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Der Autor hätte genauer hinschauen sollen

Kurzrezension von „Der Moscheereport – Inside Islam: Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“ von Constantin Schreiber

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Fotos: Econ/Ullstein (links), Bubo/CC BY-SA 3.0 (rechts)

(iz). Eigentlich hatte ich vor, eine ausführliche Analyse des Buches von Constantin Schreiber zu schreiben, doch nach den ersten 70-80 Seiten des Buches erübrigte sich dies. Warum?

Der „Moscheereport“ geht nach folgendem Muster vor. Erst wird kurz berichtet, was weltweit in der Woche der Freitagspredigten passierte. Dann wird die jeweilige Moschee vorgestellt. Es folgt eine Transkription der Freitagspredigt und danach kommt jeweils eine Diskussion/Interview über diese Predigt.

Wo liegt das Problem? Die Predigten behandeln theologische Phänomene. Sie sind in einem theologischen Kontext zu verstehen. Sie widerspiegeln keine aktuellen politischen Debatten wieder. Doch genau dies wird in den Interpretation der Predigten gemacht. Wenn z.B. der Imam von unmoralischen Verhaltensformen spricht (so wie in der Kirche, Synagoge oder jeder Ethik-Konferenz auch), wird dies so interpretiert, als sei hier die deutsche Gesellschaft gemeint. Dies sei dann ein Zeichen für Desintegration.

Leider hält das Buch bis zum Ende dieses Format bei. Dementsprechend sind die Ergebnisse. Theologische Aussagen werden vom Kontext gerissen und in aktuell politische Statements umgewandelt. Ein fataler Fehler. Von Wissenschaftlichkeit und Neutralität zeugt das nicht gerade.

Hier ein Beispiel: An einer Stelle spricht ein Imam von der „Verwerflichkeit von allem Neuen“. In der islamischen Lehre nennt man dies „Bid’a“. Gemeint ist damit, dass es theologisch nicht erlaubt ist, neue Rituale in den Islam einzuführen. Dieses „Neue“ gilt als „verwerflich“. Es geht hier also nur um neue Rituale sowie Dinge wie Aberglauben usw. Der Autor und Fernsehmacher Schreiber jedoch interpretiert diesen theologischen Begriff als einen gesellschaftlichen und glaubt, dass damit alles Neue aus der Gesellschaft verwerflich sei. Das führt dann zu dem Ergebnis der Integrationsverweigerung.

Anderes Beispiel: Ein Imam spricht von „Yazid“. Einem Tyrannen aus der frühen Geschichte. Der Autor versteht aber Jesiden und interpretiert, dass der Imam gegen Jesiden hetzt. Ein schwerwiegender Fehler. Leider gibt es mehr als eine Handvoll solcher erheblichen Fehler.

Umso erstaunlicher ist es, dass Constantin Schreiber an mehreren Stellen den Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung, bei dem wissenschaftlich methodisch sauber vorangegangen wurde und der vor allem repräsentativ ist, kritisiert und seine eigenen, wenigen Moscheebesuche als repräsentativ darstellt.

Selbstverständlich hat das Buch keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Dem Durchschnittsleser wird dies aber kaum interessieren. Die Wirkung des Buches ist daher nicht gut. Immerhin geht es hier um eine Gemeinschaft, der nominell etwas mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland angehören. Da hätte man viel genauer hingucken und theologische Texte in ihrem Kontext sehen müssen.

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Cemil Sahinöz

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