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Es gibt auch Import-Priester

Debatte um 'Import-Imame' offenbart Wissenslücken und Doppelmoral

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(iz). Die leidige Debatte um „Import-Imame“ scheint wie ein wiederkehrender Populismus um vom Mangel an Inhalten abzulenken. Das Positionspapier „CDU2017“ der Christlich Demokratischen Union offenbart wieder die Unkenntnis hiesiger Realitäten durch die Politik. Parallel zur verfassungsrechtlich wohl eher fragwürdigen Einmischung staatlicher und halbstaatlicher Institutionen in die muslimische Gemeinschaftsstruktur wird mit dem Positionspapier ein bevormundender Kurs für die Zukunft vorgegeben.

In Moscheen solle deutsch gesprochen werden und Imame, die kein deutsch sprechen, dürfen nicht nach Deutschland einreisen. Dass Deutsch sich ohnehin ganz natürlich immer mehr zur Standardsprache von Moscheegemeinden entwickelt, scheinen die Verfasser nicht zu wissen. Ebenso scheinen sie nicht zu wissen, dass Moscheen in Deutschland gezwungenermaßen als „Kulturvereine“ agieren müssen, weil der Islam nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, und sie dadurch nicht selten in die Ecke der „fremden Kultur“ gedrängt werden.

Selbstverständlich gibt es viel Aufholbedarf. Nur findet diese Debatte, besonders in der „Islamischen Zeitung“, schon lange statt; aus der muslimischen Mitte, völlig losgelöst von jedweder Politisierung. Warum also möchten Politiker den Alltag von Religionsgemeinschaften mitbestimmen?

„Import-Imame“ ist einer dieser stigmatisierenden Begriffe, ähnlich wie „Kopftuch-Mädchen“. Googelt man aber „Import-Priester“ erscheinen komischerweise weniger Treffer. Seltsam. Denn in Deutschland gibt es weitaus mehr dieser „importierten Priester“ als Imame, die aus dem Ausland kamen. Die Wahrheit ist, dass auch Kirchen immer häufiger auf Geistliche aus Ländern wie Polen oder Indien angewiesen sind, um ihre Posten zu besetzen.

Was die Imame angeht, sind die Gründe jedoch andere. Abgesehen vom Buhara-Institut in Berlin und einigen Pionierprojekten gibt es keine deutschsprachige Imam-Ausbildung in Deutschland; schon gar keine anerkannte. Dass das Studium der „islamischen Theologie“ dies ersetzen könne, ist eine Fehlannahme und Beispiel von Unkenntnis der spirituellen Dimensionen des Islam.

Über 1.000 Pastoren und Priester erweisen den christlichen Gemeinschaften einen Dienst, nachdem sie aus dem Ausland hergeholt wurden. Die muslimischen Verbände sind gut beraten, ihren Imamen das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Das steht außer Frage. Und das tun sie auch. Die Dachverbände DITIB, VIKZ oder IGMG bieten ihren Imamen Deutschkurse an. Die türkische Religionsbehörde Diyanet, zu der DITIB gehört, bietet zudem beispielsweise gezielt Deutschen eine Imam-Ausbildung in der Türkei an, um sie besser auf den Beruf in Deutschland vorzubereiten.

Die „Import-Imame“ als Schlagwort zum Ängsteschüren zu gebrauchen, beweist die peinliche Unwissenheit in Politik und Medien. Gut ausgebildete Imame aus der Türkei, aber auch aus Ägypten, Jordanien oder Marokko, waren seit jeher ein Bollwerk gegen extremistische Ideologien. Sie sind es nicht, die in den berüchtigten „Hinterhof-Moscheen“ ihr Unwesen treiben. Über 1.500 Moscheegemeinden mit gesellschaftsfördernder Arbeit scheinen aber wohl weniger Thematisierung zu finden als fragwürdige selbsternannte Moscheegemeinden, die man an einer Hand abzählen könnte.

Wieder wird über die Muslime gesprochen, anstatt mit ihnen. Und wieder wird von den Muslimen etwas verlangt, was man sonst von niemandem verlangt. Die Muslime machen sich seit Langem Gedanken darüber, wie sie islamische Wissenschaften und muslimische Traditionen in der eigenen deutschen Sprache anbieten können. Die CDU, so wie ihre Partnerpartei CSU, die jüngst auch wieder mit derartig undurchdachten Forderungen glänzt, sollten, wenn überhaupt, zuhören, beraten und unterstützen. Nicht aber versuchen, den Ton anzugeben. Ob es da wohl einen Zusammenhang gibt mit der Neugründung des „Muslimischen Forum Deutschland“ durch die CDU-nahe Konrad Adenauer Stiftung? Die CDU sollte sich besser beraten lassen.

 

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