IZ News Ticker

Das Wunder des Qur’an

Über die Struktur des Qur’an und seine innere Ordnung

Werbung

Dieser Text ist eine auszugsweise Zusammenfassung der Einleitung, die Imam Al-Qurtubi, der große Kommentator des Qur’an aus dem andalusischen Cordoba, als Einführung für seine berühmte Qur’an-Interpretation verfasst hatte.

Über die Anzahl der Ajat [Verse des Qur’an, wörtl. Zeichen] in der ersten medinensischen Kopie des Qur’an sagte Muhammad ibn ‘Isa: „Die Zahl der Ajat des Qur’an in der ersten Kopie Medinas war sechstausend.“ Entsprechend den Angaben von Isma’il ibn Dscha’far hatte die endgültige Kopie von Medina 6.214 Ajat. Die Anzahl der Ajat wurden von den Leuten Mekkas, Basras und Syriens mit leicht unterschiedlichen Zahlen angegeben. Über die Zahl der Worte sagte Al-Fadl ibn Schadhan: „Die Gesamtzahl der Worte im Qur’an ist, nach ‘Ata’ ibn Yasar, 77.439, und er zählte 323.015 Buchstaben.“

Bedeutung von Sura, Ajat, Kalima und Harf Das Wort „Sura“ bedeutet im Arabischen Kapitel, Wand oder Zaun und wird im Qur’an verwendet, um klar zu machen, dass sich jedes Kapitel deutlich vom anderen abgrenzt. Die Kapitel werden so benannt, weil man in ihnen von einem Grad zum nächsten aufsteigt. Auch nennt man sie so wegen ihrer Ehre und Hervorhebung, so wie sich auch Mauern über das Land erheben. Eine Ajat ist ein Zeichen. Es ist ein Zeichen, getrennt und unterschieden von den Worten, die vor und nach ihm kommen. Es ist anders als die anderen Zeichen und steht für sich selbst. Es kann „Beweis“ oder auch „Merkmal“ bedeuten. Man sagt, dass es deshalb so genannt wird, weil es eine Sammlung der Buchstaben des Qur’an ist. Auch sagt man, dass es Ajat genannt wird, da es ein Wunder ist, das die Leute nicht nachahmen können. Grammatiker sind sich uneins über die Wurzel des Wortes Aja(t). Sibuwajh sagte, dass diese Wurzel „ajaja“ sei – da der Buchstabe „ja“ selbst vokalisiert wird und eine Fatha zuvor kommt, wird aus ihm ein Alif und so gelangt man zum Begriff Aja. Der Begriff „Kalima“ bezeichnet eine zusammengesetzte Struktur, die aus einer Verbindung von Buchstaben besteht. Die längsten Wörter im Qur’an bestehen aus elf Buchstaben, wie beispielsweise „la-jastakh-lifan-nahum“ und „a-nul-zimuku-muha“ und ähnliche. Die kürzesten bestehen aus zwei Buchstaben wie ma, la, laka, lahu usw. Einige Wörter sind einzelne Buchstaben, wie das fragende Hamza und das konjunktive Waw, werden aber nicht alleine für sich gesprochen. Manchmal besteht eine Ajat aus einem einzigen Wort, wie in „wa’l-fadschr“, „wa’d-duha“ und „wa’l-’asr“ oder auch bei „alif-lam-mim“, „alif-lam-mim-sad“, „ta-ha“, „ja-sin“ und „ha-mim“. Diese letzteren finden wir zu Beginn von Suren, aber nicht innerhalb von Suren. Es ist möglich, dass an anderer Stelle ein einzelnes Wort für eine ganze und selbstständige Ajat stehen kann. Allah sagt: „Das herausragendste Wort deines Herren wurde erfüllt für den Stamm Isra’il wegen dessen Standhaftigkeit.“ (Al-A’raf, 136-137) Es wird gesagt, dass „Wort“ sich hier auf folgende Worte Allahs bezieht: „Wir wollten denjenigen, die im Land unterdrückt waren, Freundlichkeit erweisen.“ (Al-Qasas, 4-5) Der Allmächtige sagte, „Allah machte ihnen das Wort der gottesfürchtigen Zurückhaltung [wörtl. Taqwa] zur Pflicht.“ (Al-Fath, 26). Mujahid sagte, dass dieses „Wort“ bedeutet: „Es gibt keinen Gott, außer Allah.“ Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Zwei Worte sind leicht auf der Zunge, schwer auf der Waage und beliebt beim Allerbarmer: ‘Verherrlicht sei Allah durch Sein Lob. Verherrlicht sei Allah, der Unermeßliche.’ [Subhana'llahi wa bihamdihi, subahana'llahi'l-Adhim].“ Der Begriff Harf (Buchstabe) ist die Form, die für sich in einem Wort steht und dieses bildet. Wir wir bereits deutlich machten, kann ein Buchstabe als ein Wort betrachtet werden und ein Wort als ein Buchstabe. Abu ‘Amr Ad-Dani fragte, „Sind die Buchstaben des Alphabets zu Beginn von Suren, wie das Sad, Qaf und Nun, Buchstaben oder Worte? Ich sage, dies sind Worte und keine Buchstaben, da Buchstaben nicht alleine und unvokalisiert innerhalb einer Sure zu finden sind, noch von denjenigen Buchstaben, mit denen sie verbunden sind, getrennt werden können. Aber diese nicht vokalisierten, separaten und eigenständigen Buchstaben sind wie Worte, da sie sich herausheben.“ Al-Anbari sagt im Kitab Ar-Radd: „Allah der Allmächtige offenbarte den Qur’an auf einmal bis zum niedrigsten (ersten) Himmel, und er wurde dann Stück für Stück über einen Zeitraum von zwanzig Jahren dem Propheten offenbart. Einige Suren wurden anlässlich bestimmter Ereignisse offenbart und ihre Ajat beantworteten offene Fragen. Der Engel Dschribil [Gabriel] selbst gab dem Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, das Wissen über die Anordnung der Suren und der Platzierung der Ajat innerhalb der Suren. Somit befinden sich die Suren innerhalb einer bestimmten Ordnung – dies ist auch bei den Ajat und sogar den Buchstaben der Fall. All dies kam direkt von Muhammad und zu ihm vom Herrn der Welten. Wer die Reihenfolge der Suren verändert, gleicht dem, der die Ordnung der Ajat aufhebt und die Buchstaben und Worte des Qur’an verändert. … Er sagte: ‘Gebt dieser Sura diesen oder jenen Ort.’“

