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Datteln zählen zu den den Lieblingsspeisen in der muslimischen Welt. Von Safia Bouchari

Süß und vielseitig

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(iz). Datteln gehören unter Muslimen zu den besonders beliebten Lebensmitteln, auch deshalb, da sie wie auch die Dattelpalme im Qur’an beziehungsweise in der prophetischen Überlieferung Erwähnung finden. Dass Datteln vor allem – aber nicht nur – beim Fastenbrechen gemäß der Sunna des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, kaum Wegzudenken sind, hat sich auch über die muslimische Gemeinschaft hinaus längst herumgesprochen – dass deutsche Lebensmitteldiscounter alljährlich rechtzeitig zum Ramadan Datteln in ihr Sortiment aufnehmen, beweist dies.

In allen Gebieten, in denen die Dattelpalme seit alters her wächst, gehört ihre Frucht traditionell zu den Grundnahrungsmitteln, und schon sehr früh wurden Dattelpalmen auch vom Menschen kultiviert und gezielt angepflanzt. Einzelne Dattelpalmenarten sind in der Lage, auch lange Trockenperioden zu überstehen, indem der Samen des Baumes über Jahrzehnte im Boden überdauern kann, bis er, wenn die Verhältnisse günstig sind, keimt. Ausgewachsene Dattelpalmen können bis zu 200 Jahre lang Früchte produzieren. Man sieht, dass es sich hier um eine ganz besondere Pflanze handelt.

Die Dattelpalme bietet neben ihren Früchten als nutzbare Stoffe auch ihr Holz, und aus ihren Rispen und Blättern können zum Beispiel Seile hergestellt werden. Auch das so genannte Palmherz, das essbare weiche Mark der Palmstämme, ist ein beliebtes Produkt dieses Baumes. Gepresst oder in Form ihrer aufgeweichten Kerne wird die Dattel auch als Viehfutter für Pferde und Kamele genutzt. Die Kerne werden gemahlen, zusammen mit anderem Getreide, auch zu Brot verbacken. Getrocknet bleiben Datteln sehr lange haltbar.

Das Holz der Dattelpalme kam beim Bau der Moschee des Propheten zum Einsatz, und aus den Palmfasern werden Matten zur Dachbedeckung und für andere Zwecke, wie Behälter und dergleichen, hergestellt. Palmfasern kommen mitunter auch als Bestandteil von Kuhl zu kosmetischen Zwecken zur Anwendung.

Die Bestäubung der Dattelpalmen funktioniert durch Insekten, aber häufig auch durch den Menschen mittels Zufuhr männlicher Pollen in die weiblichen Blüten. Heute werden bei der Züchtung auch modernste Methoden angewandt. Die Blüten (Tal’) selbst sollen aphrodisierende Wirkung haben, wie übrigens auch die Dattelfrucht. Datteln sind reich an Kohlenhydraten und Ballaststoffen, dafür recht fettarm und enthalten nur wenig Natrium. Auch verfügen sie im Vergleich zu ­anderen Obst- und Gemüsesorten über einen höheren Eiweißanteil, und über viel Vitamin A. Des weiteren enthalten sie die Vitamine B1, B2, und D sowie Kalium, Eisen, Magnesium und Fluor. Durch die Art ihres molekularen Aufbaus sind die Früchte gut und schnell verdaulich.

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Studien über die positiven Wirkungen von Datteln, zum Beispiel, dass durch sie die Überfunktion der Schilddrüse gehemmt wird. Auch in den medizinischen und ernährungsbezogenen Überlieferungen vom Propheten Muhammad, der so genannten Tibb An-Nabawi, spielen Datteln natürlich eine Rolle. Der Prophet hat gesagt: „Ein Haushalt, der nicht über Datteln verfügt, ist arm“.

