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Das Nachrichtenportal Eurasia News ist medial auf der Seidenstraße unterwegs und will ­Klischees aufbrechen. Von Ali Ömer Kartal

Wo andere keine große Story sehen

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(iz). Eurasia News ist das Nachrichtenportal, das der Nationalökonom und Kommunikationsdienstleister Ali Özkök aus Berlin im Frühjahr des Jahres 2014 ins Leben gerufen hat und das seither regelmäßig mit kürzeren Nachrichtentexten und ausführlicheren Analysen bestückt wird. Auch auf den sozialen Medienkanälen sind die Eurasia News bereits zu finden und obwohl das Projekt erst seit einem halben Jahr präsent ist und die Themen nicht unbedingt immer zu jenen gehören, die man üblicherweise als Klicktreiber betrachten würde, mehren sich die Kooperationsanfragen, vor allem von Alternativmedien.

In der Selbstdarstellung des Portals heißt es: „In einer Zeit, da im Westen der Kampf der Kulturen beschworen und Feindbilder gepflegt werden, wollen wir mit Eurasia News eine Perspektive in den eurasischen Raum werfen, der die Chancen in den Vordergrund stellt.“

Nun hat der Begriff „Eurasien“ gerade in unseren Tagen eine nicht unerhebliche Sprengkraft erfahren, und im Regelfall sind es durchaus umstrittene Kräfte, die sich hinter dieser Idee finden, beispielsweise der russische Nationalist Alexander Dugin, dessen gegen die USA gerichtetes antiliberales und hegemoniales Konzept postmoderne Elemente mit esoterischem Mystizismus vermengt und im Zweifel auch schon mal die militärische Lösung für Konflikte, beispielsweise in der Ukraine, für eine gangbare Option hält.

In der Tat stehen auch Eurasia News der derzeitigen US-amerikanischen und vor allem westeuropäischen Politik kritisch gegenüber. Die zunehmende Distanz der EU zu Russland und die abwartende Position gegenüber einem EU-Beitritt der Türkei hält das Team rund um Ali Özkök für einen Irrweg. Deshalb heißt es im Mission Statement auch: „Wir sehen die Zukunft Europas nicht in der Abschottung oder in selbstgerechter Nabelschau. Wir ziehen den freien Handel und eine intensive wirtschaftliche Kooperation von Island bis Kamtschatka einem politisch vereinten Westeuropa vor, das seine Hauptaufgabe darin sieht, Länder wie Russland und die Türkei außen vor zu halten.“

Das ist nun auch eine Ansage, die deutlich macht, dass „Eurasien“ für Eurasia News keine nationalistische, geopolitische Gegenideologie ist, wie sie in Russland Dugin von ganz rechts, in der Türkei hingegen Dogu Perinçek und seine Isci Partisi von ganz links betreiben und die im Wesentlichen auf Abschottung und Frontstellung gegen Amerika setzt.

Eurasia News hingegen will die alten Blöcke überwinden und den Fokus auf künftige neue, aufstrebende Regionen setzen, die ihren Platz in der Welt suchen und sich als Wirtschaftsstandorte und politische Akteure in Szene setzen wollen und werden. Das Ziel soll es dabei sein, einen großen Wirtschaftsraum zu schaffen, in dem freier Handel gepflegt wird, um den Frieden zu sichern und der ­Primat der Politik zurückgeschraubt werden soll.

„In dieser Situation wollen wir unsere Leser nicht nur auf konstruktive und nicht feindselige Art und Weise über Entwicklungen in Ländern wie der Türkei, Russland, Iran oder Aserbaidschan auf dem Laufenden halten, sondern auch regelmäßig über in den hiesigen Medien weitestgehend gar nicht stattfindende Länder wie Turkmenistan, Kasachstan oder Usbekistan berichten“, stellt sich die Redaktionsmannschaft rund um Ali Özkök weiter vor – und hier spricht er in der Tat eine Problematik an, die für Eurasia News eine wichtige Chance bietet, Nischen zu besetzen.

Es gibt in der Tat Regionen, die in der Mainstreampresse faktisch nicht vorkommen oder nur in einer Weise, die festgefahrene Klischees zementiert. Das trifft nicht nur etwa auf Afrika zu, wo die dpa im Regelfall die Katastrophen- und Kriegsberichterstattung bestenfalls mal unterbricht, um über Fußball zu berichten – aber kaum auf positive Entwicklungen eingeht, die sich im Bereich Wirtschaft oder Bildung ergeben.

Auch Zentralasien ist für den täglichen Nachrichtenkonsumenten eher ein Niemandsland, dessen Entwicklungen weitgehend unter Ausschluss der europäischen Öffentlichkeit stattfinden. Umso wichtiger wäre es hier, diesem Raum ein größeres Augenmerk zu widmen, auch die kleinen Veränderungen genauer unter die Lupe zu nehmen und in einer konstruktiven und zumindest nicht auf den ersten Blick schon parteiischen Art und Weise dort hinzuschauen, wo andere keine große Story sehen.

Wirtschaftspolitisch sind die Eurasia News liberal mit einem klaren Faible für die Österreichische Schule, aber auch Themen wie Islamic Finance kommen nicht zu kurz. Der Fokus auf der historischen Seidenstraße dürfte die Leserschaft auch noch um den einen oder anderen BüSo-Keynesianer erweitern. Insgesamt bietet Eurasia News jedenfalls runde Informationen und richtet den Blick auf die Win-Win-Situation. In Zeiten wie diesen ein durchaus erfrischender Zugang.

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