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Der Gesandte Allahs und was sich aus seiner Abschiedspredigt lernen lässt. Von Misbah Arshad

Vermächtnis an die Muslime

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(iz). Der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wurde im Jahre 570 nach der christlichen Zeitrechnung in Mekka geboren. Im Alter von 40 Jahren erhielt er die erste Offenbarung von Allah und sollte im Auftrag Allahs die Menschheit zum Geraden Weg führen und sie zur Rechtleitung rufen.

Gewöhnlich trugen im Monat ­Ramadan der Engel Dschibril [Gabriel] und der Prophet sich gegenseitig den Qur’an vor, um zu gewährleisten, dass dem Propheten von der Offenbarung nichts entfallen war. Im Jahre 10 nach der Hidschra (632 laut christlicher ­Zeitrechnung) rezitierte der Engel jedoch zwei Mal mit den Propheten den Qur’an. Aufgrund dieser Begebenheit war dem Propheten klar, dass er bald sterben würde.

Im Monat der Pilgerfahrt des gleichen Jahres gab er bekannt, dass er selbst jene Hadsch leiten werde. Und so kamen große Menschenmengen aus allen Richtungen in Mekka zusammen, um sich von dem Propheten Muhammad bei dieser Wallfahrt führen zu lassen. Jene Abschiedswallfahrt hat sich als eines der bedeutenden historischen Ereignisse eingeprägt, denn es war die erste und letzte Pilgerfahrt des Propheten, wodurch sie auch als Beispiel für die Verrichtung der fünften Säule des Islam, der Hadsch, dient.

Während dieser Pilgerfahrt hielt er auf dem Berg ‘Arafat eine Predigt an die Muslime, die als „Abschiedspredigt“ bekannt wurde. Dabei waren hundertzwanzigtausend Muslime aus allen Teilen Arabiens anwesend. Diese Predigt – 23 Jahre nach der ersten Offenbarung des Qur’an – berührt die wichtigsten Rechte, die Allah über die Menschheit und die die Menschen zueinander besitzen. Danach kehrte er nach Medina zurück und erkrankte kurze Zeit später im Alter von 63 Jahren. Er litt unter starken Schmerzen und wurde bald so schwach, dass er nicht mehr ohne Hilfe gehen konnte. Im Jahre 632 [nach christlicher Zeitrechnung] verstarb der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, in Medina.

Jene Abschiedspredigt beginnt mit der Lobpreisung Allahs, in der die elementaren Glaubensgrundlagen erwähnt werden. Danach wandte sich der Prophet an die versammelte Gemeinschaft der Muslime. Er erinnerte an die gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen, die der Islam mit sich brachte und warnte vor einem Rückfall in die vorislamische Zeit, die auch als „Unwissenheit“ (Dschahilija) bezeichnet wird.

Der Prophet richtete sich mit folgenden Worten an die Menge: „Oh ihr Leute, hört auf meine Worte; denn ich glaube nicht, dass ich und ihr wieder in einer solchen Versammlung zusammenkommen werden und dass ich nach diesem Jahr noch eine Pilgerfahrt machen werde.“

Er rezitierte Vers 13 der Sure 49, in dem Allah sagt, dass er den Menschen aus einem Männlichen und einem Weiblichen erschaffen hat und sie zu Völkern und Stämmen gemacht hat. Dieser Vers hebt die Gleichheit und die Verwandtschaft der Menschen hervor. Der eben genannte Vers endet mit der Aussage, dass der Edelste bei Allah derjenige ist, der bei Allah die meiste Taqwa [das furchtsame Bewusstsein von der permanenten Anwesenheit Allahs, aus dem sich ein entsprechendes Verhalten ableitet] hat. Der Prophet griff diese Aussage des Qur’an auf und erläuterte, dass ein Araber nicht besser als ein Nichtaraber ist und ein Weißer nicht besser als ein Schwarzer. Das einzige Maß, wonach der Mensch bewertet werden kann, ist sein rechtes Handeln und sein Glaube. Dies ist maßgeblich bei Allah.

Ein weiterer Aspekt, dem der Prophet eine Absage erteilt, ist der Fakt, dass kein Volk eine Monopolstellung in Bezug auf seinen Glauben genießt. Obwohl der Qur’an auf Arabisch herabgesandt wurde, sollten die Araber nicht davon ausgehen, dass ihr Volk aufgrund dessen bei Allah als bevorzugt gilt.

