Der Gesandte Allahs unterrichtete die Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten. Von Schaikh Muhammad Al Kassbi

Ausgabe 200

(iz). Allah sandte Seinen Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden ­geben, und offenbarte ihm den Qur’an, damit die Menschen mit ihrem ­Schöpfer vereint würden, um sie die korrekte Form der Anbetung zu lehren. Er ­über­mittelte ihnen den Qur’an, ­reinigte ihre Nafs (Egos), zeigte ihnen alles Gute, damit sie ihm folgen und er zeigte ihnen alles Schlechte, damit sie sich davon fernhielten.

Allah sagt: „Er ist es, Der unter den Analphabeten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zu reinigen und sie das Buch und die Weisheit zu lehren, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden.“ (Dschum’ua, 2)

Der Gesandte Allahs wies seine Gefähr­ten darauf hin, dass die Absicht der Ursprung jeder Handlung ist. Sie ist die erste Bedingung, weswegen eine Handlung (von Allah) angenommen wird. Der Prophet sagte: „Handlungen geschehen aufgrund von Absichten, und jeder Mann bekommt das Ergebnis seiner Absicht; wer sein Land verlässt, um etwas aus dieser Welt zu erhalten oder um eine Frau zu heiraten, dessen Auswanderung gilt dem, wofür er auszog.“ Er behandelte seine Gefährten auf die allerbeste Art und Weise; wie ein Vater seine geliebten Kinder behandelt.

Der Gesandte Allahs sagte: „Ich bin für euch wie ein Vater mit seinen Kindern ist; ich lehre euch.“ (Abu Dawud) Wenn er sich an sie wandte, bedachte er stets die Eigenheiten eines jeden; er lehrte einen jeden das, was er brauchte. ‘Ali Ibn Abi Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, beschrieb es folgenderma­ßen, als er sagte: „Er sprach mit den Leuten entsprechend ihres Aufnahmevermögens. Wollt ihr, dass man über Allah und Seinen Gesandten Lügen verbreitet?“

Das heißt: Wendet euch an die Menschen in der Sprache, in der sie euch verstehen; lehrt sie nichts, das sie aufgrund ihres fehlenden Verständnisses nicht verstehen können. Das Verständnis und die Erkenntnisfähigkeit der Menschen sind verschieden. Womöglich hilft eine ­Sache einem Menschen, während sie einem anderen nicht hilft. Manche Aspekte ­nützen an einem bestimmten Ort, während sie es an einem anderen Ort tun.

Der Gesandte Muhammad, Allah bedecke ihn mit Segnungen, war zurückhal­tend in seinen Anforderungen, damit seine Gefährten nicht mutlos wurden. Er brachte sie zum richtigen Zeitpunkt vor; andernfalls hätten sie nichts verstanden und keinen Nutzen gehabt. Jeden ­Donnerstag unterrichtete ‘Abdullah Ibn Mas’ud die Menschen. Ein Mann sprach einmal zu ihm: „Oh Abu Abdurrahman, ich wünschte, du würdest uns jeden Tag unterrichten.“ Er entgegnete: „Das einzi­ge, was mich davon abhält, ist die Furcht, dass es euch zu viel werden könnte und ihr die Hoffnung verliert. Ich unterrichte euch auf leicht verständliche Art und Weise, wie es der Gesandte gemacht hat, weil ich fürchte euch zu überfordern und so nicht mehr verstanden werden könnte.“ (Bukhari und Muslim)

Aufgrund dieser Art der Lehre ­erhielten die Prophetengefährten die beste Erziehung. Sie wurden zu den Besten was die Anbetung Allahs, den Charakter und das Verhalten angeht. Sie mieden Abweichung, folgten der Rechtleitung und verwandelten ihre Ignoranz in Wissen. Sie erfüllten die das Leben dieser Welt mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, mit Wissen und Weisheit. Sie eroberten die Herzen, bevor sie Länder gewannen.

