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Das Wissen von Allah ist die Pflicht für einen mündigen Muslim. Von Schaikh Sidimotada ­Elboumashouli

Erkennen und Lieben

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(iz). Ibn ‘Aschir, möge Allah ihm gnädig sein, sagte: „Die erste Pflicht für eine Person, der Allah die Pflic­h­ten eines [zurechnungsfähigen] Mumins überträgt, ist Wissen von Allah.“ Dazu gehört, dass sie Allah und Seinen Gesandten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, durch ihre Eigenschaften kennt. Der Verstand kann nicht ak­zeptieren, etwas anzubieten, wenn er keine Ahnung davon hat. Also sind ­Wissen und Erkenntnis von Allah notwendige Elemente.

Einmal wurde ein arabischer Nomade befragt, wie er zu seinem Wissen von ­Allah kam. Der Beduine berichtete von seinen Kamelen: „Der Dung verweist auf das Kamel. Der hinterlassene Dung zeigt seinen Weg. Und die Fußspuren einer Person bezeugen ihr Vorbeigehen. Die Himmel mit ihren Galaxien und Sternen, die Erde mit ihren Tälern und Schluchten und die Meere mit ihren Wellen – zeigen sie nicht auf den Einen? Derjenige, Der das genaueste Wissen hat?“

Unser Meister Ibrahim, Allahs Frieden auf ihm, wollte Allah erkennen. „Als ihn nun die Nacht überschattete, da erblickte er einen Stern. Er sagte: ‘Das ist mein Herr.’ Doch da er unterging, ­sagte er: ‘Ich liebe nicht die Untergehenden.’ Als er den Mond sah, wie er sein Licht ausbreitete, da sagte er: ‘Das ist mein Herr.’ Doch da er unterging, sagte er: ‘Wenn mein Herr mich nicht recht ­leitet, werde ich gewiss unter den Verirrten sein.’ Als er die Sonne sah, wie sie ihr Licht ausbreitete, da sagte er: ‘Das ist mein Herr, das ist noch größer.’ Da sie aber unterging, sagte er: ‘Oh, mein Volk, ich habe nichts mit dem zu tun, was ihr (Allah) zur Seite stellt. Seht, ich habe mein Angesicht in Aufrichtigkeit zu Dem gewandt, Der die Himmel und die Erde schuf, und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.’“ (Al-Anam, 64-79)

Unser Meister Ibrahim, Allahs ­Frieden auf ihm, wollte die Wahrheit erblicken, die Göttliche Realität. Und er erkannte, dass diese für ihn nicht zu sehen war. Dies ist unser Rang, Ihsan. Das heißt, dass wir Allah anbeten, so als ob wir Ihn sehen könnten. Selbst, wenn wir das nicht können, so wissen wir doch, dass Er uns sieht.

Über das Verlangen unseres Meisters Musa, möge Allah ihm Frieden geben, Sein Antlitz zu sehen, sagt Allah im Qur’an: „Als nun Musa zu Unserer festgesetzten Zeit kam und sein Herr zu ihm sprach, sagte er: ‘Mein Herr, zeige dich mir, dass ich Dich anschaue!’ Er sagte: ‘Du wirst Mich nicht sehen. Aber schau den Berg an! Wenn er fest an seiner Stelle bleibt, dann wirst du Mich sehen.’ Als nun sein Herr dem Berg offenbar erschien, ließ Er ihn in sich zusammensinken, und Musa fiel bewusstlos nieder. Als er dann zu sich kam, sagte er: ‘Preis sei Dir! Ich wende mich in Reue Dir zu, und ich bin der erste der Gläubigen.’“ (Al-’Araf, 143)

Ibn Ata’illah Al-Iskandari, möge ­Allah ihm barmherzig sein, erklärte das wie folgt: „Würde Allah sich auf etwas in der Schöpfung manifestieren, dann würde Er alles auslöschen, alles würde verschwinden.“ Allah, der Allerhöchste, ist Licht und die Schöpfung kann dieses Licht nicht ertragen, aber unser Ursprung ist dieses Licht. Wären wir nicht Licht, dann wären wir etwas anderes.

Der Mensch, und alles was in ihm ist, wird zerstört, zerschmettert und ausgelöscht, außer dem, was in seinem ­Herzen ist. Der Letzte Tag wird kommen. ­Allah wird an diesem Tag befehlen, dass das, was im Herzen und in der Brust des Menschen ist, zu Tage tritt. Und Er sagte auch, dass an diesem Letzten Tag, dem Tag des Stehens vor Allah, kein ­Reichtum nützlich sein wird und keine Kinder.

Die einzige Sache, die vor Allah helfen wird, ist ein reines und gesundes Herz, das frei ist von Beigesellung (arab. Schirk), Eifersucht, schlechter Meinung über andere, Neid und jeder Selbstsucht. Die Leute des Tasawwuf würden das als Freiheit von allem beschreiben, das anders ist als Allah. Deshalb müssen wir an unseren Herzen arbeiten und es mit Dingen vorbereiten, die es brauchen wird.

Es gibt drei Ursachen für Liebe beziehungsweise drei Dinge, die jemanden zum Liebenden machen. Diese erste Ursache ist die Schönheit. Es ist Teil der menschlichen Natur, die Schönheit zu lieben. Allah ist schön und liebt Schönheit. Allah, gepriesen sei Er, sagt uns: Blickt auf das, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Schaut auf die Berge und ihre Schönheit sowie auf die Schönheit des Himmels, der Wolken und Ozeane.

