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Der Wahlberliner und ­Veteran des deutschen Sprechgesangs über sein neues Album, Freiheit und sein Publikum

Musa: ­Jenseits vom Ghetto

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„Es gibt, so glaube ich, keinen Rapper in Deutschland, der wie ich zum Islam konvertiert ist und trotzdem ‘klassischen’ Rap auf hohem Niveau macht. Es gibt Rapper wie Ammar, die sich aber inhaltlich nur an Muslime wenden und von Nichtmuslimen gar nicht verstanden werden können, da sehr viele arabische Begrifflichkeiten verwendet werden und die Codierung quasi rein muslimisch ist.“

(iz). „Bist Du frei, oder glaubst es nur zu sein?“ Diese, und andere Fragen stellt Musa auf seiner neuen CD „Ghetto in Dir“. Und er gibt Antworten. Der Wahlberliner, Sounddesigner und deutsche Muslim hat sich mit Hilfe des „Beatmakers“ Quendolin Fender Zeit gelassen, ein rundes Album vorzu­legen, bei dem sich die Texte und die Musik gegenseitig stützen und eine Einheit bilden.

Im Interview spricht er über seine Beziehung zur Musik, was sie für ihn bedeutet und warum das Thema des „Ghettos“ ganz besonders wichtig ist. Obwohl Musa gerne auch vor muslimischen Zuhörern auftritt, möchte er sein Publikum nicht auf den „islamischen Pop“ mit seinen allzu eingängigen Naschids verengt wissen. „Ich hatte nie den Anspruch, ‘islamischen Rap’ zu machen aber meine Identität als Muslim ist mit sehr wichtig und daher kommt das auch in meinen Texten vor.“

Islamische Zeitung: Lieber Musa, folgender Satz findet sich über Dein neues Album („Ghetto in Dir”, zu beziehen über iTunes oder Amazon) im Internet: „Musa – so nennt sich der Mann, der Hip Hop mit einem alten Airmax vergleicht, aus dem die Luft raus ist! Doch er trägt diesen Schuh schon fast 15 Jahre lang und das noch immer sehr gerne.“ Was fasziniert Dich nach Deiner langen Zeit immer noch an Musik? Für Dich gibt es keine Altersgrenze dabei?

Musa: Rap ist eben eine Leidenschaft, die mich nicht loslässt! Ich finde nicht, dass es dabei eine Altersgrenze gibt, denn solange man noch etwas mitzuteilen hat, ist es legitim und sinnvoll. Ich verstehe das Machen von Musik als einen lebensbegleitenden Prozess. Und mit neuen Er­fahrungen kann man neue Lieder ma­chen; oder ein Thema, dass man schon einmal behandelt hat, aus einer ­anderen Perspektive schildern.

Islamische Zeitung: Wie bist Du zur Musik gekommen und welchen Stellenwert nimmt sie heute für Dich ein?

Musa: Ich habe über das Freestyle-Rappen zur Musik gefunden. Man im­provisiert einen Text aus dem Stehgreif. Dieser Sache habe ich mich in der Vergangenheit sehr, sehr intensiv gewidmet und so eine Fertigkeit entwickelt von der ich heute noch zehren kann! Früher wollte ich Musik immer zu meinem Beruf machen. Heute habe ich einen tollen Job als Sounddesigner und kann meinen Lebensunterhalt mit meiner zweiten ­gro­ßen Leidenschaft bestreiten: der Ton­tech­­nik. Das Rappen mach ich quasi nebenbei, als Hobby. Aber für mich funktioniert das auf einer „kreativen“ Ebene sogar besser, denn so habe ich keinen Schaffensdruck.

Islamische Zeitung: In welchem Verhältnis stehen für Dich die Inhalte ­Deines Raps und die begleitende Musik? Kann man sie nur als Einheit verstehen?

Musa: Das eine gehört zum anderen und bedingt sich gegenseitig. Ich hätte nicht so viel Spaß daran, Acapella, also ohne Beats, zu rappen. Mit Quendolin Fender habe ich einen super guten Beatmaker gefunden, den ich auch zu ­meinen Freunden zählen darf. Es war eine sehr intensive und tolle Zusammenarbeit. Innerhalb von drei Jahren ist „Ghetto in Dir“ gereift. Jetzt sind wir froh, dass es endlich ein fertiges Werk ist!

Islamische Zeitung: „Mach das Ghetto um dich rum nicht zum Ghetto in Dir – Lass dich nicht ghettoisieren – Lass das Ghetto krepieren!”, so heißt es in einem Stück. Hast Du eine Botschaft mit Deiner neuen CD? Wenn ja, welche?

Musa: Das ist meine zentrale Botschaft. Darum habe ich auch die Platte so genannt. Ich finde es schrecklich, dass im Rap diese Ghetto-Attitüde so hochgehalten wird, denn die Kids verinnerlichen dieses Lebensgefühlt und machen es zu einer Realität. Diese Realität ist dann das Ghetto, obwohl im Falle Berlins Kreuzberg, Neukölln und Wedding nicht zwingend Ghettos sein müssen.