Das Wunder qur’anischer Unnachahmlichkeit Ein Wunder (Mu’dschisa) ist derjenige Beweis der Propheten, der auf ihre Wahrhaftigkeit verweist. Es wird deshalb so genannt (das Verb bedeutet „unfähig sein, etwas zu tun“), da kein Mensch in der Lage ist, etwas gleichartiges hervorzubringen. Es hat fünf Voraussetzungen. Wenn eine davon nicht erfüllt wird, ist es kein Wunder: • Es muss etwas sein, was nur Allah tun kann. Diese Voraussetzung ist notwendig, denn wenn jemand in einer Zeit kam, in der es möglich war, dass es Gesandte gab, und behauptete, ein solcher zu sein, und sein Wunder darin bestehen lässt, dass er sich bewegt oder ruhig ist, steht oder sitzt – dies ist weder ein Wunder, noch ein Beweis, da jede andere Kreatur dies auch tun kann. Wunder bestehen in Dingen wie dem Teilen des Meeres, der Halbierung des Mondes oder anderer Dinge. • Es muss normale Verhaltensmuster durchbrechen. Wenn jemand in der Nacht kommt und sein Zeichen ist, dass die Sonne am Morgen im Osten aufgeht, dann ist dies kein Wunder, denn es ist zwar etwas, was nur Allah tun kann, doch es geschieht nicht ausdrücklich nur um des Gesandten willen. Dinge, die die normalen Muster durchbrechen, sind die Verwandlung des Stabes in eine Schlange, das Auseinanderbrechen eines Felsens, die Erscheinung des weiblichen Kamels oder das Fließen von Wasser aus Fingerspitzen. • Das Wunder muss die Botschaft bestätigen. • Es muss erscheinen, um den Anspruch [des Gesandten] gegen diejenigen, die ihn herausfordern, zu unterstützen, so als gesagt wurde, „Ich bin ein Prophet und mein Zeichen ist, dass das weibliche Kamel sprechen wird.“ • Es muss so sein, dass niemand, der einen Propheten herausfordert, erfolgreich mit etwas Vergleichbarem daher kommen kann. Wer dies begriffen hat, muss wissen, dass es zwei Arten von Wundern gibt. Die erste ist berühmt und seine Zeit endete mit dem Tod des Propheten, und die zweite Art Wunder sind diejenigen, die durch viele Überlieferungen als korrekt und bestätigt weiter gegeben worden sind. Die Voraussetzung dafür ist, dass viele Menschen sie überliefert haben, Wissen von dem haben, was sie übermittelt haben sowie dass die komplette Überliefererkette verlässlich ist, sodass es unmöglich ist, dass irgendeine Verfälschung sich einschleicht. Dies ist der Fall beim Qur’an, der ununterbrochen durch eine große Anzahl von Leuten übermittelt wurde und sich in viele Länder ausgebreitet hat. Der Qur’an wird bis zum Tage der Wiederauferstehung ein Wunder bleiben, während die Wunder der Propheten mit deren Tode enden. Der Qur’an kann weder verändert noch verfälscht werden. Es gibt zehn Aspekte der Unnachahmlichkeit des Qur’an: • Seine wunderbare Komposition unterscheidet sich von der üblichen Ordnung des Arabischen und jeder anderen Sprache; es ist keine Dichtung, denn Allah sagt: „Weder lehrten wir ihn Dichtung, noch würde sich Ihr Gebrauch für ihn schicken.“ (Ya Sin, 68) In der Sammlung von Muslim wird berichtet, dass Unais, der Bruder von Abu Dharr, diesem sagte: „In Mekka traf ich einen Mann, der behauptet, dass Allah ihn gesandt hätte.“ Abu Dharr fragte ihn, „Was sagen die Leute über ihn?“ Er antwortete: „Sie sagen: ‘Er ist ein Dichter, ein Wahrsager und ein Zauberer.’