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Das Jahr der Ängste

Studie: Die deutsche Furcht vor Terror und dem Alter, sowie die schlechte Benotung von Politikern

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wikimedia commons|blu-news.org

Berlin (KNA) Die Attentate der Terror-Miliz „Daesh” haben die Deutschen offenbar stark verunsichert: Laut einer Umfrage der R+V Versicherung war ihre Angst vor Anschlägen seit Beginn der Studie vor 25 Jahren noch nie so groß wie derzeit. Fast drei Viertel der Befragten fürchten sich vor Terrorismus. Ein bislang nie erreichter Spitzenwert, wie die zuständige Leiterin des Infocenters der R+V Versicherung, Brigitte Römstedt, am Dienstag in Berlin betont.

Die Versicherung befragt seit 1992 jährlich rund 2.400 Deutsche ab 14 Jahren zu ihren Ängsten. Inzwischen liege deshalb eine Langzeitstudie vor, die so in Europa einmalig sei, so Römstedt. Waren es zu Beginn der 1990er Jahre eher die Folgen der Renten- und Gesundheitsreform war, die die Deutschen umtrieben, stieg die Angst vor Terror seit den Anschlägen auf das World Trade Center immer weiter an.

Auch andere Ängste – etwa die Furcht vor politischem Extremismus, vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern oder die Angst vor Überforderung der Behörden bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise – wuchsen durchschnittlich um rund 15 Prozentpunkte auf jeweils weit über 50 Prozent in diesem Jahr. Zugleich bleibe die Furcht vor einer EU-Schuldenkrise groß. Römstedt spricht deshalb von einem „Jahr der Ängste”.

Trotzdem halte er das in der englischen Sprache geflügelte Wort der „German Angst” für einen Mythos, so der Heidelberger Politologe, Manfred G. Schmidt. Denn die Sorgen der Deutschen seien in der Regel nicht irrational, sondern hätten einen realen Hintergrund. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern falle allerdings das hohe Sicherheitsbedürfnis der Deutschen auf. Zudem hätten sie auch extrem hohe Erwartungen an den Staat und an die Wirtschaft – und weniger an sich selber. Dies werten die Autoren der Studie auch als eine Erklärung für die schlechten Noten, die die Befragten den Politikern in diesem Jahr geben: 44 Prozent erteilen ihnen die Note 5 oder 6, lediglich 6 Prozent benoten sie mit 1 oder 2.

Laut der aktuellen Umfrage wachsen aber auch die persönlichen Sorgen: Rund 57 Prozent der Befragten haben danach Angst davor, im Alter ein Pflegefall zu werden. Dies seien rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. 55 Prozent – ebenfalls 8 Prozent mehr als 2015 – fürchten sich danach vor schweren Erkrankungen. Steigende Lebenshaltungskosten und die Vorstellung von einem Krieg mit deutscher Beteiligung versetzten 54 Prozent der Befragten in Unruhe. Angst vor Naturkatastrophen und einer schlechteren Wirtschaftslage hätten 52 Prozent.

Aus den Analysen der vergangenen vier Jahre haben die Wissenschaftler eine „Landkarte der Angst” erstellt. Danach ist die Angst in den drei ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Sachsen-Anhalt am größten. Am entspanntesten leben die Menschen in Berlin, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Frauen sind nach der Studie durchschnittlich etwas ängstlicher als Männer.

Einen Unterschied zwischen den Ängsten der Ost- und Westdeutschen gibt es laut den Ergebnissen der Studie kaum noch. Während der „Angstindex”, der sich aus 16 verschiedenen Zukunftsängsten, die unterschiedlich bewertet werden, ableitet, Anfang der 1990-er Jahre noch deutliche Unterschiede aufwies und der Wert bei den Westdeutschen deutlich niedriger ausfiel, ist er in diesem Jahr erstmals bei den Westdeutschen etwas größer.

Einen positiven Ausblick geben die Wissenschaftler allerdings auch noch mit auf den Weg: Trotz hoher Scheidungsraten ist die Furcht vor dem Zerbrechen einer Partnerschaft stets das Schlusslicht im Ranking: Auch in diesem Jahr rangiert diese Furcht mit 21 Prozent auf Platz 20.

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