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Das von jungen Muslimen getragene Projekt HIMA arbeitet für ein besseres Umwelthandeln

Bisherige Initiativen konnten nicht greifen

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(iz). Islam und Umwelt – geht das zusammen? Und wenn ja, wie? Obwohl das Verhältnis von Islam zur Ökologie immer häufiger in den letzten Jahren auf Fachkonferenzen und -seminaren thematisiert, wird es bisher noch nicht so heiß diskutiert wie andere Fragen. In den letzten Jahren haben sich dazu verschiedene Initiativen gebildet. Das von jungen Muslimen getragene Projekt HIMA – Umwelt und Naturschutz aus islamischer Perspektive gehört dazu. Wir interviewten Yasemin Aydemir,die in die Arbeit der Initiative einführt.

Islamische Zeitung: Liebe Yasemin Aydemir, Du engagierst Dich bei HIMA – Umwelt und Naturschutz aus islamischer Perspektive. Was macht ihr bei HIMA?

Yasemin Aydemir: HIMA ist eine muslimische Initiative, die inspiriert und motiviert von islamisch-ethischen Handlungsprinzipien zu Umwelt- und Naturschutzthemen sensibilisiert. So geben wir in erster Linie Muslimen Impulse zu einem besseren Umwelthandeln. Auch für Nichtmuslime bietet diese islamische Umweltethik eine innovative Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Umwelthemen.

Zu Beginn unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass die bisherigen Umweltorganisationen Muslime meist aus sozio-kulturellen Gründen nicht erreichen konnten. Mit HIMA möchten wir Muslimen diesen Partizipationsraum im Umweltbereich bieten und somit auch einen interreligiösen und interkulturellen Dialog im Umweltschutz fördern. Schließlich ist die Natur unser größter gemeinsamer Nenner. 
Islamische Zeitung: Islam und Umweltschutz – die sind Begriffe, die selten in einem Atemzug genannt werden. Wodurch zeichnet sich im Islam das Verhältnis des Menschen zur Umwelt, aber auch zu seinem Schöpfer aus?

Yasemin Aydemir: Gott hat durch Seine Gesandten und Seine Schrift den Menschen angewiesen, für den Schutz der Erde einzustehen. Diese Anweisung ist sowohl spirituell als auch naturwissenschaftlich zu verstehen. Durch die Wissenschaft gelangen wir zu mehr Wissen über die Schöpfung und wie man am besten Sorge dafür tragen kann. Im Islam jedoch sagt Gott uns auch deutlich, dass wir Menschen einen Einfluss auf das, was Er geschaffen hat, haben und uns dabei gleichzeitig Wege zeigt, wie wir diesen Einfluss zum Positiven nutzen können. Der Islam umfasst eine Vielfalt an Prinzipien, die uns helfen die Einheit in Gott und seiner Schöpfung zu erkennen. Den Kern dieser islamisch-ethischen Prinzipien bilden diese Begriffe:

„Tawhid“ – die gesamte Schöpfung ist im Zusammenhang mit seinem Schöpfer zu betrachten. Alles kommt von Allah und kehrt zu Ihm zurück.

„Ayat“ – alles in der Natur ist ein Zeichen unseres Schöpfers. Nicht umsonst wird im Koran der Vers: „Darin liegen Zeichen für Leute, die nachdenken.“ so häufig wiederholt.

„Khalifa“ – Menschen wurden aus Erde erschaffen und sind Statthalter bzw. Sachwalter Gottes auf Erden. Im Koran heißt es auch, dass der Mensch in bester Form erschaffen wurde und so sollten wir dieser Verantwortung über die Schöpfung und unserem Schöpfer gegenüber versuchen gerecht zu werden, in dem wir für Umwelt, Tier und Mensch gerecht einstehen.

„Amana“ – die Erde ist ein uns Menschen anvertrautes Gut. Sie zu schützen und zu wahren liegt in unserer Verantwortung.

„Adl“ – wenn wir die Erde als eine „Moschee“ (wörtlich Ort der Niederwerfung) ansehen, bedeutet das, dass wir die Natur in einer fairen und gerechten Weise behandeln sollten. Teilweise ist es unser Wirtschaftssystem, das zu einem ungerechten Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen führt. In diesem System wird die Natur nur als eine Möglichkeit zur Rohstoffgewinnung angesehen. Wir sind aber dazu angehalten sicherzustellen, dass jeder den gleichen Zugang zu unseren begrenzten Ressourcen hat.

