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Die Rolle des Amir Al Muminin in Marokko zur Schaffung von Werten für die Radikalismus­prävention. Von Mohammed Al Yaadi

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Foto: Maroc.ma

(iz). Wir können festhalten, dass alles im Jahre 2001 nach den Attacken in New York begann. Damals wurde das globale Bewusstsein, aber insbesondere das muslimische, durch die schweren Schläge erschüttert. Am 26. Mai 2003 kam es zu den Anschlägen in Casablanca. Dies führte in Marokko zu Nachdenken und Reflexion. Die resultierenden Entscheidungen standen in Verbindung mit Veränderungen, die die Methode, die Lehrweise und die Präsentation unseres Dins betrafen.

Die Frage nach dem Din steht in Marokko in strikter und enger Beziehung zum Amir Al Muminin; mithilfe des bindenden Vertrages der Bayat. Er ist der Hüter aller Fragen, die den Din und die Gläubigen betreffen.

Nach den Angriffen von 2001 und 2003 wurde es offenkundig, dass sich extremistisches Denken auf skandalöse Weise in Marokko verbreitete. Daher mussten wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Ziel war eine Veränderung des extremistischen Denkens und die Rückkehr der Fundamentalisten zum korrekten und geradlinigen Islam.

Auf welche entscheidenden Gesichtspunkte und sich wandelnde Ansichten müssen wir uns fokussieren, um das Extremistische in ein Korrektes zu wandeln? Ich werde Punkte anführen, die wir als wichtig erachteten. Wir haben viele Maßnahmen in verschiedenen Bereichen (Wirtschaft, Entwicklung, Sicherheit etc.) beschlossen. Jedoch ist die Arbeit auf dem Feld des Dins natürlich die wesentlichste.

1. Die komplette Umgestaltung des Ministeriums für Auqaf und islamische Angelegenheiten, 2. die Restrukturierung und Reorganisierung aller Gelehrtenräte, 3. qualifizieren wir die Imame und die Verantwortlichen, welche die Moscheen organisieren, 4. schufen wir ein Zentrum zur Ausbildung von Imamen und Frauen, 5. die Schaffung eines Fernseh- und Radiosenders, genannt Mohammed VI, 6. wurde eine Einrichtung zur Ausgabe von Fatwas gegründet, 7. wurde in Marokko die traditionelle Erziehung im Din neu organisiert, 8. Wiederbelebung und Neubetonung von Noten in der höheren Bildung der islamischen Universität wie der Universität der Qarawijjin (Fes) und dem Dar al Hadith (Rabat), 9. kümmern wir uns um alle marokkanischen Gemeinschaften außerhalb Marokkos, was ihnen dabei helfen soll, Zugänge zum korrekten Rahmenwerk des Dins zu bekommen und 10. betrifft das Angebot an die Nachbarn Marokkos, von unserer Erfahrung zu lernen.

Wir könnten sagen, dass dies die wichtigsten Punkte oder Arbeitsbereiche sind, die vom Amir Al Muminin, seiner Majestät dem König, persönlich eingerichtet wurden. Das Ziel ist der Kampf gegen und die Prävention von Extremismus und Fundamentalismus sowie der Schutz von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig bewahren wir die Werte eines korrekten Dins als den mittleren Weg. Im Folgenden möchte ich gerne einige dieser zehn Punkte erläutern.

Restrukturierung des Ministeriums für Auqaf und Religiöse Angelegenheiten: Da dies das Ministerium ist, welches alle Fragen des Dins für die Marokkaner (im In- und Ausland) leitet, betrachtete der Amir Al Muminin es als erste Aufgabe für einen Wandel. Es ist die zentrale Säule aller islamischen Aspekte und wurde daher zuerst in Augenschein genommen. Es wurde beschlossen, die Pflichten des Ministeriums auszuweiten, um mehr Aufgaben übernehmen zu können. Daher wurde es 2003 mit Beginn des Gesamtprogramms reorganisiert. Sein letzter Aktivitätsbericht stammt vom 16. Februar 2016.

Das Ministerium für Auqaf und Religiöse Angelegenheiten hat die Pflicht zur Erfüllung folgender Aufgaben: Es muss die korrekten, wahren und realen Werte des Islam verbreiten. Es muss die Botschaft der Auqaf übermitteln und ihre Identität erhalten. Es soll die Unversehrtheit oder Integrität der ’Aqida sowie die Einheit der malikitischen Madhhab bewahren, und das Erbe des Din in Bezug auf die Madhhab und die ’Aqida wiederbeleben. Es muss auf alle Moscheen ausgreifen. Das Ministerium soll neue Moscheen errichten. Es muss sich die zuvor erwähnte traditionelle islamische Bildung zu eigen machen. Das Ministerium muss sich auf eine Politik der Ausbildung von Imamen und Moscheeleitern verpflichten.