“ Unais, der selber ein Dichter war, sagte: „Ich habe die Worte von Wahrsagern gehört und diese Sache ist nicht wie das, was sie sagen. Ich verglich ihn mit den Männern, die Dichtung rezitieren, und er war nicht wie sie. Niemand nach mir sollte den Fehler begehen und sagen, er sei ein Dichter. Er ist aufrichtig und sie die Lügner.“ Als ‘Utba ibn Rabi’a den Qur’an hörte, bestätigte er, dass dies weder Dichtung noch Wahrsagung sei. • Sein Stil unterscheidet sich von allen anderen Sprachstilen der Araber. • Er hat eine klare, verständliche Sprache, die niemals von einer Kreatur stammen kann. Ibn Al-Hassar merkte dazu an: „Diese drei – Anordnung, Stil und leichte Verständlichkeit – finden sich in jeder Sura, mehr noch, in jeder Ajat, und die Kombination dieser drei unterscheidet ihn von jeder Ajat und jeder Sura, zusammengestellt aus Worten eines normalen Menschen. Dadurch ist er unnachahmlich und eine bleibende Herausforderung.“ • Der Gebrauch der arabischen Sprache steht in Qualität weit über dem, was ein Araber je zu leisten vermag. • Der Qur’an spricht über Angelegenheiten, die seit Anbeginn der Zeit bis zu seiner Offenbarung geschahen. All dies kam aus dem Munde eines Mannes hervor, der weder lesen noch schreiben konnte. Der Qur’an berichtet über die Geschichten der Propheten, ihrer Gemeinschaften und vergangenen Generationen genauso wie über jene Fragen, die die Leute des Buches stellten, als sie den Propheten mit Fragen nach den Leuten der Höhle, Al-Khidr, Musa und Dhu’l-Qarnain herausfordern wollten. Qadi Ibn At-Tajjib weist darauf hin, dass es keine Möglichkeit für den Propheten gegeben hat, etwas darüber zu erfahren, denn weder hatte er Kontakt mit Leuten, die Wissen von Geschichte hatten, noch besuchte er je einen Lehrer, von dem er dieses Wissen hätte nehmen können. Deshalb kann dies nur durch das Mittel der Offenbarung geschehen sein. • Die Versprechen, die Allah im Qur’an gegeben hat, wurden erfüllt. Dies betrifft allgemeine Berichte, wie das Versprechen an Seinen Gesandten, Friede sei mit ihm, von Sieg und Ausweisung derjenigen, die ihn vertrieben haben, und Versprechen, die an Bedingungen geknüpft waren, wie „wenn jemand Vertrauen in Allah hat, ist Er genug für ihn.“ (At-Talaq, 3) • Es gibt Berichte über Angelegenheiten in der Zukunft, die nur durch Göttliche Offenbarung erfahrbar sind. Allah sagte, „Allah hat denjenigen unter euch, die Vertrauen [Iman] in Ihn haben, und die richtige Handlungen verrichten, verheißen, dass Er sie zu Khalifen [Statthaltern Allahs] im Land machen wird, so wie Er diejenigen zuvor zu Khalifen gemacht hat.“ (An-Nur; 55) • Das im Qur’an enthaltene Wissen bildet für Menschen die Grundlage was Erlaubtes, Verwehrtes und andere Urteile betrifft. • Die unübertrefflich elegante Ausdrucksweise der Weisheit, die normalerweise so nicht von einem Menschen ausgedrückt werden kann. • Die perfekte Ausgewogenheit des Qur’an, ohne eine Unstimmigkeit oder Zusammenhanglosigkeit zu enthalten, ist der letzte Aspekt. Denn Allah sagt, „Käme er von jemand anderem als Allah, hätten sie so manchen Widerspruch darin entdeckt.“ (An-Nisa’, 82).

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen