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Der Ramadan belebt immer wieder aufs Neue. Von Yasin Alder

Ausrichtung auf das Wesentliche

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(iz). Wie jedes Jahr haben sich die Muslime auf ihn gefreut, nun ist er wieder da: Der gesegnete Fastenmonat Ramadan. Diese ganz besondere Zeit ist immer wieder ein unvergleichliches Erlebnis. Im Ramadan verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf jegliche Nahrungsaufnahme, Getränke, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Der Fastende konzentriert sich in diesem Monat besonders auf die Anbetung Allahs, wie zum Beispiel in den allabendlichen Tarawih-Gebeten in den Moscheen, die auch aufgrund ihrer gemeinschaftlichen Atmosphäre etwas ganz besonderes sind, oder auch durch eigene freiwilige Gebete, Qur’an-Rezitation und Dhikr. Gleichzeitig achtet man besonders genau auf sein Verhalten, enthält sich jeglicher Streitigkeiten, übler Nachrede und allgemein allem, was einen von der Konzentration auf Allah ablenkt, und achtet darauf, großzügig und freigiebig zu sein. Das sollte nicht nur im Ramadan so sein, sondern möglichst immer, aber eben gerade auch im Fastenmonat.

Diese Konzentration auf das Wesentliche hilft immer wieder, sich auf Allah auszurichten und die Prioritäten im Leben wieder zurechtzurücken, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Auch lernt man den Segen der Versorgung durch Allah durch Fasten und Fas­tenbrechen mehr zu schätzen und dafür dankbar zu sein, und entfernt sich gleichzeitig von gedankenlosem Konsum.

Allah sagt im Qur’an: „O, die ihr Iman [Vertrauen in Allah] habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Taqwa [Furcht und Respekt vor Allah in jedem Augenblick, die das gesamte Verhalten beeinflusst] habt. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise be­findet, soll eine Anzahl anderer Tage [fasten]. Und denen, die es mit großer Mühe ­ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es [nur] wüsstet! Der Monat ­Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herab ­gesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage [fasten] – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist ­vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.“ (Al-Baqara, 183-185)

Der Sinn des Fastens wird auch in der folgenden Überlieferung vom Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, deutlich: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen [hier gibt der Prophet Worte von Allah wieder]. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder obszön noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“ Im Ramadan ist auch das soziale Leben, die Gemeinschaftlichkeit und der innere Zusammenhalt der Muslime besonders spürbar, auch hierzulande, wo Muslime innerhalb der Gesamtgesellschaft eine Minderheit darstellen. In den Familien, in den Moscheen und überall wo Muslime sich begegnen, bekommt man dies mit. Das abendliche Fastenbrechen innerhalb der Familie, mit Gästen oder als Gast, oder auch in den Moscheen und anderswo im Kreise anderer Muslime, hat immer wieder eine besondere Atmosphäre. In nichtmuslimischen Medien wird immer wieder thematisiert, dass an den Abenden des Ramadan besonders ausgiebig „geschlemmt“ werde und es in vielen muslimischen Ländern (und wahrscheinlich leider auch in Deutschland) nicht wenige Menschen gebe, die im Ramadan sogar noch an Gewicht zunähmen. Bewusste Muslime, die den eigentlichen Sinn des Ramadan kennen, berührt dies eher peinlich, widerspricht dies doch dem Sinn und der eigentlichen Erfahrung des Ramadan. Der authentischen islamischen Tradition nach ist das Mahl zum Fastenbrechen sowieso eher bescheiden. Nach dem Essen sollte es zum Tarawih-Gebet gehen. Die Abende statt dessen in Lokalen oder vor dem Fernseher zu verbringen, ist hingegen nicht Sinn der Sache.

Die Einladungen gehen auf einen Ausspruch des Gesandten Allahs zurück, in dem er sagt: „Wer immer einem Fastenden etwas gibt, mit dem er sein Fasten brechen kann, erhält die gleiche Belohnung, ohne dass dies die Belohnung des Fastenden in irgend einer Weise verringern würde.“ Bei aller Annehmlichkeit und Wichtigkeit des sozialen Zusammenkommens etwa bei privaten Einladungen zum Fastenbrechen sollten jedoch darüber nicht die Handlungen der Anbetung, wie das Tarawih beispielsweise, vergessen werden, und die spirituelle Konzentration auf Allah. Auch zu viel Aufwand zu betreiben, zum Beispiel viele Stunden in der Küche zuzubringen oder mit Einkäufen für das Essen, ist nicht zu empfehlen – sonst dreht sich irgendwann der ganze Tagesablauf nur noch um das abendliche Essen und seine Zubereitung. Daher braucht es auch Phasen des Rückzugs und der gänzlichen Konzentration auf Gebet, Qur’an-Rezitation und Dhikr, und insbesondere in den letzten zehn Tagen des Ramadan ist dies Sunna.

Der Sunna des Gesandten nach soll man das Fasten morgens so spät wie möglich vor Beginn der Morgendämmerung beginnen und dabei den kleinen morgendlichen Imbiss, Sahur, nicht auslassen, sowie das Fasten zügig brechen, sobald die Zeit des beginnenden Sonnenuntergangs und damit des Maghrib-Gebetes gekommen ist. Nach dem Gebetsruf isst man der Sunna gemäß zunächst eine Dattel und trinkt einen Schluck Wasser oder Milch, und sagt dazu den überlieferten Ausspruch: „O Allah, um Deinetwillen habe ich gefastet und an Dich geglaubt und mit Deiner Versorgung breche ich das Fasten. Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Gnädigen“ vorausgeht. Nach dem Gebet folgt dann das eigentliche gemeinsame Abendessen.

Der Ramadan ist vor allem auch der Monat des Qur’an, was auch einer seiner Namen ist, und soll vor allem der Rezitation und dem Studium der Offenbarung dienen. „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung.“ (Al-Baqara, 185)

Viele Muslime bemühen sich, den Qur’an während des Ramadan mindestens einmal durchzulesen beziehungsweise zu rezitieren, indem idealerweise ein Dreißigstel des Qur’an pro Tag rezitiert wird. Auch bei den Tarawih-Gebeten in den Moscheen wird dies oft so gehalten, und wer Arabisch versteht, kann so Abend für Abend der Rezitation des ganzen Qur’an zuhören. Auch wer den Qur’an nur rezitieren, das Arabische aber nicht verstehen kann, sollte dies dennoch tun, weil es immensen Segen in sich birgt, und kann dazu noch eine Übertragung der Bedeutung studieren. Wer kein Arabisch lesen kann, sollte dennoch eine Übertragung lesen. Viele große Gelehrte des Islam haben es auch so gehalten, dass sie im Ramadan alle anderen Lehrbereiche unterbrochen und sich ausschließlich dem Qur’an gewidmet haben.

Das Ende des Ramadans wird mit einem Festtag, dem ‘Id Al-Fitr, und einem Festgebet in feierlicher Stimmung am ersten Tag des darauffolgenden Monats begangen. Zu keiner anderen Zeit sind die Moscheen so voll wie bei den Festgebeten, denn zum Festgebet geht die ganze Familie.

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