Jene Veränderungen betreffen die zentrale Organisation. Auf regionaler Ebene gibt es in Marokko zwölf Filialen. Jede Region hat ihr eigenes Büro. In jedem arbeitet ein Repräsentant unseres Ministeriums. Unter seiner Leitung arbeiten unterschiedliche Beamte. Ihre Zahl hängt von der Menge der Städte ab, die es in der jeweiligen Region gibt. Im gesamten Land gibt es 75 Vertreter.

Restrukturierung und Reorganisierung aller Gelehrtenräte: Die Gelehrtenräte wurden zur Zeit von König Hassan II. gegründet. Ab 2004 änderte sich ihre Struktur. Bei der Thronbesteigung von König Mohammed VI. wurden sie auf 19 erhöht, später auf 35. Heute gibt es in Marokko 75 Gremien für ’Ulama. Ein wichtiger Wandel bestand darin, dass Frauen in diese Räte geholt wurden. Jeder muss aus mindestens sieben Mitgliedern bestehen, maximal aus elf. Diese Reorganisation der ’Ulamaräte in Marokko war ein wichtiger Schritt.

Es gibt ein oberstes Gremium, das alle anderen leitet. Dieses, als zentrale Autorität für alle, untersteht direkt seiner Majestät, König Mohammed IV. Er besteht aus vier Vorständen. Der erste ist für die Rechtleitung innerhalb des Dins verantwortlich. Der zweite kümmert sich um das Erbe des Islam. Der dritte sorgt sich um Studien, Untersuchungen und Veröffentlichungen. Der vierte und letzte behandelt die Kommunikation. Jeder einzelne Vorstand wird von einem ’Alim des obersten Rates geleitet.

Die Funktion der regionalen Gremien ist es, den Marokkanern spirituelle Sicherheit zu bieten, aber auch die Werte des Islam für die Umma zu schützen. In Marokko sind diese vier Werte allgemein bekannt: Der erste ist die Rechtsschule von Imam Malik, der zweite die ’Aqida von Al Ashari, der dritte der sunnitische Tasawwuf von Al Dschunaid und der vierte die Imara der Gläubigen, die Figur des Amir Al Muminin. Er bedeckt und schützt die anderen drei.

Schaffung von Bildungseinrichtungen: Dabei handelt es sich um die Ausbildung von Imamen sowie Leiterinnen im Din – es betrifft Männer und Frauen. 2005 wurde diese Institution auf direkte Anweisung seiner Majestät hin gegründet. Ihr Ziel ist die Schaffung einer Gruppe gut vorbereiteter Männer und Frauen, damit diese die Lehren des Islam lehren und übermitteln können. Die Dinge haben sich im Vergleich zur Vergangenheit stark geändert. Damals konnte jemand kommen und sagen „ich kenne einen Teil des Qur’an“ oder „ich habe den gesamten Qur’an auswendig gelernt“. Damit konnte er direkt Imam einer Moschee werden und auf die Art und Weise unterrichten, die ihm als richtig erschien. Dieser Prozess wurde revidiert und restrukturiert. Und er stellt sicher, dass alle Imame gut vorbereitet sind.

Die Zahl an Frauen ist hier sehr hoch, sie stellen beinahe 50 Prozent. Selbstverständlich werden sie keine „Imaminnen“. Hier werden Frauen ausgebildet, um Führerinnen (Murschidat) im Islam zu werden. Es ist kein Geheimnis, dass sie in den letzten Jahren hier bessere Abschlüsse erhalten konnten als die Männer. Die gemachten Erfahrungen sind sehr gut: Viele Frauen, die aus diesen Bildungszentren kamen, sind in der Lage, den korrekten und gemäßigten Islam an viele Menschen zu übermitteln. Viele Murschidat haben Marokko für Missionen im Ausland verlassen. Die Idee, dass sich Frauen an diesem Projekt beteiligen sollten, stammt von seiner Majestät.

Der Erfolg dieser neuen Bildungszentren wurde bald allgemein anerkannt. Daher fragten einige Führer benachbarter Länder den König, ob sie und ihre Bevölkerungen davon profitieren könnten. Nach dem Erhalt dieser Anfragen reagierte der König großzügig. Daher gibt es solche Zentren mit entsprechenden Studenten heute in folgenden Ländern: Mali, Tunesien, Guinea, Elfenbeinküste, Tschad, Niger und Frankreich. Darüber hinaus gibt es ein Programm, das Schüler aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland aufnimmt. Zusätzlich gibt es einige Länder aus Osteuropa, die an einer Beteiligung interessiert sind.