Man kann hier viel machen und viel erreichen. Wenn man aber davon ausgeht, in einer Sackgasse zu stecken, ­findet man vielleicht nur schwer einen Ausweg. Man sollte das Leben als eine Chance verstehen etwas bewegen zu können! Und genau das wird durch „Ghetto-Verliebtheit“ verhindert! Ich wünsche mir für die Kids, dass sie das erkennen und sich andere Menschen zu Vorbildern nehmen. Diejenigen, die sie zum Stillstand animieren, haben meiner Meinung nach nichts Positives zu bieten.

Islamische Zeitung: An anderer Stelle sprichst Du über „Freiheit“. Welchen Stellenwert hat sie für Dich?

Musa: Freiheit ist Elementar. Doch wie wird Freiheit heute verstanden? Ich stelle diese Fragen in meinem Song. Leider muss ich feststellen, dass unsere Freiheit auf unsere Kaufkraft reduziert wurde. Du bist, was Du dir leisten kannst! Und solange du brav deine Raten bezahlst, bist du frei… Für mich ist Freiheit ein Gefühl, das mich innerlich ausfüllt.

Islamische Zeitung: Jede Sub-Kultur beziehungsweise Szene hat ihre ungeschriebenen Regeln, Codes und Inhalte. Gibt es hier Dinge, die Dich von anderen Künstlern auf dem Gebiet unterscheiden?

Musa: Es gibt, so glaube ich, keinen Rapper in Deutschland, der wie ich zum Islam konvertiert ist und trotzdem „klassischen“ Rap auf hohem Niveau macht. Es gibt Rapper wie Ammar, die sich aber inhaltlich nur an Muslime wenden und von Nichtmuslimen gar nicht verstanden werden können, da sehr viele arabische Begrifflichkeiten verwendet werden und die Codierung quasi rein muslimisch ist. Meine Texte richten sich an alle Menschen und können auch ohne islamisches Hintergrundwissen verstanden werden. Ich hatte nie den Anspruch, „islamischen Rap“ zu machen aber meine Identität als Muslim ist mit sehr wichtig und daher kommt das auch in meinen Texten vor. So gibt es Leute, die das eher abturnt, weil sie „religiöse“ Inhalte in Musik generell ablehnen. Aber ich habe das Gefühl, dass die meisten meiner Hörer verstehen, dass es mir nur darum geht auszu­drü­cken, was ich denke und fühle und genau das auch wertschätzen. Daher spielt es dann nicht so eine große Rolle, wenn ich sage: „Es fühlt sich gut an, ein Muslim zu sein…“

Islamische Zeitung: Als deutscher Muslim lebst Du im Schmelztiegel Berlin. In welchem Verhältnis steht Deine Religion zu Deiner Kunst. Machst Du „muslimischen HipHop“ oder begreifst Du Dich als HipHopper, der halt auch Muslim ist?

Musa: Ich verstehe mich als Muslim, der rappt, das ist ganz klar. Genauso bin ich zuerst Muslim und dann Deutscher! Ich möchte Allah mit allem dienen, was er mir an Energie, Talent und Lebenszeit gegeben hat. Alles andere macht für mich keinen Sinn mehr, denn am Ende werden wir sterben und zu Allah zurückkehren. Dann wird es mir nichts ­bringen, wenn ich sagen kann, ich habe mein Leben dem Hipp Hop gewidmet!

Islamische Zeitung: Seit Jahren ist die „islamische Popkultur/Pop-Islam“ ein gegenwärtiges Thema. Könntest Du Dir vorstellen, häufiger in muslimischen Kreisen aufzutreten?

Musa: Liebend gerne würde ich öfter für Muslime spielen, doch leider habe ich das Gefühl, dass die Community sich dem Ganzen eher verschließt. Man fragt sich dann vielleicht: Ist das denn „islamisch“ genug? Er sagt ja nicht in jedem zweiten Satz „Alhamdulillah“ und „La ilaha ill Allah“! Die Muslime sind an ­Nasheed-Gesänge gewöhnt und haben meiner Meinung nach noch nicht auf dem Schirm, dass die Kids auf der Straße Rap hören, der ihnen schadet und sie vom Islam entfernt.

Ein Rapper, der zum Guten aufruft, eine islamische Identität hat und diese auch verkörpert, sollte innerhalb der mus­limischen Gemeinde mehr Un­ter­stützung bekommen. Aber ich kann verste­hen, dass das manchen einfach schwerfällt, da es eben fremd für sie ist. Aber es gibt trotzdem schon viele ­Brüder und Schwestern, die das verstanden ha­ben und sich deshalb für mich ­einsetzen, sodass ich eben doch bei der ­Islamwoche, beim Muslim-Cup oder beim MJD-Meeting spielen kann. Bitte mehr davon!

Islamische Zeitung: Lieber Musa, vielen Dank für das Interview.

Webseite: musamusik.de

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