„Mizan“ – Alles in der Schöpfung ist so geschaffen, dass es in einem perfekten Gleichgewicht existiert. Angefangen von der Gravitation bis hin zu einem ausgeglichenen Tagesablauf von Schlaf, Arbeit, Gebetszeiten etc. 
Islamische Zeitung: Sehen Muslime „Umwelt“ wie der Rest der Welt, oder gibt es hier eigene Ansätze?

Yasemin Aydemir: Als Muslim betrachtet man die Umwelt als eine Schöpfung Allahs, das bringt schon eine Verantwortung ihr gegenüber mit sich. Muslime glauben schließlich auch, dass sie über ihr Handeln auf der Erde zur Rechenschaft gezogen werden.

Viele praktische Lösungen bietet das Leben des Propheten Muhammad, Friede sei auf Ihn, der zum Beispiel von der Verschwendung von Ressourcen auch dann abgemahnt hat, wenn sie auch unerschöpflich erschienen. In einigen seiner Aussagen gibt er den Menschen gute Tipps für eine gesunde und nachhaltige Ernährung, indem er zu regionalem Essen rät und uns empfiehlt, den Magen zu einem Drittel immer frei zu lassen. Diese Empfehlungen könnten uns als heutige Konsumgesellschaft nur zu Gute kommen.

Islamische Zeitung: Das Islamic Foundation For Ecology and Environmental Studies sieht ein ungerechtes Finanzsystem als Ursache für die globalen Umweltprobleme. Spielen solche grundlegenden Analysen eine Rolle bei euch?

Yasemin Aydemir: Wir sind auch danach bestrebt, eine ganzheitliche Umweltethik zu erkennen und diese umzusetzen. Klar hängt das Finanzsystem mit einer Schieflage, die wir heute erleben, stark zusammen. Unser Lebensstil, insbesondere unser unreflektierter (Massen)-Konsum bestärkt die globale Ungerechtigkeit. Daran möchte HIMA etwas ändern.

Wir möchten mehr Menschen dazu bewegen bewusster zu leben. Dieses Umdenken wollen wir auch in muslimischen Gemeinden, Moscheen und Institutionen generell verankern. Nur so kann mehr Druck von unten entstehen, damit mehr Firmen gerechter handeln. In den Worten eines Unternehmers: Wenn die Nachfrage steigt, wird der Anbieter gezwungen sein Handeln umzudenken.

Daneben finden wir, dass viele Intiativen wie „Wir haben es satt“ oder Demonstrationen und Petitionen gegen Nahrungsspekulationen sehr sinnvolle Mittel sein können, um Druck für einen Wandel in der Politik auszuüben.

Islamische Zeitung: Richtet ihr euch bei HIMA an eine bestimmte Altersgruppe? Wenn ja, wieso?

Yasemin Aydemir: Bei HIMA richten wir uns ausschließlich an „Junge“ Menschen. Denn „Jung“ geblieben ist meiner Ansicht nach jeder, der aktiv im Leben steht, neugierig ist und zu lernen bereit ist. Mein Vater wird dieses Jahr inscha'Allah 71 und ist meist sogar „ jünger“ als ich. Sprich, wir sind offen für Alle.

Islamische Zeitung: Es gibt mittlerweile einige, wenige bekannte Initiativen weltweit, die im Bereich des Umweltschutzes praktisch arbeiten. Beinhaltet eure Arbeit auch praktische beziehungsweise angewandte Elemente?

Yasemin Aydemir: Leider noch nicht, bisher haben wir unseren Fokus hauptsächlich auf die thematische Auseinandersetzung mit der islamischen Umweltethik und das Organisieren von Informationsveranstaltungen gelegt. Aber für die Zukunft ist es eines der Ziele HIMAs, auch praktische Arbeit zu leisten.

Islamische Zeitung: Wer kann wie bei HIMA mitmachen und wie können Interessierte direkten Kontakt zu euch aufnehmen?

Yasemin Aydemir: Jeder, der dazu bereit ist, für eine gerechtere Welt und ein ökologisch nachhaltiges Umweltbewusstsein in der Gesellschaft einzustehen ist herzlich dazu eingeladen, aktiv bei HIMA mitzuwirken. Auch wer sich noch zu wenig über diese Themen informiert fühlt und etwas dazu lernen möchte, kann sich bei uns melden und gleich unseren Newsletter über unsere Homepage abonnieren. Wie viele Organisationen arbeiten auch wir bisher ehrenamtlich und um unsere Arbeit weiterführen zu können und damit wir weiterhin produktiv bleiben können sind wir natürlich auf Mitglieder und Spenden angewiesen. Nähere Informationen findet ihr unter: www.hima-umweltschutz.de.

Yasemin Aydemir: Liebe Yasemin, vielen Dank für das Gespräch.

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