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Deutsche Firmen wollen mitverdienen am erwarteten Wiederaufbau in Syrien

Heimkehrende Flüchtlinge sollen als „Brückenbauer“ zwischen beiden Ländern dienen

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Foto: Pxhere.com | Lizenz: CC0 Public Domain

DAMASKUS/BERLIN (GFP.com). Mit Blick auf den Wiederaufbau in Syrien bereiten deutsche Wirtschaftskreise die Gründung eines deutschen Wirtschaftsbüros in Damaskus vor. Wie ein Beteiligter berichtet, sind deutsche Mittelständler an Aufträgen aus dem kriegszerstörten Land interessiert, in dem allerdings Firmen aus Ländern, die Präsident Bashar al Assad im Krieg unterstützten oder zumindest nicht auf seinen Sturz hinarbeiteten, als Favoriten gelten. Berlin hat in den vergangenen Jahren eine Art Wiederaufbau in Syrien betrieben – allerdings nur in Gebieten, die von Aufständischen kontrolliert wurden.

Im Rahmen des syrischen Wiederaufbaus hofft Berlin zudem auf eine baldige Rückkehr syrischer Flüchtlinge. Zudem setzt die Bundesregierung darauf, dass die 221 DAAD-Stipendiaten nach Syrien zurückkehren, die in den vergangenen Jahren im Rahmen eines staatsfinanzierten Programms in Deutschland studierten. Als „Brückenbauer“ zwischen beiden Ländern sollen sie deutschen Einfluss in Syrien sichern.

Eine wichtige Weichenstellung
Bei seinen Bemühungen, Einfluss auf Syriens Entwicklung nach dem sich abzeichnenden Ende des Krieges zu erlangen, ist Berlin mit der Tatsache konfrontiert, dass Damaskus wichtige Weichen für den Wiederaufbau des Landes schon gestellt hat – zugunsten derjenigen Staaten, die es im Krieg militärisch oder politisch unterstützten. Das trifft vor allem auf Russland zu, aber auch auf China; die Volksrepublik gilt inzwischen – nicht zuletzt wegen ihres gewaltigen ökonomischen Potenzials – als „Nummer eins“ beim Wiederaufbau.

Umstritten ist die Rolle Irans. Teheran, das selbst oder mit ihm nahestehenden Milizen wie etwa der libanesischen Hizbollah einen erheblichen militärischen Beitrag zum Sieg über die Aufständischen leistete, hat sich bereits 2017 profitable Geschäfte gesichert, etwa Mobilfunklizenzen und den Zugriff auf bedeutende Phosphatvorkommen. Allerdings wird es aktuell von Moskau ausgebremst – nicht nur, weil der Westen starken Druck ausübt, Iran aus Syrien zu verdrängen, sondern auch, weil Russland seinerseits Teherans Einfluss in Nah- und Mittelost zu begrenzen sucht. Der Machtkampf hält an: Am Wochenende hat sich der iranische Verteidigungsminister in der syrischen Hauptstadt zusichern lassen, sein Land werde bei Syriens Wiederaufbau „langfristig“ eine wichtige Rolle spielen.

Deutsches Wirtschaftsbüro in Damaskus
Unabhängig davon bemühen sich deutsche Wirtschaftskreise bereits seit vergangenem Jahr, mit Blick auf den jetzt bevorstehenden Wiederaufbau im regierungskontrollierten Teil Syriens Fuß zu fassen. So teilte etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im vergangenen August anlässlich der traditionsreichen Damascus International Fair, die damals zum ersten Mal seit 2011 wieder stattfinden konnte, mit, man beobachte die Entwicklung in Syrien „sehr genau“; es gebe mittlerweile „eine Reihe von ersten vorsichtigen Anfragen“ seitens interessierter Unternehmen.

Berichten zufolge nahmen an der Messe bereits Vertreter einzelner deutscher Firmen teil. Dieses Jahr wird die Messe vom 6. bis zum 15. September stattfinden; laut offiziellen Angaben waren bis Anfang August bereits Unternehmen aus 48 Staaten angemeldet, darunter Firmen aus Russland, China, Iran und Indien. Erst kürzlich hat die einstige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Antje Hermenau (Dresden) gemeinsam mit einem Leipziger Geschäftsmann Kontakte in Damaskus geknüpft, um kleineren und mittleren deutschen Unternehmen Zugänge in Syrien zu eröffnen. Unter anderem will sie in Damaskus ein deutsches Wirtschaftsbüro etablieren. Wie der Leipziger Geschäftsmann bestätigt, haben deutsche Mittelständler schon erkennbares Interesse an Aufträgen aus Syrien gezeigt.

Die Rückkehr der Flüchtlinge
Der Wiederaufbau in Syrien ist auch Gegenstand des Gesprächs gewesen, das Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin führte und bei dem es nicht zuletzt um russische Pläne ging, Deutschland in eine Gruppe von vier Staaten zur „Stabilisierung“ Syriens einzubinden. Putin äußerte damals schon vorab, es sei “sehr wichtig”, auch „die humanitäre Unterstützung für Syrien zu stärken“; dies gelte insbesondere für diejenigen Gebiete, in die „Flüchtlinge aus dem Ausland zurückkehren“ könnten.

Dabei geht es um Syrer, die heute in Lagern im Libanon und in Jordanien leben, aber auch um Syrer in Deutschland. Ihre Rückkehr entspräche deutschen Staatsinteressen. Wie in Regierungskreisen gut vernetzte Korrespondenten bestätigen, wolle Berlin nicht nur „verhindern, dass die Nachbarstaaten Syriens unter der Last der Flüchtlinge zusammenbrechen und sich die Flüchtlinge abermals in großer Zahl nach Europa aufmachen“.

Es gehe der Bundesregierung auch darum, „Bedingungen zu schaffen, unter denen Syrer, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben, in ihre Heimat zurückkehren können“. Müssten sie zurückkehren, dann wäre Deutschland einen erheblichen Teil der vor allem seit 2015 ins Land gelangten Flüchtlinge wieder los.

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