eines Schlechteren belehrt werden sollte.

Den größten Eindruck haben immer die Liebesgeschichten auf mich gemacht. Das beiderseitige, unbedingte Offenbaren der Gefühle bewirkt Wunder. Zwei Menschen, die sich dazu entschließen, zusammen zu sein und somit die Angst der Einsamkeit überwinden. Die Liebe allein ist es, die uns in Freiheit setzt. Bei einem Menschen, der uns liebt, können wir ganz Wir-Selbst sein. Die Realität hat mich enttäuscht, genauso wie sie Don Quijote enttäuschte; also ging ich in eine Welt, die Schiller das ideale Reich nennt, ins Reich der Poesie.

Und in dieser Welt bin ich weiterhin realistisch, jedoch: Ich spiegle nicht die Wirklichkeit, ich bilde eine Wirklichkeit, die realistisch ist, aber nicht die Realität aufzeigt.

Die Familie enttäuscht dich, ständig wirst du kritisiert; andere haben es schlechter als du, dessen bist du dir bewusst, doch diese ständige Kälte deiner Mitmenschen wird unerträglich. „Familie“ und „Freunde“, die beiden, die das größte Glück bedeuten sollten, enttäuschen durch ihre Scheinheiligkeit und Oberflächlichkeit. Vor der Familie die Flucht zu den Freunden, nur um beiden Seiten enttäuscht den Rücken zu kehren. Nur die Liebe kann die entstandene Leere füllen. Doch die Liebe muss erst gefunden werden, nein nicht gefunden werden, die Liebe muss dich erst einmal finden. Sie zu suchen bringt Verzweiflung; wenn es so weit ist, führt das Schicksal dich und den Menschen, der für dich bestimmt ist, zusammen.

Wie schaffe ich es, dieser Leere, während ich ohne diese besondere Liebe leben muss, zu entkommen? Durch die Flucht in die Schönheit! Die Flucht in Geschichten, die mich kultivieren. Die Scheinheiligkeit und auch die Oberflächlichkeit muss ich mir abgewöhnen, denn sie sind hässlich! Die Poesie bringt Schönheit. Durch den ständigen Kontakt mit schönen Gegenständen wird der Mensch selbst schöner. Durch den ständigen Kontakt mit banalen Gegenständen wird der Mensch selbst banaler. Der Mensch hat immer die Wahl. Er ist es, der sich für das eine oder andere entscheidet. Die Schattenwelt (Außenwelt) übt einen großen Einfluss auf den Einzelnen aus, doch Menschen, die wissen, was Freiheit ist, lassen sich von ihr nicht allzu stark beeinflussen. Sie gehen ihren Weg, indem sie fürlieb mit schönen Gegenständen nehmen und in diesem Sinne ihren Charakter bilden.

Wenn der Mensch lange genug in einem Traum lebt, wird dieser zu seiner wahren Realität. Ist er erst einmal Realität geworden, so hat die Schattenwelt eine sehr geringe Wirkung auf ihn. Don Quijote ist dies gelungen! Er besaß Mut und setzte diesen dafür ein, die Windmühlen zu bekämpfen. Wenn nicht einmal wir, diejenigen, die sich der Ungerechtigkeit bewusst sind, uns für schöne Dinge einsetzen, indem wir etwa auf „spaßige“ Beleidigungen verzichten, die auf Degeneriertheit schließen lassen, tolerant leben und für Toleranz werben – wer wird es denn sonst tun, wenn nicht wir? Die Frage ist immer: Wie kann ich gegen diese Ungerechtigkeiten ankämpfen? Die Antwort ist ganz simpel: Mit schönen Worten, die eine schöne Wirkung auf andere haben! Das ist das Mindeste, was der Einzelne tun kann. An diese schönen Worte werden sich die Menschen gewöhnen, wenn sie denn oft genug gesprochen werden. Zur Gewohnheit geworden, werden daraus schöne Taten und der Mensch verändert zumindest seinen Bekanntenkreis zum Besseren.

Woher kommen die schönen Worte? Aus der Poesie! Ich nehme sie mir aus der Poesie! Zu sagen, die Poesie sei veraltet, bedeutet nichts anderes, als zu behaupten, die Schönheit sei veraltet. Der Mensch ist es, der den Dingen den Wert gibt. Eine Sache ist nur so viel Wert, wie viel der Mensch ihr beimisst. Schönheit veraltet nicht. Wer etwas anderes behauptet, hat noch nie von ihrem Nektar gekostet.

Warum also lese ich? Um mich im Begriff des Schönen zu halten, des Edlen, des Guten – das eine ist Synonym für’s andere. Es muss genährt werden, denn wenn wir etwas nicht nähren, verhungert es und stirbt. Es muss geübt werden, genauso wie auch die Muskeln trainiert werden müssen. Ab und zu reicht nicht aus, es muss konstant geschehen, um weitere und deutlich sichtbare Muskeln aufzubauen. Seltenes Training baut keine oder nur gering Muskeln auf. Kontinuität im Training baut das Außergewöhnliche auf.

Was ist dazu erforderlich? Mut! Mut! Mut! Der Mut, mit Schwierigkeiten, die gewiss sind, umzugehen. Fällt der Muskelaufbau leicht? Nein, der Mensch muss sich anstrengen, und genauso muss er bei der Gewöhnung des Schönen mit Schwierigkeiten umgeben. Er muss sich selbst zwingen! Sich selbst zu einer Sache zwingen zu können, die anstrengend aber schön ist, bedeutet Freiheit.

Sei mutig mein Freund, denn das wahre Glück lernst du nur kennen, wenn du genug weißt, um frei entscheiden zu können. Jemand, der wenig weiß, ist beschränkt in seiner Freiheit.

Die Freiheit, die du mit der Weisheit erlangst, macht dich anziehend und du wirst deine Liebe schneller anziehen, du wirst eine stärkere Anziehungskraft auf andere ausüben, dessen sei dir gewiss! Nur die Liebe kann uns wahres Glück bescheren…

„Derjenige, der Wohlstand verliert, verliert viel; derjenige, der einen Freund verliert, verliert mehr; doch derjenige, der seinen Mut verliert, verliert alles.“ (Miguel de Cervantes)

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen