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Der Fürst der Monate

Über die Besonderheiten des ­Ramadan

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Foto: Maxpixel | Lizenz: CC0 Public Domain

(iz). „Oh ihr, die Iman habt, das Fasten ist vorgeschrieben, so wie es für jene vorgeschrieben war, die vor euch kamen, damit ihr Furcht vor Allah habt.“ (Al-Baqara, 183)

Ein weiteres Jahr ist vergangen und wieder kündigt sich der Ramadan an; der ersehnte Gast, dessen Besuch wir sehnsüchtig erwarten. Dieser glorreiche Monat ist der Dreh- und Angelpunkt eines ganzen Jahres. Er ist der Prinz der Monate. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Der Herr aller Monate ist der Ramadan und der Fürst aller Tage ist der Freitag.“ Für die meisten von uns ist der Ramadan gleichbedeutend mit Fasten. In ihm zu fasten hat Allah zur Pflicht gemacht. Viele denken, er sei ­daher eine Besonderheit, aber die Wahrheit liegt im Gegenteil. Wegen seiner besonderen und gesegneten Natur hat ­Allah entschieden, das verpflichtende Fasten hier zu bestimmen, damit unsere Zustän­de aufnahmefähiger sind, die vielen Qualitäten und Wunder des Ramadans zur vollen Entfaltung zu bringen.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zählte einige dieser Aspekte in einer Khutba kurz vor dem Ramadan auf: „Oh, ihr Menschen, ein großer und gesegneter Monat ist zu euch gekommen. Ein Monat, in dem es eine Nacht gibt, die ­besser als tausend Monate ist. Ein Monat, in dem Allah euch das Fasten zur Pflicht gemacht hat und in dem Er das Stehen zum nächtlichen Gebet zu einer freiwilli­gen Handlung bestimmte.“

Der Prophet sagte auch: „Er ist ein Monat der Geduld und die Belohnung für Geduld ist der Garten. Der ­Ramadan ist die Zeit des großzügigen Gebens und der Monat, in dem die Versorgung der Gläubigen gesteigert wird.“ Und: „Gibt jemand einem Fastenden etwas zu essen, damit dieser sein Fasten brechen kann, ist dies so, als hätte er einen Sklaven befreit und seine falschen Handlungen werden vergeben. Und er wird die gleiche Belohnung erhalten wie derjenige, dem er etwas zu essen gibt, ohne das sich seine Belohnung auch nur verringert werden würde.“

Das erste, was der Prophet erwähnte ist der Fakt, dass sich die Lailatul-Qadr im Ramadan befindet. Als ob es nicht genug wäre, dass Allah die Belohnungen für unsere guten Handlungen um das mindest 70-fache erhöht, segnete Er den Ramadan mit einer Nacht voller Licht und Segen, die besser als tausend Monate ist.“ Im Qur’an heißt es: „Wir ­haben ihn ja in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung [Al-Qadr] ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.“ (Al-Qadr, 1-3)

Und diese Monate sind nicht irgendwelche, tausend Monate – ein Zeitraum, der 83 Lebensjahren entspricht. Vielmehr sind dies Monate, in denen jemand glaubt und Allah anbetet. Dies ist eine unermessliche Menge guter Handlungen, die sich alle in einer Nacht des kommenden Monats finden lassen. Wie bekommen wir Zugang zu diesem unglaub­lichen Schatz? Indem wir jene Nacht mit Leben füllen und sie – zumindest zu einem gewissen Teil – mit Dhikr (Erinnerung an Allah) und dem Gebet verbringen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wer die Lailatul-Qadr im Gebet verbringt – mit vollem Glauben und der Hoffnung auf Belohnung -, wird alle falschen Handlungen bis zu diesem Zeitpunkt vergeben bekommen.“

Diese Nacht sollte man nicht verpassen. Die Mehrheit der Mufassirun (Qur’ankommentatoren) und die Leute des Wissens sind der Ansicht, dass dies jede der letzten zehn Nächte des Ramadans sein kann. Um sicher zu gehen, dass man seinen Anteil am Stehen im Gebet erhält, sollte man am Tarawwih-Gebet teilnehmen. Es ist eine einzigartige Gele­genheit, die Rezitation des ganzen Qur’an zu hören. Eine Möglichkeit, die die meisten von uns niemals außerhalb des Ramadans bekommen.

Es ist ebenso empfehlenswert, den Qur’an im Laufe des Ramadans selbst zu rezitieren. Dieser Monat und das Buch Allahs haben eine besondere Beziehung. Dafür findet sich in diesem Monat mehr Zeit und man wird feststellen, dass das Verständnis und der Geschmack für die qur’anischen Bedeutungen höher sind. Der Ramadan ist der Monat für den Qur’an, denn in ihm wurde er in seiner Gesamt­heit herabgesandt: Allah sagt: „Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qurʾan als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde und als ­klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung.“ (Al-Baqara, 185) In diesem Monat rezitierte der Gesandte Allahs den ganzen Qur’an in Anwesenheit des Engels Dschibril (Gabriel).

