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Das Pogrom von Delhi

Indien: Antimuslimische Gewalt erschütterte die Hauptstadt des Landes

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Foto: Ananya Bhardwaj, ThePrint

„Der Funke, der die Flammen des Hasses entfacht hat, war ein zerstörerischer Nationalismus, wie er schon im vergangenen Jahrhundert Europa verheert hat. Extremisten wollen das vielfarbige Indien in einen Hindu-Staat verwandeln. Auf der Grundlage der Konfession wollen sie bestimmen, wer zur Nation gehört. Zuerst wollen sie mit der größten Minderheit, den Muslimen, abrechnen, dann können Christen, Sikhs und Buddhisten drankommen. Die Regierungspartei BJP assistiert all dem unverhohlen. Das neue Erstarken des zerstörerischen Nationalismus ist jedoch auf der ganzen Welt zu beobachten. Extremisten wollen diktieren, wer als Landsmann gelten darf und wer nicht.“ Nepszava, 28. Februar 2020

Delhi/Berlin (dpa/iz). Brennende Moscheen, Häuser und Geschäfte – in Indiens Hauptstadt Neu Delhi entlud sich der hindunationalistische Hass in einer Gewaltwelle auf muslimische Bürger. US-Präsident Trump ließ sich während seines Besuchs wenig beeindrucken.

Viele Menschen kamen bei den schwersten Ausschreitungen seit Jahrzehnten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ums Leben. Hintergrund der Gewalt waren massive Übergriffe gegen die muslimischen Minderheit. Indien kommt nicht zur Ruhe, seit Premierminister Narendra Modi ein Einbürgerungsgesetz durchgedrückt hat, das gezielt Muslime diskriminiert. Modis populistische Partei BJP hat vor allem die Interessen der Hindus im Sinn.

Insbesondere der Nordosten der Hauptstadt war dieses Mal betroffen. Dort wohnen besonders viele Muslime. Der Mob. Sie setzte Moscheen, Läden, Häuser und Autos in Brand, wie Fernsehbilder zeigen. Rund 200 Menschen wurde verletzt worden, hieß es, während das Pogrom noch anhielt.

Unmittelbarer Auslöser des Gewaltausbruchs war eine Rede eines Politikers der hindunationalistischen Regierungspartei von Premier Modi. Darin forderte er die Polizei auf, friedliche muslimische Demonstrantinnen, die ohne Genehmigung den Eingang einer Metrostation blockierten, zu entfernen – ansonsten würde das Volk das tun. Oppositionspolitiker kritisierten, dass solche Reden im mehrheitlich hinduistischen Land zunehmend Hass gegen Muslime schürten.

Besonders brutal ging der Mob am 25. Februar während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump aufeinander los. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, rief der Regierungschef der Hauptstadt, Arvind Kejriwal, Premierminister Modi auf, das Militär zur Hilfe zu schicken.

Modi hingegen versuchte zu beschwichtigen. Er rief die Bürger der Hauptstadt am 26. Februar per Twitter auf, friedlich zu sein. Die Politiker seiner Partei warfen ihrerseits der Opposition vor, sie hätten zur Gewalt angestachelt. Sie hätten das Bild Indiens während des Besuchs von Trump beschmutzen wollen, wie es aus dem Innenministerium hieß.

„Der Angriff lag schon eine Weile in der Luft, also waren die Leute etwas vorbereitet und verteidigten sich so“, schrieb die engagierte indische Schriftstellerin Arundhati Roy. „Märkte, Geschäfte, Häuser, Moscheen und Fahrzeuge wurden niedergebrannt. Die Straßen sind voller Steine ​​und Trümmer. Die Krankenhäuser sind voll von Verwundeten und Sterbenden. Die Leichenschauhäuser sind voller Toter. Sowohl Muslime als auch Hindus, darunter ein Polizist und ein junger Mitarbeiter des Geheimdienstbüros.“ Menschen auf beiden Seiten hätten sich zu schrecklicher Brutalität sowie unglaublichem Mut und Freundlichkeit fähig gezeigt.

Hier könne es keine vermeintliche Neutralität geben. Nichts davon änder etwas an der Tatsache, dass der Angriff von groben Mobs begonnen wurde, die „Jai Shri Ram“ brüllten, „unterstützt durch den Apparat dieses jetzt nackt faschistischen Staates“. Es handle sich hier um eine Manifestation des anhaltenden Kampfes zwischen Faschisten und Antifaschisten – in dem Muslime die ersten unter den „Feinden“ der Faschisten sind.

„Wir alle haben die Videos der Polizei gesehen, die bereitsteht und manchmal an der Brandstiftung teilnimmt. Wir haben gesehen, wie sie Überwachungskameras zerschmetterten, genau wie sie es taten, als sie am 15. Dezember die Bibliothek der Jamia Millia Islamia Universität zerstörten“, fasste Roy diese Manifestation des Hasses zusammen. Man habe gesehen, wie der Mob auf verwundete, muslimische Männer einschlug. „Wir wissen, dass einer dieser jungen Männer tot ist.“ Alle Toten, Verwundeten und Verwüsteten – sowohl Muslime als auch Hindus – seien Opfer des Regimes unter Führung von Narendra Modi, „unserem nackt faschistischen Premierminister, der selbst kein Unbekannter ist, wenn es um ein Massaker vor 18 Jahren geht“.

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Sulaiman Wilms

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