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Das Glück der Nationen

Immer häufiger wird auch die Zufriedenheit zur Bemessung von Entwicklung herangezogen. Von Maddie Felts

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Foto: The Eye in Islam

(IPS). Könnte die Entwicklung eines Landes in Lächeln anstatt in Dollar berechnet werden? In zunehmendem Maße berechnen Regierungen und Organisationen den sozialen Fortschritt durch Glück. Das ist ein deutlicher Gegensatz zur langjährigen Praxis, dafür das Bruttosozialprodukt zu benutzen. Dieses beruht auf der Annahme, dass der Erfolg eines Landes größtenteils durch seine wirtschaftliche Aktivität quantifiziert werden kann. Obwohl das Thema erst seit Kurzem internationale Aufmerksamkeit genießt, entstand der Versuch, ein „nationales Glücksprodukt“ zum Politikziel zu machen, vor über 40 Jahren im kleinen Himalaya-Königreich Bhutan.

Als Land mit einem sehr geringen Prokopfeinkommen, aber einem ausgeprägten Sinn für allgemeines Wohlbefinden, entwickelte Bhutan ein Modell des nationalen Glücks, um die spirituellen Werte des Buddhismus einem westlichen Fokus auf Wirtschaftswachstum vorzuziehen. Anfänglich war es schwierig, diese Philosophie umzusetzen und zu messen. Glück ist eine allgegenwärtige Eigenschaft in unserem Leben. Doch ist es schwierig, sie als Politikziel zu identifizieren. Als Folge sollten mehrere Jahrzehnte vergehen, bis Zufriedenheit auf der globalen Bühne als ein Entwicklungsideal galt.

2010 veröffentliche die UN-Generalversammlung ihren ersten Welt-Glücks-Report. Darin wurde in der Einladung an Mitgliedsstaaten appelliert, „zusätzliche Maßnahmen zu verfolgen, welche die Wichtigkeit von Zufriedenheit und Wohlergehen in der Entwicklung besser fassen“. In seiner Ansprache zum Thema „Glück und Wohlergehen“ forderte Generalsekretär Ban Ki-Moon „ein neues ökonomische Erklärungsmodell, das die Gleichwertigkeit zwischen den Säulen der nachhaltigen Entwicklung anerkennt. Soziales, wirtschaftliches und ökologisches Wohlergehen sind unteilbar. Zusammen definieren sie globale Zufriedenheit“. Im Zusammenhang mit den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDG) wurde Glück zu einem grundlegenden Ziel von Entwicklung.

Nur wenige Tage vor dem diesjährigen Internationalen Tag des Glücks am 20. März wurde der Weltglücksreport veröffentlicht. Entwickelt von einem internationalen Komitee aus Ökonomen, Psychologen und Gesundheitsexperten, zählt der Bericht eine Liste von mehr als 150 Ländern auf.

Dänemark führt die Liste an, gefolgt von Island, Norwegen, Finnland, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland und Schweden. Am unteren Ende steht Burundi, ein Land, das im letzten Jahr von politischer Gewalt erschüttert wurde. Ebenfalls auf den niedrigsten Plätzen liegen Syrien, Togo, Afghanistan, Benin, Ruanda, Guinea, Liberia, Tansania und Madagaskar.

Die glücklichsten Nationen haben funktionierende Wirtschaften und die Fähigkeit, ihren Bürgern erhebliche soziale Dienstleistungen zu bieten. Im Gegensatz dazu ist bei den Ländern auf den untersten Listenplätzen Armut weit verbreitet. Ökologische Sicherheit und eine Infrastruktur für ein Gesundheitswesen und politische Stabilität stehen in den Ländern, in denen die Menschen am zufriedensten sind, wirtschaftlicher Ungleichheit, verheerenden Krankheitsfolgen und institutionalisierter Gewalt in den unglücklichsten Ländern gegenüber.

Neben des Prokopfeinkommens wurden auch fünf zusätzliche Aspekte der nationalen Zufriedenheit in den Bericht miteinbezogen: Eine hohe Lebenserwartung, soziale Unterstützung in schwierigen Zeiten, Vertrauen (gemessen an der Abwesenheit von Korruption in Regierung und Geschäft), Freiheit zur Fällung wichtiger Entscheidungen und Großzügigkeit (an Spenden gemessen).

In ihrem Kapitel über die weltweite Verteilung von Zufriedenheit merken die Autoren John F. Helliwell, Haifang Huang und Shun Wang an, dass Krisen eine große Spannbreite an Reaktionen erfahren. Dies hänge von der soziopolitischen Landschaft ab.

Im letzten Jahrzehnt erlebte unter allen Ländern Griechenland den größten Sturz an Zufriedenheit. Dies reflektiert eine lähmende Wirtschaftskrise, die 2007 begann. Am anderen Ende des Spektrums entwickelte Japan ein hohes Niveau an Vertrauen und „sozialem Kapital“. Nach dem verheerenden Erdbeben und darauf folgenden Tsunami 2011 in Fukushima kamen die Mitglieder der Gemeinschaft zusammen, um wiederaufzubauen und sich zu unterstützen.

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