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Den Frauen eine Stimme geben: Musliminnen gründen neues Aktionsbündnis. Von Gabriele Boos-Niazy

Positives Potenzial bündeln

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(PM/iz) In Deutschland leben nach neuesten Erkenntnissen ca. 4,3 Millionen Muslime, die Hälfte davon weiblich. Der überwiegende Teil der Muslime hat zwar einen Migrationshintergrund, aber der Islam kann inzwischen nicht mehr als eine Religion der Migranten bezeichnet werden. Die muslimischen Arbeitsmigranten organisierten sich in den 80er Jahren in Moscheegemeinden, um ihre Religion zu leben und ein Stück Heimat zu schaffen. Dies erfolgte zunächst überwiegend von Männern nach den damalig existierenden Bedürfnissen; erst später begannen Frauen – meinst in interkultureller Besetzung – Räume für sich zu schaffen. Damit schlossen sie bestehende soziale Lücken in den eigenen Reihen sowie der Mehrheitsgesellschaft und hofften über ihre Aktivitäten auch Gehör in Politik und Öffentlichkeit zu finden. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nur sehr unzureichend.

Auf diesem Hintergrund kam im Jahr 2005 eine staatliche Initiative gerade Recht: das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rief in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und der Muslimischen Akademie in Deutschland e.V. das Dialogforum muslimischer Frauen ins Leben. In regelmäßigen Treffen wurden gleichstellungs- sowie integrationspolitisch wichtige Themen diskutiert und es wurde darüber beraten, wie die gesellschaftliche Teilhabe von Musliminnen verbessern werden kann.

Im Dialogforum waren sowohl Vertreterinnen muslimischer Verbände (ZMD, DITIB, VIKZ, Islamrat,), Frauenbeauftragte der Schura Hamburg und Niedersachsen, als auch Initiatorinnen großer und kleiner eingetragener Vereine aus ganz Deutschland (zum Beispiel BFmF, ZIF, Forum unabhängiger Muslime, Buschra, Kompetenzzentrum muslimischer Frauen Rhein/Main, Bund alevitischer Frauen) präsent.

Da die Teilnehmerinnen im Dialogforum zwar eine große religiöse und nationale Bandbreite abdeckten, die Teilnehmerzahl jedoch begrenzt war, wurde erstmals 2006 eine Klausurtagung initiiert, an der eine größere Anzahl muslimischer Frauen aus dem ganzen Bundesgebiet teilnahm. Drei weitere Klausurtagungen in den darauf folgenden Jahren ließen dann die Pläne zu einem Aktionsbündnis mit klar umrissenen Zielen konkreter werden, und schließlich folgte im November dieses Jahres die Gründung eines eingetragenen, gemeinnützigen Vereins. Der gemischt-nationale Vorstand besteht aus sieben Frauen – zwei Juristinnen, vier Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und einer Diplomökonomin. Einige haben Erfahrung in der Verbandsarbeit, andere in muslimischen Frauenvereinen, wieder andere haben sich bisher völlig ohne Anbindung betätigt.

Mitglied kann jede volljährige muslimische Frau werden, die die Ziele unseres Vereins unterstützt. Inscha Allah wird in Kürze unsere Webseite fertig sein, dann werden wir uns intensiv darum bemühen, neue Mitglieder zu gewinnen. Es geht uns dabei um eine breite Basis: Frauen jeden Alters, jeder Herkunft und aller islamischen Facetten sind willkommen, denn wir haben über alle Unterschiede hinweg gemeinsame Interessen, die bisher nicht ausreichend vertreten wurden. Um den Frauen unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation die Mitarbeit zu ermöglichen, verzichten wir auf Mitgliedsbeiträge. Die Gemeinnützigkeit gibt uns allerdings die Möglichkeit, Spenden anzunehmen und dafür entsprechende Belege auszustellen. Unsere Ziele sind: die Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe von Musliminnen, die Unterstützung muslimischer Frauen bei der Wahrnehmung ihrer Rechte, die Vernetzung der Kompetenzen muslimischer Frauen, ein Ansprechpartner für die Politik zu sein und die Interessenvertretung bei gleichstellungs- wie integrationspolitisch wichtigen Themen.

Zu Beginn unserer Arbeit stehen Kontakte mit gesellschaftspolitischen AkteurInnen im Vordergrund – ihnen wollen wir uns als kompetente Gesprächs­partnerinnen zur Verfügung stellen und unseren Vertretungsanspruch nahe bringen.

Wir wollen den muslimischen Frauen eine Stimme verleihen und sie sichtbar machen – nicht nur als Opfer exis­tierender gesellschaftlicher Vorurteile, sondern als aktive Frauen. Nur so ­können langfristig die bestehenden gesellschaftlichen Klischees verändert werden.

Frauen haben eine Schlüsselposition im Integrationsprozess. Wenn sie durch die Gesellschaft ausgegrenzt oder positiv angenommen werden, hat das Auswirkungen auf die Stimmung innerhalb der ganzen Familie und wirkt insbesondere auf die Kinder zurück. Wenn sich die Frauen lediglich als manövrierbares Objekt von gesellschaftlichen Akteuren fühlen, wird dies die positive Entwicklung einer ganzen Generation behindern.

Wir wollen den Frauen dabei helfen, ihr Potenzial, das sich häufig aus der „Kenntnis zweier Welten“ speist, positiv in die Gesellschaft einzubringen und hoffen, dass dies umgekehrt auch von der Gesellschaft anerkannt und genutzt wird.

Webseite: www.muslimische-frauen.de

Zum Video-Interview mit Gabriele Boos-Niazy und Ayten Kilicarslan vom Aktionsbündnis muslimischer Frauen:

http://www.islamische-zeitung.de/iztv.cgi?id=12760

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