Bildung von Imamen in den Moscheen: Dieses Programm richtet sich an die Imame, die bereits in Moscheen sind. Es hat den Zweck, sie im Amt zu behalten und nicht kündigen zu müssen. Ihr Programm hat das Ziel, bestimmte Ideen anzuwenden. Es heißt „Der Pakt der Gelehrten“ und wurde 2008 von König Mohammed VI. angekündigt. Es versorgt die Imame mit dem nötigen Wissen von der Schari’a, dem Din und dem Recht – alles, was sie vorher nicht hatten.

Alle Imame, die vor 2003 arbeiteten, rund 50.000, haben davon profitiert. Im ganzen Land gibt es ein Team von 1.500 Gelehrten, welches diese Vorbeter unterweist. Wir haben eine Reihe von Aufgaben und Funktionen an diese Imame übergeben: die Stärkung der Madhhab der Ahl As-Sunna wa’l-Jamma’a, der ’Aqida von Al-Aschari, der malikitischen Rechtsschule, des Respekts für das soziale Leben etc. Wir sprechen mit ihnen auch über die Wirtschaft, die Treue gegenüber dem König und andere Punkte, die wichtig sind, wenn man mit älteren Imamen spricht.

Schaffung eines Fernseh- und Radiosenders: Zur Idee für ihre Einrichtung kam es, nachdem uns die Bedeutung der Kommunikation in der Bewusstseinsbildung unserer Leute klar wurde. Damit sollte, auf Anregung des Königs, die Kommunikation des Dins in einer positiven Art und Weise erfolgen. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass die Arbeit in den Moscheen und in den Schulen mit dem zusammenfallen soll, was sie im Fernsehen sehen und im Radio hören. Es brauchte ein Werkzeug, mit dem Marokkaner eine Alternative haben und nicht Sendern aus dem Nahen Osten folgen müssen. Dort werden gewisse Ideen vermittelt, wie allgemein bekannt ist. Daher gründete seine Majestät, der König, 2004 das Radio-, und 2005 das Fernsehprogramm. Sie wurden in den letzten drei bis vier Jahren zu sehr erfolgreichen Medien.

Einrichtung zur Ausgabe von Fatwas: Es ist heute nötig, bei bestimmten Gelegenheiten nach einer Fatwa zu fragen. Das darf nicht in den Händen von Individuen bleiben, die dieser Tätigkeit auf ihre eigene, zufällige Art und Weise nachgehen. Der Amir Al Muminin erkannte, dass er sich um die Frage der Fatwas kümmern musste. Es konnte nicht länger sein, dass sich Marokkaner an irgendwelchen Orten um eine Meinung bemühen mussten. Der oberste Gelehrtenrat gibt Fatwas zu Fragen des täglichen Lebens heraus.

Restrukturierung der höheren Bildung im Din: Dies fand seinen zentralen Ort in der Qarawijjin-Universität von Fes. Sie gilt als die Mutteruniversität der islamischen Wissenschaften. In Marrakech oder in Tetuan gab es andere Einrichtungen. Aber diejenige in Fes wurde zur Kerneinrichtung, unter welche andere Institutionen in ganz Marokko fallen. Dazu gehört beispielsweise das Zentrum für die Bildung von Imamen oder eine Schule für Qur’anrezitatoren.

Öffnung des Programms für die Nachbarländer: Dieser letzte Punkt betrifft das Angebot für Nachbarländer, von unseren Erfahrungen zu profitieren. Aufgrund des Erfolgs unseres Gesamtprogramms stieg seit 2003 das Interesse bei unseren Nachbarn. Viele Ausländer haben bereits unsere Ausbildungszentren für Imame und Murschidat besucht. Durch dieses Programm und seine Umsetzung hat es Marokko nach großen Bemühungen geschafft, sich von den Unruhen und der Fitna abzugrenzen und sie zu vermeiden.  Viele benachbarte arabische Länder sind von ihnen befallen. Marokko hat viele bekämpft, die extremistische Ideen verbreiten, und diese in ihrem Ursprung und ihrer Wurzel ausgeschaltet.

So gelang die Etablierung eines moderaten islamischen Denkens, dass auf Barmherzigkeit und Liebe basiert, und das vom Propheten der Barmherzigkeit, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, gebracht wurde. All dies folgt aus dem Vers, in dem Allah Seinen Gesandten, Allahs Heil und Segen auf ihm, anspricht: „Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt.“ (Al-Anbija, 107)

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