Ein Beispiel war ‘Umar ibn Al-Khattab. Vor seiner Annahme des Islam war er einer der schärfsten und erbittertsten Feinde der Muslime gewesen, ein Götzenan­beter und regelmäßiger Trinker, der die Schwächsten angriff und ausnutzte. Doch als er den Islam annahm, veränderte sich sein ganzes Leben und er verwandelte sich in eine Person, die Allah und ­Seinen Gesandten am meisten liebte. Als die Zeit Auswanderung nach Medina kam, ­zogen alle Muslime während der Nacht los, denn sie fürchteten gefangen genommen zu werden. ‘Umar jedoch nahm sein Schwert, band es sich um und machte sieben Mal den Tawaf (Umrundung der Ka’ba) und betete zwei Raka’t. Danach erregte er die Aufmerksamkeit der Quraisch, die sich in der Nähe der Ka’ba befan­den, und sagte ihnen: „Wer seiner Mutter den Sohn, wer dem Sohn den Vater und seiner Frau den Mann ­nehmen will, der komme mit mir auf die andere Seite dieses Tals.“ Niemand folgte ihm. Das war ‘Umar ibn Al-Khattab, einer der vielen Gefährten, die ihr Leben ­änderten, nachdem sie die Lehre und Erziehung des Gesandten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, empfangen hatten.

Ein anderes Beispiel dafür, wie die Prophetengefährten sich veränderten, finden wir in der Dichterin Al-Khansa.

Wir fragen uns: Wer oder was ließ den alten ‘Umar zurück und schuf den neuen ‘Umar? Wer veränderte Khansa, die nach dem Tode ihres Halbbruders untröstlich und eine Gefangene des Schmerzes war, später, nach dem Tode all ihrer Kinder, jedoch geduldig und standhaft blieb? Und von solchen Menschen finden wir wirklich viele unter den Sahaba (Prophetengefährten). Sicherlich war es nichts anderes als der Gesandte und die Unterweisung des Qur’an, die das Herz eines Menschen ergreifen und ihn von einem Zustand zum anderen gelangen lassen, was seinen Glauben, sein Verhalten und seinen Umgang mit anderen Menschen angeht.

Im Din des Islam erhielt die Erziehung der Nafs und des Charakters den ­Vorzug vor dem Erwerb von Wissen und Wissen­schaften. Allah sagt in jener Vers, den wir zu Beginn erwähnten: „um… sie zu reinigen und sie das Buch und die ­Weisheit zu lehren“. Die Reinigung, das heißt die Erziehung der Triebseele und des Charakters kommt vor dem Wissenserwerb.

Hätte man die Wahl zwischen einer verdorbenen Person mit großem Wissen und einer anderen Person mit geringem Wissen aber von edlem Charakter, so müsste man dem edlen Charakter den Vorzug geben, auch wenn sein Wissen gering wäre. Ein verdorbener Charakter lässt die Früchte des Wissens verderben und macht jenen Wissenden gefährlicher als den Unwissenden.

Der Muslim muss sich mit der Reinigung seiner Nafs, mit der Reinigung von allem Schlechten befassen, damit er danach alles denkbar Gute aufnehmen kann. Bevor man sich ankleiden kann, muss man zuvor ausgezogen sein. Der beste Zugang des Muslim zur Reinigung seiner Nafs, das beste, was er für die Erzie­hung seiner Kinder tun kann, ist die Liebe zum Gesandten Allahs, denn sie bringt sie dazu, seiner Sunna (der ­Lebenspraxis Muhammads) zu folgen und ihn in seinem Wesen nachzuahmen. Der Gesand­te Allahs, Allah bedecke ihn mit Segnun­gen, sagte: „Erzieht eure Kinder zu drei Dingen: Dass sie euren Gesandten lieben, dass sie die Nachkommen (des Propheten) lieben und dass sie den Qur’an lieben.“ (Tabarani)