IZ News Ticker

Der IS-Finger?

Der erhobene Zeigefinger als Terror-Symbol? Warum das falsch ist.

Werbung

Der „IS-Finger“ ist wieder da. Egal ob Mittelfinger, Peace-Zeichen oder nun der Zeigefinger – Fotos zwingen viele Menschen scheinbar zu Posen. Junge Muslime entdeckten im Laufe der letzten 2-3 Jahre den gehobenen Zeigefinger für sich.

Es soll die Schahada, das muslimische Glaubensbekenntnis symbolisieren. Im Gebet hebt man den rechten Finger an, wenn man Allahs Einheit und die Prophetie Muhammeds bezeugt. Man möchte meinen, der Finger gehöre somit auch ins Gebet, und nicht auf Fotos.

Nach den Axel-Springer-Medien haben nun auch das ARD-Magazin “Report München” und die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” den gehobenen Zeigefinger auf Fotos als Indiz für eine Sympathie mit der Terrorgruppe IS identifiziert. Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes unterstützt diese These mit der abstrakten Behauptung, es handle sich um ein „politisches Symbol“.

Wird hier eine falsche Assoziation provoziert? Der Autor Ahmet Seynurt spricht in seinem Bericht von “Recherchen”. Von journalistisch-handwerklicher Begabung zeugt es jedoch nicht, wenn man nicht einmal herausfindet, dass jeder Muslim den Finger täglich mehrere Male während der fünf Gebete hebt. Dafür hätte man einfach eine Moschee betreten müssen oder mit Muslimen sprechen müssen. Wohl etwas zu viel verlangt.

In seinem Bericht assoziiert Seynurt schlussendlich den größten muslimischen Moscheeverband DITIB mit dem IS-Terror. Ein Foto mit gehobenem Zeigefinger eines Funktionärs einer DITIB-Moschee in Dinslaken mit einem vermeintlichen IS-Sympathisanten gibt wohl Grund zur Überschrift “IS-Anhänger im türkischen Verband DITIB”. Wird hier bewusst denunziert?

Fakt ist, man muss kein Experte sein um zu wissen, dass DITIB nicht mit der Ideologie der IS harmoniert. Imame dieses Verbandes genießen eine solide islamische Ausbildung und gelten seit Jahrzehnten als Bollwerk gegen extremistische Ideologien. Sie richten sich in der Regel nach der hanafitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam und sind somit ein Gegengewicht zu kleinen wahhabitischen Sekten, aus denen die IS-Ideologie resultierte.

Die qualitativen Mängel in dem Bericht disqualifizieren sowohl Autor als auch Plattform für den Diskurs.

Der gehobene Zeigefinger auf Fotos ist keine neue Modeerscheinung. Für verschiedenste Sportler symbolisierte er die Überlegenheit des eigenen Talents. Dass auch junge Muslime nicht unbedingt wissen, was sie da auf Fotos tun, beweist, dass einige unter ihnen gern auch den linken Zeigefinger heben, was nicht der Haltung der Schahada entspricht, bei der ausschließlich der rechte Zeigefinger gehoben wird. Ja, die Terrorgruppe IS zeigt sich gerne mit dem Zeigefinger. Sie nennen sich auch „islamisch“. Nur lassen Muslime ihren Glauben nicht von Terroristen kapern.

Selbsternannte Islamexperten und Hobby-Detektive, die im gehobenen Zeigefinger eine IS-Sympathien zu erkennen meinen, mögen doch bitte alle Schulämter der Republik auffordern den Zeigefinger als Meldung abzuschaffen. Der Verfassungsschutz wäre wohl auch gut beraten meckernde Großeltern aufgrund des erhobenen Zeigefingers zu beobachten. Verdacht auf „Islamismus”.

Derartige Berichte sind ernst. Die grobe und fahrlässige Assoziation eines Bundesverbands über 896 Vereine mit einer Terrorgruppe ist nichts anderes als eine mutmaßliche Markierung. Im Ergebnis wird auch der überzeugende und wichtige Einsatz der DITIB gegen jede Form der Radikalisierung diskreditiert.

 

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen