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Das Gebet der europäischen Muslime

Thema Islam in Europa: Wir sind auch ein Kontinent der Moscheen

(iz). Augenblicklich wird Islam durch Symbole dargestellt, von denen die meisten negativer Natur sind. Um aber diese religiöse Lebensweise zu verstehen, muss man sich mit den wesentlichen Handlungen, allen voran dem Gebet, beschäftigen.

Das Gebet ist der Eckstein des Islam. Es ist das Fundament der natürlichen Lebensweise des Menschen und dessen Beziehung zu seinem Herrn. Der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte über das Gebet eines Menschen, dass dessen gesamtes Leben, insofern sein Gebet korrekt und aufrichtig ist, ebenso korrekt, aufrichtig und erfolgreich sein wird.

Von einem Standpunkt aus betrachtet ist das Gebet eine Verpflichtung. Andererseits ist es ein Geschenk vom Schöpfer des Universums an den Menschen. Im Qur’an heißt es, dass das Gebet Unanständigkeit und Fehlverhalten verhindert.

Sozial betrachtet ist die Moschee die Manifestation der muslimischen Gemeinschaft. Sie ist der Ort, an dem sich die Muslime zum Gebet sammeln.

Die Disziplin des fünfmaligen Gebets, die Niederwerfung vor und die Erinnerung an Allah, die Dankbarkeit und Intimität Ihm gegenüber, bestimmt die Reinheit des Charakters. Sie beschützt den Menschen vor falschen Handlungen. Das Zusammenkommen zur Errichtung eines Ortes der Anbetung ist das Zeichen für die Aufrichtigkeit einer Gemeinschaft.

Allah sagt über die Muslime im Qur’an, dass sie die beste Gemeinschaft sind, weil sie die Menschen zu dem aufrufen, was richtig ist, und daran hindern, was falsch ist, und weil sie an Allah glauben, das Gebet einrichten und die Zakat bezahlen. Die letzten beiden sind miteinander verbunden und haben beide eine spirituelle Dimension der Anbetung Gottes. Und beide – Salat und Zakat – haben eine soziale Dimension, die Erhaltung einer aufrichtigen und gerechten Gesellschaft.

Weil der Islam Din al-Fitra – das natürliche Verhaltensmuster – ist, ist es hier interessant, dass das Gebet jene Fitra wieder errichtet. Ich kann nicht isoliert sein. Ja, ich bete allein, aber das solitäre Gebet ist für die Nacht und für solche Augenblicke, in denen das menschliche Wesen Meditation und Nachdenken braucht und Nähe zu Allah will. Die Weisheit in der Offenbarung des Islam und seiner fünf Säulen besteht darin, dass sie ein Verhaltensmuster schaffen, welches im Falle des Gebets den Alltag zu von Allah bestimmten Zeiten durchbricht.

Das prägendste aller Elemente des Gebets – Bewegungen, Reinigung mit Wasser, Ausrichtung auf die Gebetsrichtung (Qibla), Bedeckung des Körpers – ist die Absicht im Herzen des Gläubigen. Das wichtigste Element nach der Absicht ist die Zeit des Gebets, denn diese schafft ein Raum-Zeit-Muster im individuellen Leben und im Leben der Gemeinschaft. Daher ist ersichtlich, dass die Salat das natürliche Verhaltensmuster des Menschen wiederherstellt. Was das Gebet mit dem Muslim macht, muss unter Beweis gestellt werden. Es kann erklärt werden, lässt sich aber eigentlich nur in der Wirklichkeit erfahren.

Muslime sind, insbesondere im Westen, stark durch die mediale und politische Meinung über den Islam konditioniert. Wir sollten dies auf den Kopf stellen. Ja, die Medien können die Menschen beeinflussen, aber warum verändern wir dieses Bild nicht durch unsere eigenen Medien und durch unsere Anstrengungen, statt bloß passiv-desorientiert Empfänger dieser Beeinflussung zu bleiben? Den Muslimen ist aufgetragen, die Schönheit, Größe und Gerechtigkeit des Islam zu demonstrieren.


Eines der Dinge, welches hilft, die Wahrheit der prophetischen Botschaft zu erkennen, ist das Gebet. Allein unsere Form der Anbetung zu sehen, kann sehr bewegend sein. Es ist notwendig, dass wir unsere eigenen Orte haben. Dies erhöht die Sichtbarkeit und die Bestätigung der Integration in unsere Gesellschaften. Wir haben nicht die Absicht, an den Rändern zu existieren. Unsere Aufgabe ist von zentraler Bedeutung, da wir Antworten und Heilmittel auf die Probleme unseres post-technologischen und globalisierten Zeitalters in den Händen halten.

Das Gebet, als fundamentaler Eckstein des Din, ist die notwendige Praxis, die dem Geist und der Seele Gesundheit gibt. Es bedeutet Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Nächstenliebe im Sozialen – alles dringend benötigte Elemente für unsere heutigen Städte.

In unserer europäischen Situation hat die Moschee wesentlich mehr Dimensionen als nur das Gebet. Sie ist das Haus des Islam, wie es in der ersten muslimischen Gemeinschaft der Fall war. Sie ist der Ort des Trostes und der materiellen beziehungsweise spirituellen oder psychologischen Hilfe. Hier muss die Lehre stattfinden, denn sie ist für die Muslime in Europa der natürliche Ort, um hier Wissen vom Qur’an und von der muslimischen Handlungsweise zu erlangen. Hier finden auch Festlichkeiten wie Hochzeiten, die Feiertage sowie weitere Events statt.

Aber, darüber hinausgehend, muss die Moschee auch eine Rolle als Ort der Begegnung und der Hilfe für die Nichtmuslime einnehmen. Eine Moschee kann es sich nicht leisten – es gibt Tausende davon in Westeuropa –, nur Dienste für die eingewanderte muslimische Gemeinschaft anzubieten. Dies ist eine ernsthafte Fehlentwicklung, die indirekt zu Verdächtigungen und Ablehnung im Rest der Gesellschaft führt.

Die Moschee muss ein schöner, sauberer und offener Ort sein, an dem die Nichtmuslime, Schulen, Politiker, Journalisten, Forscher und Nachbarn echte Begegnungen haben können. Muslime müssen ihnen gegenüber auf jegliche Art und Weise gastfreundlich sein. Dies kann man zu bestimmten Zeiten organisieren. Die Muslime sollten in Form von Seminaren Wissen für jene, Politiker, Polizisten und andere, anbieten, die mit ihnen zu tun haben. Die Anwesenheit von Muslimen ist eine neue soziale Wirklichkeit in den europäischen Staaten. Es gibt viele Aspekte des Dienstes an der weiteren Gesellschaft, und ich glaube nicht, dass sich überhaupt eine Moschee in Europa den Luxus leisten kann, auf die weitere Umgebung nicht zuzugehen. (von A. Castiñeira)

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