Er selbst pflegte Datteln mit Butter, mit Brot oder auch pur zu essen. Es wird überliefert, dass eine Dattelpalme seufzte, nachdem der Prophet, der unter ihr gesessen hatte, sie verließ. Und Mariam (Maria) hat unter einer Dattelpalme den Propheten ‘Isa (Jesus) geboren. In der Sure Mariam, Vers 25-26 lässt Allah zu Mariam sagen, nachdem sie in Wehen und in Verzweiflung zu einem Palmstamm gegangen war: „Und schüttle zu dir den Palmenstamm, so lässt er frische, reife Datteln auf dich herabfallen. So iss und trink und sei frohen Mutes.“

Abu Musa berichtete: „Ein Junge wurde mir geboren, und ich brachte ihn zum Propheten. Der Prophet gab ihm den Namen Ibrahim, bestrich seine Mundhöhle mit Dattelbrei, sprach für ihn ein Bittgebet um Segen, und gab ihn mir zurück.“

In der arabischen Sprache gibt es verschiedene Namen für Datteln je nach ihrem Zustand und ihrem Reifegrad. Diese sind: Busr, unbefruchtete, unreife Datteln mit bitterem Geschmack; Balah, befruchtete, unreife bis frische Datteln, trocken und leicht bitter; Rutab (sing. Ratb), ebenfalls frisch, feucht, weich, süß und bräunlich in der Farbe; Tamr, getrocknet, dunkelfarbig und faltig in ihrer Form; und Adschwa, diese sind dunkel und finden sich meist in gepresster Form. Für Datteln von höchstem Reifegrad gibt es auch den Namen Yani’. Heute gibt es Datteln unter anderem sogar in Form von streichfähiger Paste.

Die verschiedenen Formen der Datteln finden auch in der Tibb An-Nabawi Erwähnung, wie auch das bereits erwähnte Palmherz, Dschummar ge­nannt. Die Sorte Adschwa ist besonders beliebt, und als die besten gelten jene aus Medina, der Stadt des Propheten. Auch der Prophet mochte diese besonders, und es gibt mehrere Hadithe über die Adschwa-Dattel, etwa dass sieben zum Frühstück gegessene den ganzen Tag lang vor Übel schützen, oder dass sie aus dem Paradies stammen. Rutab wiederum wurden vom Propheten besonders gerne zum Fastenbrechen genommen, ebenso Tamr.

Datteln in Marokko

In Marokko wachsen Datteln vor allem im Süden des Landes, überwiegend südlich des Hohen Atlas, und hier besonders im Tafilalt; aber auch im Raum Marrakesch oder in der Oase Figuig. Auch hier greift man zur manuellen Befruchtung, da die natürliche Befruchtung durch Insekten und Wind oft nicht ausreicht. Dazu sammelt man zu Beginn des Frühlings die langen, weißen Blütenstände aus dem Herzen der männlichen Palmbäume. Halm für Halm werden dann die darin enthaltenen Pollen freigelegt und über den Blütenständen der weiblichen Bäume ausgeschüttet.

Nach einer erfolgreichen Bestäubung sind die Datteln ungefähr fünf Monate später, gegen Ende des Sommers, reif. Nun kann die Ernste beginnen. Eine produktive Dattelpalme kann jährlich bis zu 50 Kilogramm Früchte bringen. In Marokko wächst eine Reihe verschie­dener Dattelarten, etwa die besonders großen, weichen Madschhul-Datteln.

Wie in anderen muslimischen Regionen auch, ist die Dattel in Marokko eine Zutat für eine Reihe leckerer Süßspeisen und Gebäckspezialitäten. So gibt es beispielsweise Makrut, mit einer Paste zerkleinerter Datteln gefüllte, gebackene Teigteilchen. Für den Teig wird dabei auch Couscous verwendet, dazu Honig und Orangenblütenwasser. Es gibt verschiedenste Variationen von solchen mit Datteln gefüllten Gebäckteilchen. Natürlich gibt es auch mit Mandemasse gefüllte frische Datteln. Ein anderes, sehr einfach herzustellendes Dessert sind Datteln mit Honig. Dazu werden die Datteln in Stücke geschnitten und die Zutaten wie Honig, gemahlener Zimt, Zucker, Gummi Arabicum, Muskatnuss und Orangenblütenwasser zu einer Paste zerknetet. Diese Paste kann man dann in beliebiger Form servieren.

Datteln können aber auch als Zutat zu geschmorten Tagines dienen, oder als Füllung von Baghrir, einer Art Crêpes oder Pfannkuchen.

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