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Das tägliche Klischee

Medien verbildlichen Islam als eine Religion der Geschlechtertrennung

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Foto: Rawpixel, Freepik

Weiblich, muslimisch, feindlich und rückständig – tägliche klischeehafte ­Bilder und Vorurteile muslimischer Frauen in öffentlichen Diskursen. Dies sind Begriffe über muslimische Frauen und dem islamischen Spektrum, mit denen sich mediale Berichterstattungen auseinandersetzen.

(iz). Der Schwerpunkt meiner Bachelorarbeit lag auf der Fragestellung ob die muslimische Frau ein Gegenstück zu dem Bild der unterdrückten muslimischen Frau in den Medien ist. Die Zielvorstellung war herauszufinden, ob das Kopftuch zum Ablenken von eigentlichen Frauenthemen missbraucht wird. Anhand von Ansätzen und Argumen­tationen, die sich aus dieser Arbeit ergaben, wurde die Art und Weise, wie man muslimische Frauen in den Medien wahrnimmt, deutlicher erläutert. Im Laufe der Arbeit wurde außerdem der Fokus auf Begriffe wie Integration, Emanzipation, Islam, Geschlechtersegmentierung und -differenzierung gelegt, um den Kontext der Arbeit in bestimmter Weise besser nachzuvollziehen. Diese Arbeit betrachtet einen Teil der Frauen mit islamischer Identität in den Medien. Ziel war es diese erforschen und deren Äuße­rungen und Einstellungen gegenüber dieser Thematik zu verdeutlichen. Dementsprechend habe ich auch über eine selbstbewusste Perspektive der muslimi­schen Frau geschrieben, eine Perspektive, die Emanzipation einschließt und Femi­nismus thematisiert. In der Arbeit wurden Geschichten und Lebenssituationen integrierter, muslimischer Frauen aus der Welt wiedergegeben. Auf diese Weise lässt sich die andere Seite der Vorstellungen, die über Musliminnen kursieren, aufzeigen.

Öfters lesen wir in Medien, dass muslimische Frauen weniger berufstätig sind als Männer, was der Mehrheitsgesellschaft schadet. Geleitet durch den Inhalt solcher Artikel werden Familie, Haushalt und Erziehung der Kinder, der mus­limischen Frau zugeordnet, wobei wir die Männer in der Versorgerrolle sehen. Solche Rollenbilder werden in den ­Massenmedien deutlich stark vermittelt. Medien reproduzieren und transportieren Stereotype. Damit wird der Stereotype Inhalt zu einer Informationsquelle über muslimische Frauen, für Menschen anderer Kulturen und Religion. Medien publizieren nach Röder Sekundärerfahrungen und veröffentlichen kulturelle Stereotype, die es erlauben muslimische Frauen dann in bestimmte Kategorien als Eigen oder Fremdgruppe zu unterteilen. Es entsteht eine massenmedial veröffentlichte Darstellung dieser Grup­pe, da nicht alle muslimischen Frauen die Möglichkeit haben direkt mit anderen zu interagieren.

Die erste Forschungsfrage beant­wortete durch Beispiele die Frage, „welche medialen Darstellungen bei der muslimischen Frau sich auf visueller und verbaler Ebene erkennen lassen“. Die Ergebnisse zeigen, dass die mediale Darstellung über Musliminnen in Artikeln stark ereignisbezogen erscheinen und darüber nicht gleichmäßig berichtet wird. Die Darstellung findet am häufigsten im Bereich der Politik statt. „Die Bewertung der Themen, der Eigenschaften und des Verhaltens muslimischer Frauen sind überwiegend negativ“. (Röder, 2007, S. 115). Der Stil der Darstellung erzeugt eine Konstruktion der muslimischen Frau als „Andere“ oder „Fremde“, das ebenfalls zu negativen und verzerrten Wahrnehmungen führt, indem die Muslimin deutlich aus dem alltäglichem Leben ausgegrenzt wird.

Gelegentlich haben muslimische Frau­en mit Vorurteilen und Missverständnissen zu kämpfen. Wiederholt befinden sie sich in Situationen, in denen sie ­versuchen Stereotype und klischeehafte Bilder mit Argumenten zu entschärfen. In zahlreichen Umständen bemühen sie sich ihren Mitmenschen zu erklären, dass Verständnis für unterschiedliche Hin­tergründe zu einem zweckvollerem ­Zusammenleben führen kann.

In der Bachelorarbeit wurde das Beispiel der syrischen Sängerin Mennel genauer erörtert. Sie ist die erste Frau mit Hijab die in einer Talentshow „The Voice“ teilgenommen hat. Die 22-jährige Sängerin, hatte vor einigen Jahren Standpunkte gegen Israel eingenommen. Mennels Statements führten zu heftigen Gegenreaktionen und Beschuldigungen ein Mitglied der „muslimischen extremen Rechten“ zu sein. Sie entschloss sich das Program zu verlassen. „Spannungen haben meinen Wunsch verdeckt, Frieden, Liebe und Toleranz zu verbreiten. Ich wollte nie jemanden verletzen. Die Vorstellung, dass ich es absichtlich tun würde, schmerzt mich. Aus diesem Grund habe ich heute beschlossen, das Programm zu beenden” (Nabbout, 2018). Obwohl Mennel eine Stütze für Vielfalt und ­Diversität darstellt, ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass muslimische Frauen die in der medialen Öffentlichkeit präsent sein wollen, sich mehr beweisen müssen und einer zusätzlichen Prüfung unterzogen werden.