Als zweiten Aspekt erwähnte der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, in seiner Khutba, dass ­Allah den Ramadan dadurch hervorgehoben hat, dass Er in ihm das Fasten zur Pflicht machte. Das Fasten ist eine einzigartige Form der Anbetung, für die ­Allah eine besondere, ungenannte Belohnung vorsieht, die nur Er allein kennt. Allah sagt in einem Hadith Qudsi: „Jede gute Handlung des Sohnes von Adam ist für ihn. Außer das Fasten. Und Ich ­werde seine Belohnung festlegen.“ Für das Fasten und die Fastenden wurde ein besonderes Tor im (Paradies-)Garten geschaffen. Der Prophet sagte: „Es gibt ein Tor zum Garten, das Ar-Rajjan heißt. Durch es werden am Tag der Auferstehung nur jene hindurchgehen, die fasten.“

Als nächstes spricht der Prophet ­davon, dass dieser Monat uns mehr Sabr [wird oft mit „Geduld“ übersetzt; hat auch eine weitere Bedeutung im Sinne, eine ­Sache zu Ende zu bringen] und Großzügigkeit gibt. Das gleiche gilt für jede ­andere gute Eigenschaft. Die Ursache dafür sind zwei Dinge: Die unglaublich erhebende, beinahe fühlbare Baraka des Ramadan sowie die Tatsache, dass die Kräfte, die uns zum schlechten Handeln verleiten, erheblich geschwächt werden. Unsere Leidenschaften und unsere Triebseele werden durch den körperlichen Akt des Fastens verringert und die Schaijatin (Teufel), die uns sonst umgeben und einflüstern, sind angekettet. Der Prophet sagte: „Wenn der Ramadan kommt, werden die Tore des Gartens geöffnet, die To­re zum Feuer geschlossen und die Teufel angekettet.“ Wir kämpfen nicht länger gegen eine wilde Strömung an, sondern sie ist im Ramadan mit uns und wir lassen uns vorwärts treiben.

Der Ramadan ist die Zeit für großzügi­ges Geben. Dies ist die Zeit, unseren Brüdern zu vergeben und getrennte Beziehungen wiederherzustellen. Dies ist die Zeit, unsere Häuser mit Gästen zu ­füllen und mit ihnen unser Essen zu teilen. „Und er wird die gleiche Belohnung erhalten wie derjenige, dem er etwas zu essen gibt, ohne das sich seine Belohnung auch nur verringert werden würde“, ­sagte der Gesandte Allahs am Ende seiner Khutba. Allah sagt in Seinem Majestätischen Buch: „Was aber jemanden angeht, der den Stand seines Herrn gefürchtet und seiner Seele die (bösen) Neigungen untersagt hat, wird der (Paradies-)Garten sein Zufluchtsort sein.“ (An-Naziat, 40-41)

Zu einem echten Fasten gehört mehr als der Verzicht auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Sie sind Leidenschaften von nur zwei der sieben Körperglieder – des Magens und der Schamteile. Hinzu kommt das Vermeiden der Sehnsüchte und falschen Handlungen des Restes – Zunge, Augen, Ohren, Hände und Füße. Im Negativfall mag das Fasten einer Person formalrechtlich annehmbar sein, aber es ist nutzlos und sie kriegen keine Belohnung. Über ­solche Menschen sagte der Prophet, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Viele bekommen von ihrem Fasten nichts als Hunger und Durst. Und ­viele, die nachts beten, erhalten nichts als Müdig­keit und Schlaflosigkeit.“ ­Welchen Nutzen soll es haben, sich ansonsten erlaub­ten Dingen zu enthalten, während man Sachen macht, die normalerweise untersagt sind? Laut Imam Al-Ghazali sei dies wie der Bau eines Palastes, während man eine Stadt zerstört.

Eine andere prophetische Aussage bekräftigt diesen Aspekt: „Wenn jemand nicht von falschem Zeugnis oder einer falschen Handlung ablässt, dann nimmt Allah seine Enthaltung von Essen oder Trinken nicht an.“ Das heißt, dass sein Fasten bedeutungslos ist. Und Dschabir ibn Abdallah sagte: „Übt mit euren Ohren, Augen und eurer Zunge Enthalt­samkeit von der Lüge, vom Verbotenen und von verbotenen Blicken, wenn ihr fastet. Stört und schädigt eure Nachbarn nicht und seid friedlich.“ Echtes Fasten besteht in der Kontrolle der Körperglieder, seiner Reaktionen und Leidenschaf­ten. Echtes Fasten besteht in der Enthalt­samkeit von allem, was Allah uns verbo­ten hat.­

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Habib Bewley

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