Nachdem der Prophet die Gleichheit aller Menschen betonte, hob er jegliche Stammesprivilegien, die aufgrund der Abstammung oder des Vermögens bestanden hatten, auf und wandte sich dabei an die Quraisch; jenem Stamm, dem er selbst angehörte. Ein Sonderrecht, das im Dienste der Allgemeinheit steht, ließ er weiterhin gelten: Es handelte sich dabei um die Aufsicht über die Ka’aba und der Wasserversorgung der Pilger. Diese Aufgaben wurden seitdem bis in die Gegenwart von Generation zu Generation von derselben Familie durchgeführt.

Traditionen, die sich gegen die islamische Moral und Ethik richteten, hob der Gesandte Allahs ebenfalls auf. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang die Blutrache und Wucherzinsen. Des Weiteren erklärte er das Leben des Menschen und sein Eigentum für unantastbar; zwei wesentliche Elemente der heutigen Menschenrechte. Anschließend betonte der Prophet, dass die Menschen ihren Herrn treffen werden und dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

Ebenfalls ging der Prophet auf die gegenseitige Verpflichtung der Ehepartner ein. Zuerst werden die Pflichten der Frau erwähnt. Anschließend ermahnte der Prophet die Männer, dass sie ihre Frauen gut behandeln und freundlich zu ihnen sein sollen, denn sie sind ihre Helfer. Diese Absätze der Abschiedspredigt und auch entsprechende Qur’anverse stoßen auf viel Kritik. Nicht wenige deklarieren deswegen den Islam als „patriarchalisch“ und „frauenfeindlich“. Jedoch finden sich auf der anderen Seite zahlreiche Hadithe und Qur’anverse, die das Gegenteil bezeugen. Allein der letzte Abschnitt in Bezug auf die Rechte und Pflichten zwischen Mann und Frau weist daraufhin, dass die Männer einen guten Umgang mit ihren Frauen pflegen sollen.

Ein weiterer Aspekt, der in der Predigt erwähnt wurde, ist die Selbstverantwortlichkeit des Menschen. Die Schuld für das Verbrechen eines Vaters kann nicht auf dessen Kind übertragen werden. Damit wird eine eindeutige Absage an der Vererbbarkeit von Schuld und so auch der Erbsünde erteilt.

Der Prophet betonte sodann den Zusammenhalt unter den Muslimen. Anschließend erwähnt er, dass es nach dem Gesandten Allahs keinen Propheten mehr geben werde und bekräftigte damit seine Eigenschaft als das „Siegel der Propheten“. Anschließend kommt eine Aussage, die hier zitiert werden soll: „Und ich habe euch etwas hinterlassen, wodurch ihr in der Folge nie mehr in die Irre gehen werdet, wenn ihr euch daran haltet: Das Buch Allahs.“

Nach Angaben des modernen Publizisten Martin Lings, der eine Propheten-Biografie veröffentlichte, erhielt der Gesandte Allahs in diesem Augenblick eine Offenbarung. Diese Offenbarung trug er seinen Anhängern vor und sie sollte den Qur’an vervollständigen, denn sie war der letzte Abschnitt, der verkündet wurde. Es handelt sich dabei um Sure 5 Vers 3: „Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt.“

Kurz vor Ende der Predigt wurden vom Gesandten Allahs die übrigen vier Säulen des Islam aufgeführt: das Pflichtgebet, das Fasten im Monat Ramadan, die Pflichtabgabe und die Pilgerfahrt nach Mekka. Anschließend folgt eine Aufforderung zur Verkündigung der Predigt, an diejenigen, die abwesend sind. Damit wird auch im Generellen eine Aufforderung zur Überlieferung des Glaubens angesprochen.

Seine Predigt beendet der Prophet mit der ernsten Frage an seine Gesandtschaft, ob er die Botschaft an sie getreulich überbracht hat. Die ganze Menge sprach auf und stimmte dem Propheten zu. Daraufhin erhob er seinen Zeigefinger gen Himmel und sprach: „Allah, sei mein Zeuge.“

Diese prophetische Abschiedspredigt war nicht nur eine Erinnerung, sondern auch eine wichtige Ermahnung für seine Gemeinde und kennzeichnete das Ende seines Auftrags als Gesandter Allahs. Der Solidarität einzelner Stämme wird die Solidarität der Gemeinde, die aus der Verpflichtung des Einzelnen gegenüber Allah ihre Sanktion erhält, entgegen gehalten. Grundrechte, wie die Menschenwürde und das Recht auf Leben, finden hier ihre Erwähnung.

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