Das Thema, dass auch oftmalig in Medien über muslimische Frauen vorkommt, ist die Kopftuchdebatte. Wenn Musliminnen ein Kopftuch tragen, dann werden sie medial negativ und unterdrückt dargestellt. Die medialen Lösungs­vorschläge der Kopftuchdebatte wäre die Anpassung an westliche Gesetze, Werte und Normen. Da die Kopfbedeckung schon ein Problem für muslimische Frauen darstellt und ihnen die Möglichkeiten aberkannt werden sich weiter zu bilden und zu entwickeln. Den mus­limischen Frauen wird keine konkrete Alternative angeboten, da es sich bei diesen „Lösungsmöglichkeiten“ um zwei unterschiedliche Wertesysteme handelt. Einerseits sind das die westlichen Wertesysteme, die in den Medien als frei und liberal präsentiert werden, und andererseits die Werte des Islam, die als extrem, konservativ und hinderlich bei kultureller und sozialer Weiterentwicklung dargestellt werden. Die Darstellung der muslimischen Frauen auf visueller Ebene ist ebenso: überwiegend negativ. Beispiele von Titelbildern, die in der Arbeit aus unterschiedlichen Artikeln analysiert wurden wie auch zahlreiche wissenschaftliche Literatur zeigen, dass der Schleier als Symbol der Unterdrückung dient.

Auch die zweite Forschungsfrage ob spezielle Kategorisierungen in Medien, wenn über muslimische Frauen berichtet wird, bestehen, wurde detalliert erforscht. Nach den Ergebnissen der empi­rischen Untersuchung von Maria Röder „Muslimische Frauen im Nachrichtenmagazin Der Spiegel“, werden die muslimische Frauen und deren Wahrnehmung von Fremdgruppen in bestimmte Kategorien zusammengefasst. Und zwar: Religion/Tradition, Familie, Männergesellschaft, Migration, Moderne Frau und Orientalin. Die Substantive der ­Kategorie Religion/Tradition sind streng gläubig, Zwangsheirat, gehorsam und nachgiebig nach Außen. Frauen werden ebenfalls, als schlecht gebildet, fanatisch, traditionell eingestellt und bedrohlich bezeichnet. Mutterschaft, Ehefrau, Haushalt, Familienzugehörigkeit, Häuslichkeit sind Attribute der Kategorie Familie. Musliminnen werden als untergeordnet gegenüber dem Mann begriffen. Die moderne Muslimin wird als modebewusste, selbstbewusste, fleißige, engagierte Frau kategorisiert, die eine emanzipierte erfolgreiche Muslimin darstellt. Die Orientalin ist geheimnisvoll, interessant, schön, fühlend, bunt, tanzend und stolz. (vgl. Röder, 2007, S. 67).

Medien verbildlichen die Religion Islam als eine Kultur der konservativen Geschlechtertrennung, indem die Frau als gehorsame Unterdrückte und der Mann als „Führer“ dargestellt wird. Die Unterordnung der muslimischen Frau ist eine verbreitete Vorstellung unter der medialen Gesellschaft und wird als elementar in der medialen Darstellung verwendet. Die Rollen, die ihr in den medialen Berichterstattungen am häufigsten zugeordnet werden, ist die Opferrolle, die moderne Frau und die gefährliche Extremistin. Die mediale Darstellung der muslimischen Frau orientiert sich laut Thiele in dieser Kategorisierung an ihrem Geschlecht, Herkunft, Alter, Religion und Staatsbürgerschaft. Was anhand dieser wissenschaftlichen Literatur und zahlreicher Beispiele deutlich gemacht wurde, ist die Tatsache, dass die kategorischen Muster der Berichter­stattung einerseits nicht die Wahrheit vermitteln und Musliminnen in ihrer Identität, Integration und Religion einschränkt und andererseits, dass sich ­moderne muslimische Frauen als integrative, erfolgreiche Musliminnen durchsetzen und Engagement in verschie­denen Bereichen des Lebens zeigen. Auch wenn Medien über muslimische Frauen positive Wortverbindungen in ihren Inhalten verwenden, wird sie ­immer noch als Muslimin kategorisiert. Warum über muslimische Frauen überwiegend negativ vermittelt wird, sieht man ebenfalls in der Tatsache, dass sie sehr selten in Medien vorkommen und sich darüber äußern, die Chancen sind ungleich verteilt.

Lejla Hasakovic hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien studiert. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt der Bereich medialer Darstellung muslimischer Frauen. Während ihres Studiums in Wien nahm sie an einem Seminar teil, dass sich mit feministischer Forschung befasste. Dieses Seminar inspirierte sie, ihre Bachelorarbeit über die Darstellung muslimischer Frauen in deutschen Medien und die Konstruktion ethnischer Stereotypen zu schreiben. Das Ziel ihrer Forschung war es zu zeigen, wie muslimische Frauen in den Medien dargestellt werden, welchen Vorurteilen sie gegenüberstehen und wie sie mit diesen umgehen. Heute arbeitet Lejla für eine renommierte Public Relations Agentur in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina.

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