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Der Schmerz ging tief

Deutsche Reaktionen auf den Terror in Neuseeland

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Foto: Zentralrat der Muslime, Facebook

(iz). Am Samstag, den 16. März protestieren Tausende in mehreren deutschen Städten gegen Rassismus. Allein in Berlin sollen nach einem Aufruf des Bündnisses Aufstehen gegen Rassismus mehrere tausend Demonstranten durch Berlin gezogen sein. Juso-Chef Kühnert rief in Chemnitz zu einem mutigeren Kampf gegen Rassismus auf. Die vielen Veranstaltungen der Internationalen Woche gegen Rassismus (vom 10. bis 23. März) standen unter dem Eindruck des mörderischen Terroranschlags auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch, bei dem mindestens 50 Menschen ums Leben kamen und unzählige verletzt wurden.

„Wir sind als Muslime dankbar für die vielen großen und kleinen Zeichen des Mitgefühls – denn sie zeigen, was wir alle rund um den Globus brauchen: das menschliche Miteinander in gegenseitiger Achtung und Zuneigung, und das gemeinsame, entschiedene Eintreten gegen jene, die mit ihrem Tun die Welt ­vernichten, wenn wir sie nicht aufhalten“, ­erklärte Imam Dr. Benjamin Idriz von der Isla­mischen Gemeinde Penzberg und vom Münchner Forum für Islam. Seine Aussagen stehen stellvertretend für die Wahrnehmungen vieler deutscher Muslime.

„Es ist eindeutig, es ist bezeichnend und es ist gezielt: Muslime einzeln, in Gruppen, im öffentlichen und nichtöffentlichen Raum anzugreifen, nonverbal und verbal zu attackieren“, erklärte die Lehrerin Fereshta Ludin bei dem Berliner Marsch. Wer diesen rassistischen und antimuslimischen Rassismus, Hass und Morde nicht sehen wolle und schweigend diese Anfeindungen hinnehme, mache sich mitverantwortlich. „Wir können und dürfen -weder Zuschauer, noch Beobachter sein. Wir sind zur Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit verpflichtet.“

Mit Alltagsdiskriminierung fange Missgunst, Hass, Angst und Feindseligkeit an. Empathie und Achtsamkeit seien gefragt. Zitate wie „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern“ entfremdeten einen Teil der Gesellschaft, „der hierher gehört und sich dazugehörig fühlt“. Diese und viele weitere Demütigungen, diskri­minierende Äußerungen, Drohungen und verbale Attacken seien junge, erwachsene und ältere Muslimas in Berlin und in ganz Deutschland tagtäglich und in immer stärker zunehmendem Maße ausgesetzt.

Der Extremismusforscher Hajo Funke sieht, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, das entsprechende ideologische Millieu der Rechten als in „einer ideologischen Blase“ befindlich. Es bewege sich in einer Blase, wonach Muslime in ihren Ländern den Plan hätten, „die weiße Rasse“ zu zerstören. Hier ist für Funke der Staat gefordert. Einerseits heiße das, Deutschland müsse auf das Grundgesetz verweisen, „das allen das Kerngrundrecht auf Menschenrecht zuweist“. Andererseits sei eine größere Aufmerksamkeit der Sicherheitsapparate in dieser Hinsicht gefordert. „Die AfD soll aufhören, Islamophobie und Islamhass“ zu betreiben, forderte der Forscher.

Der Philosoph Daniel-Pascal Zorn sieht im verbindenden, rechtsextremen Narrativ vom „großen Austausch“, das auch den australischen Terroristen angetrieben hat, eine extremistische Wahnvorstellung. Sein Ziel sei Bürgerkrieg, „denn Chaos ist eine Leiter“. Es sei zukünftig wichtig, diese Vorstellungen mit den Zuschreibungen „faschistisch“ und „rechts­extrem“ zu versehen. An ihm würden nach Ansicht Zorns „nicht nur Faschisten“ mitarbeiten. Er bezog sich hier auch auf den Autor Sarrazin sowie „alternative Medien“, Trump, aber auch „etablierte Medien“ wie die BILD oder den SPIEGEL. „Sie alle haben zu diesem Narrativ beigetragen oder tragen heute noch dazu bei.“

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Ali Kocaman

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