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Der eigene Blick

Der etwas andere Jahresrückblick eines IZ-Redakteurs

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(iz). Mein Jahresrückblick ist recht eigen, aber ich denke, er betrifft jeden hier mehr als er vielleicht denkt. Ich will nicht meckern, trauern oder anprangern, aber auch nicht davon sprechen was alles denn so toll gewesen ist.

Ich habe als Redakteur der Islamischen Zeitung einen etwas anderen Blick auf die Geschehnisse gehabt. Noch nie in der Geschichte der Muslime Europas haben die Muslime der Mitte ein so großes und gut funktionierendes Sprachrohr gehabt. An der Stelle sei den hunderten Autoren für ihre guten Artikel gedankt. Dieses Jahr ist viel passiert. Zwei Mal Paris, IS im Allgemeinen, Moscheebrände, Pegida, Flüchtlingskomplex. Für unsere Redaktion bedeutete dieses Jahr unzählige schlaflose Nächte. Hunderte, manchmal tausende Kommentare täglich, oft mit so viel Emotionen. Stetig Inhalte liefern, Debatten führen, Positionen präsentieren, Muslime und Islam verteidigen, sich mit Extremen, “radikal” und “liberal”, auseinandersetzen. Zusätzlich zur normalen Arbeit eines Mediums, ein 356-Tage-Job in doppelter Vollzeit.

Die Verantwortung ist gewachsen. Die Menschen möchten lesen, was Muslime zu sagen haben. Es ist genau genommen die Drecksarbeit. Die ununterbrochene Aufklärung, damit nicht jeder einfache Muslim sich bei der nächsten Gelegenheit von irgendetwas distanzieren muss. Weil wir schon vorsorgen. Umso nerviger war es, wenn selbst Muslime geradezu sabotierend wirken, weil sie nicht verstehen, dass wir als Medienmacher eine andere Aufgabe haben, als sie als einfache Facebook-User. Halt die Drecksarbeit. Für Islam und Muslime einstehen, sich ins Schussfeld begeben und alleine alle Kugeln wegstecken müssen. Umso mehr lernt man die wahre Freunde, die geraden Leute zu schätzen und sie in der Masse zu erkennen.

Ja, es gibt auch viel Neid und Missgunst. Das ist allzu menschlich, es sei ihnen verziehen. Mit geringen Mitteln, unabhängig, ohne uns zu verbiegen und ohne Populismus gehören wir im deutschsprachigen Raum mittlerweile zu den wahrscheinlich wichtigsten 25 Medien. Nirgendwo debattieren mehr Muslime. Niemand erreicht mehr Muslime. Und nirgendwo erreichen Muslime mehr Nichtmuslime. Ja, verdammt viele Nichtmuslime lesen die IZ. An guten Tagen stecken wir, was die Reichweite angeht, Die Welt, Die Zeit und manchmal sogar Die Bild in die Tasche.

Ich hätte mir zumindest beim 20-jährigen Jubiläum gewünscht, dass Vertreter der vier muslimichen Verbände dem Herausgeber Abu Bakr Rieger und dem Chefredakteur Sulaiman Wilms einen Blumenstrauß schicken oder zumindest Danke sagen. Danke dafür, dass sie ermöglichen, dass die muslimische Mitte sich auf dieser Plattform ausdrücken kann. Aber für das Danke arbeiten wir nicht. Mich persönlich treibt die Überzeugung in das Potential an. Ich sehe, was innerhalb dieses einen Jahres möglich war. Und ich meine zu sehen, was in den nächsten Jahren realisierbar ist. Gute Medienarbeit zahlt sich aus. Und ich nehme ab diesem Punkt überhaupt niemanden mehr ernst, der sich weiterhin über andere Medien beschwert, anstatt ein alternatives Medium zu unterstützen. Abonnements, Käufe, Werbung, gute Artikel, Lesermeinungen, konstruktive Kritik, Beratung, oder eben doch auch mal ein Danke, irgendwas davon kann jeder. Ich glaube, wir schreiben gerade Geschichte. Schreibt mit.

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