Gehen wir in eine Ausstellung und betrachten die Bilder, die wir schön finden. Wir können nicht nur darin verharren, ihre Schönheit zu bewundern, sondern müssen auch die Größe dessen ­erkennen, der sie malte. Das ist die Metapher für den Einen, Der die Himmel und die Erde erschuf; der Eine, der gemacht und gezeichnet hat. Wer ein Liebender, ein leidenschaftlicher Verehrer von Schönheit ist, muss er ein inniger Freund des Schöpfers der Schönheit sein. Das ist Allah.

Die zweite Ursache dafür, dass jemand einen anderen liebt, ist Ihsan. Es bedeutet, freundlich und respektvoll zu sein und andere mit Höflichkeit zu behandeln. Behandelt uns jemand freundlich und höflich, lieben wir ihn oder sie. Wir lieben die Person wegen ihrer Freundlichkeit und Höflichkeit – unabhängig davon, wie schön sie ist. Wir müssen erkennen, dass wir vor der erschaffenen Zeit keine Existenz und Wirklichkeit hatten. Als wir im Bauch unserer Mutter waren, erhielten wir Nahrung und die Fähigkeit zu atmen. Wer ist diese Person, diese Realität, die uns so ­freundlich behandelt? Wer war uns gegenüber so segensreich und freundlich? Es ist Allah, der Eine, Der so handelt.

Gehört man zu denjenigen, welche die Leute des Ihsan lieben, dann muss man das erste Beispiel von Ihsan lieben. Das ist Allah, der Allerhöchste, das erste Beispiel von Freundlichkeit, und Sorge. Die Schaffung unserer Sinne ist ein Segen Allahs und Beispiel seiner Freundlichkeit.

Kommt jemand zu uns mit Ihsan als Vermittler zwischen uns und einer dritten Partei, dann ist er wie ein Postbote, der mit der Post kommt, aber der Absen­der ist Allah. Unsere Eltern sind der Anlass für uns, in die Welt zu kommen. Sie haben die gleiche Funktion wie die Person, die mit der Post kommt, oder wie ein Arzt, der uns versorgt. ­Behandeln wir ihn höflich und liebenswürdig, aber wir sollten niemals glauben, dass er die Person ist, die Liebe verursachen könnte. Ihsan ist der Hinweis auf einen Baum, der viele Äste hat, aber nur einen Stamm. Ist man ein Liebhaber von Freundlichkeit und Höflichkeit, dann muss man ein aufrichtiger Freund Allahs sein.

Die Schujukh (Plural von Schaikh) sind die Vermittler in der Rechtleitung der Leute. Sie selbst verkörpern Ihsan. Und wenn sie Menschen zum Wege ­Allahs und Seiner Anbetung aufrufen, dann laden sie die Menschen nicht zu sich selbst ein. Sie arbeiten für Allah. Niemand sollte meinen, dass die Schujukh, die ‘Ulama oder die Muqaddims in eigener Sache agieren würden. Sie laden die Menschen zu deren Nutzen ein und sind auch eine Tür zu Ihsan.

Der dritte Grund, der Menschen zu Liebenden werden lässt, hat nichts mit Schönheit oder Freundlichkeit zu tun. Was ist der Anlass für diese Liebe? Man hat Ehrfurcht vor einer Person und verehrt sie als bewundernswert. Ist man ein echter Liebender von Respekt und einem hohen Rang, dann ist Allah die größte Realität, hat den höchsten Rang inne und Ihm gehört die Unvergleichlichkeit.

Wir werden nicht in der Lage sein, alle Eigenschaften in einer Person vereint zu finden. Das ist einzig Allah vorbehalten – Schönheit, Freundlichkeit und Majestät. Wäre es nicht wegen Seiner Liebe, dann wären wir nicht hier.

Imam Quschairi erzählt in seiner Abhandlung die Geschichte einer Dienerin in einem anderen Haus. Sie stand in der Tiefe der Nacht auf und flehte Allah in einem erstaunlichen Bittgebet an: „Oh Allah, ich bitte Dich bei Deiner Liebe für mich…“ So sprach sie mit Allah und bat Ihn um viele Dinge. Der Hausherr hörte sie und wartete, bis sie mit ihrer Anrufung fertig war. Der Mann fragte sie, wie es sein könne, dass sie Allah mit solcher Direktheit bitten könnte. Er wollte wissen, was es mit diesem Mangel an Höflichkeit gegenüber Allah auf sich habe und sagte ihr, dass sie Ihn vielmehr bei ihrer Liebe zu Ihm anrufen sollte. Sie sagte ihrem Dienstherrn: „Nur wegen ­Seiner Liebe zu mir, hat Er mich zum Muslim gemacht. Würde Er mich nicht lieben, dann hätte Er mich nicht um diese Stunde der Nacht aufstehen lassen. Gäbe es diese Liebe Allahs nicht, dann wäre sie nicht in der Lage, dieses Bittgebet zu ­sprechen.“

Es ist nicht möglich, dass wir nur lieben. Wie können wir Seine Liebe gegen unsere Liebe tauschen? „Sprich: ‘Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. So liebt euch Allah und vergibt euch eure falschen Handlungen. Allah ist Allvergebend und Barmherzig’“ (Al-i-’Imran, 31) weist ­Allah den Propheten an. Egal wie groß oder klein diese Handlungen sind, Allah wird sie vergeben. Er ist der Eine, der ­vergibt.

Wir bitten Allah, den Allerhöchsten, dass Er uns zu jenen gehören lässt, die eine gute Meinung von Ihm haben. Und dass er die belohnt, welche die Anlässe dafür sind, warum wir hier sind, sowie jene, die unsere Mittel zur Rechtleitung waren. Der Gesandte Allahs, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte uns, dass diejenigen, die undankbar gegen Seine Diener sind, auch Allah nicht danken.

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