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Der Austausch zwischen Muslimen und staatlichen Institutionen muss auf eine neue Grundlage gestellt werden, meint Sulaiman Wilms

Kommentar: Ein neuer Anfang?

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(iz). Für einen Austausch mit dem Islam auf ­gleicher Augenhöhe hat der in Frankfurt/Oder lehrende Kultur- und Sozialanthropologe Werner Schiffauer plädiert. Der seit dem 11. September 2001 vor allem praktizierte „kritische Dialog“ führe dagegen in eine Sackgasse, sagte Schiffauer in Berlin. Er verfestige die Rollen von „Etablierten“ und „Außenseitern“. So wüchsen auf der einen Seite hauptsächlich Selbstrechtfertigung und Floskeln, auf der anderen Seite Misstrauen. Wie schon bei anderen Themen ist ihm (der für seine unabhängige und fachliche Arbeit seit Jahren von Seiten der berufsmäßigen Islamkritik angefeindet wird) hier sicherlich zuzustimmen.

Der erwähnte 11. September 2001 hat sich aus verständlichen Gründen auch auf das Gespräch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ausgewirkt – mit negativen wie ­produktiven Folgen. Während viele Menschen in Deutschland auf individueller wie nachbarschaftlicher Ebene die Begegnung mit Muslimen und ihrer Religion gesucht und auch gefunden haben, sieht es auf „öffent­licher“ Ebene, die immer durch das zeitgenössische Konstrukt der „Anerkennung“ bestimmt ist, leider etwas anders aus.

Für die Deutsche Islamkonferenz, unter großem Interesse angekündigt, aber bisher wegen ­ihrer programmatischen und ideologischen Schwächen zu wenig zielführend, gilt dies in besonderem Maße. Von Anfang an ging die Hoffnung muslimischer Vertreter und ­un­abhängiger Beobachter mehrheitlich nicht auf, dass die auch symbolischen Treffen (wie auch ihre Arbeitsgruppen) dazu führen könnten, dass die ­religiös praktizierenden Muslime Deutschlands bestimmte – eher rechtliche oder ­verwaltungstechnische – Probleme aus dem Weg räumen könnten.

Anstatt einer Begegnung zwischen muslimischen Verbänden – die immerhin (ob es ­gefällt oder nicht) für die praktizierenden und ­aktiven Muslime stehen – und staatlichen ­Institutionen zu ermöglichen, wurde daraus auch ein Instrument, sich ­einen politisch genehmen Islam zu schaffen. In­sofern ist es folgerichtig, wenn die SPD-­Politikerin Akgün (was sich am Verhalten der individuellen Teilnehmer zeigte) ein Ende der symbolischen Institution fordert. Bei ihr, wie bei der Mehrheit der deutschen Politik, besteht kein ­Interesse an einem funktionierenden muslimischen Leben in Deutschland. Schon gar nicht, wenn sich dieses erdreistet, aus ihrer ­Religiosität heraus relevante Positionen zu ­wichtigen Fragen zu formulieren.

Es ist an der Zeit, den alten „Dialog“ zu ­begraben und einen neuen zu beginnen.

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Sulaiman Wilms

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