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Das Kölner BFmF e.V. feierte am 01. Juli einen Tag der Offenen Tür. Ein kurzes Interview mit Geschäftsführerin Amina Theißen

„Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“

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(iz). Zu den grundlegenden Gesetzmäßigkeiten zählt die Erkenntnis, dass nur die Einfluss und Vorrang für sich beanspruchen dürfen, die anderen dienen. Während viele Sprecher des organisierten Islam oft vorrangig ihre Organisationen repräsentieren, werden jene Projekte und langjährigen Einrichtungen, die sich – jenseits von Verbandszugehörigkeit oder ethnischer Herkunft – um die Belange von Muslimen wie der Allgemeinheit kümmern, selten und nicht ausreichend genug beachtet oder von muslimischen Organisationen unterstützt.

Ein herausragendes Beispiel dieser Kategorie ist das in Köln beheimatete Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen. Zuerst als übernationales Organ der Selbsthilfe und der Eigenbildung für muslimische Frauen gegründet, ist das mit mehrfachen Auszeichnungen und Lizenzen versehene Bildungshaus eine Einrichtung, die sich sowohl um die Bildung muslimischer – aber auch vieler nichtmuslimischer – Frauen und Mädchen (Einwanderinnen wie „Biodeutscher“) verdient macht, als auch Familien in diversen Notlagen (Erziehungsfragen, Arbeitslosigkeit, Verschuldung und Migrationsfragen) berät.

Obwohl sich das BFmF lange Zeit vornehmlich um die Bildung beziehungsweise Beratung von Frauen und Mädchen kümmerte, haben sich nun – unter Leitung fachlich gebildeter männlicher Kollegen – ein so genannter „Väter-Club“ (jeden Freitag von 18.00 bis 21.00 Uhr) gebildet. Leitgedanke ist dabei, dass die Erziehung von Kindern nur dann gelingen kann, wenn Männer diese auch in ihre Hände nehmen.

Allein die bloßen Eckdaten sind beeindruckend – und das gilt selbst im Bundesvergleich. In zwei benachbarten Gebäudeteilen und mit rund 30 Festangestellten, sowie weiteren Honorarkräften und ehrenamtlichen HelferInnen hat das BFmF e.V. unter Leitung seiner Geschäftsführerin Amina Theißen ein Vorbild geschaffen, dessen Nachahmung viele Frauen in anderen deutschen Großstädten sicherlich begrüßen würden. Am Rande der Veranstaltung sprachen wir kurz mit Frau Theißen.

//2//Tag der Offenen Tür:
BesucherInnen konnten sich bei mehreren Vorträgen informieren

Islamische Zeitung: Frau Theißen, 15 Jahre BFmF in Köln sind offenkundig auch die Geschichte eines Erfolgs. Was ist die Quintessenz nach eineinhalb Jahrzehnten ihrer Bildungsarbeit?

Amina Theißen: Hätten wir uns vor 15 Jahren vorstellen können, dass das Ganze eine solch große Einrichtung hätte werden können, hätten wir uns wahrscheinlich gar nicht getraut. Es ist erstaunlich, wie viel sich aus unserem Engagement entwickelt hat. Wenn man bedenkt, wie viel Anerkennung wir haben und wie viele Frauen, Männer und Familie von der Arbeit im Bildungs- und im Beratungsbereich profitieren, dann ist das schon eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, mit der ich – und alle anderen, die von Anfang dabei waren – nicht gerechnet hätten.

Islamische Zeitung: In den letzten Jahren wird – auch von muslimischer Seite – hitzig debattiert und problematisiert. Haben Sie das Gefühl, dass ihr Ansatz – der Dienst am Anderen – Erfolg versprechender ist als bloße Kritik?

Amina Theißen: Natürlich, das wissen wir ja aus dem Alltag, aus der Kindererziehung usw. Ich muss natürlich immer zeigen, wie es besser geht. Wenn ich jemandem sage, er sei total ungebildet, dann muss ich ihm auch die notwendige Bildung geben.

Die Zielgruppe derjenigen Migranten, die zu uns kommen, um zu lernen und um sich weiterzubilden ist ja nur eine Seite. Es kommen aber auch ganz viele Multiplikatoren. Es ist auch eine Dienstleistung, wenn wir als muslimische Fachfrauen – mit mehrheitlich Migrationshintergrund – zur Verfügung stehen, um Fragen über den Islam zu beantworten.

Wegen der einseitigen Berichterstattung ist es schon so, dass innerhalb der Bevölkerung viel Angst vor dem Islam herrscht. Hat man die Möglichkeit, in eine muslimische Bildungsinstitution zu gehen, um dort mit Fachfrauen authentisch zu reden und Informationen über den Islam aus erster Hand zu bekommen, dann ist dieser Teil der Arbeit genauso wichtig wie der erste, bei dem wir für muslimische Frauen und Familien als Ratgeber und als Bildungsinstitution zur Verfügung stehen.

Islamische Zeitung: Wo möchten sie mit dem BFmF in zehn Jahren stehen? Kommt es vielleicht zu Nachahmerinnen in anderen Städten?

Amina Theißen: Für die Muslime Deutschlands wäre es sicherlich gut, wenn sich so etwas auch an anderen Orten etablieren könnte.

(lacht) … Mir persönlich reicht diese Institution, die am Anfang gar nicht so geplant war. Ich bin froh, dass wir das, was hier mittlerweile gewachsen ist, handhaben können. Die Aufrechterhaltung einer solchen Einrichtung ist ziemlich schwierig und dabei wünsche ich mir eigentlich mehr Unterstützung.

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