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Der Zustand der nächsten muslimischen Generationen hängt auch von den Gelehrten ab. Von Khalil Breuer

Google ist auch keine Lösung

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(iz). Gerade bei entscheidenden Themen ist es interessant zu beobachten, dass sie nur dann Konjunktur haben, wenn sie auf dem Tablett der öffentlichen Debatte dargeboten werden. Kommt man zur Unzeit, werden auch die wichtigsten Beiträge in der Regel übersehen. Wie kaum eine andere aktuelle Frage trifft dies auf die Imame in Deutschland und ihre angestrebte Ausbildung vor Ort zu. Lange Jahre schien es niemanden zu stören, dass Imame entweder aus Heimatländern der jeweiligen Gemeinden importiert wurden oder dass sie den einschlägigen ideologischen Schnittmengen entstammten.

Dass dies nun nicht mehr geht, belegt die Zahl jugendlicher Muslime, die sich mit den traditionell ethnischen beziehungsweise weltanschaulichen Färbung von islamischen Wissen nicht mehr zufrieden geben will. Nicht von ungefähr lässt sich ein Teil der im geringen Umfang stattfindenden Neigung zum Extremismus dadurch erklären, dass nach Wissen suchende Jugendliche dort jene Antworten finden, die ihnen anderswo bisher versagt blieben.

Mittlerweile beginnen sich Mehrheitsgesellschaft und Politik, angetrieben durch den Wunsch nach Islamischem Religionsunterricht, für das Thema zu interessieren. Vollkommen unklar ist jedoch, ob das nun favorisierte, politisch korrekte Modell einer unter staatlicher Oberaufsicht stehenden Ausbildung von Imamen in Deutschland von den Muslimen überhaupt angenommen wird. Der zahlenmäßig größte Verband, die türkische DITIB, hatte angekündigt, dass ihr die an den vorgesehenen Universitäten ausgebildeten Imame wohl eher nicht genehm sein werden.

In Sachen Imame gibt es viel zu tun und zu besprechen. Es wäre schön, wenn die Verbände, die als Ansprech- und ­Verhandlungspartner auftreten, eine solch wichtige Frage auch mit der ­muslimischen Gemeinschaft debattieren würden.

Und es ist wichtig, dass Muslime, insbesondere ihre Vertreter, eine Neudeutung der Imame und ihrer Funktion zurückweisen. Ausgebildete Imame haben – neben ihrer ehrenvollen Aufgabe, das Gebet zu leiten – vor allem eine Funktion als islamrechtliche Experten.

Sie müssen in die Gemeinden, die sie tragen, eingebunden und hier heimisch sein. Sie sind aber weder die Repräsentanten der gemeinschaftlichen Spiritualität, noch religiöse „Würdenträger“. Ein „Imamat“ ist im Mehrheitsislam auf keinen Fall vorgesehen.

Aus gegebenem Anlass greifen wir das wichtige Thema in dieser Printausgabe in drei unterschiedlichen Beiträgen auf. Denn die Debatte über die Imame müssen wir selber führen.

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