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Deutschland: Immer mehr Unternehmen entdecken den Markt der Halal-Produkte. Von Benjamin Lassiwe

"Wachstumsmarkt Islam"

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(KNA) Auf der Plastiktüte mit den Fruchtgummis weht die Nationalfahne der Türkei. Und die Wurstverpackung ist ganz in Grün gehalten, der islamischen Farbe für Gott und Glück. Immer mehr deutsche Unternehmen haben Muslime als Kunden entdeckt und produzieren ihre Waren nach den Speisegesetzen des Islam: Kein Schweinefleisch, kein Alkohol und keine Bestandteile davon dürfen sich in Gummibärchen und Salami finden, damit sie das begehrte Prädikat «Halal» erhalten. Und Rinder und Hühner müssen nach islamischen Regeln geschlachtet werden, damit ihr Fleisch auch für gläubige Muslime eine Alternative im Supermarktregal darstellt.

«Weltweit leben 1,6 Milliarden muslimische Konsumenten, was 24 Prozent der Gesamtbevölkerung der Erde entspricht», sagt Mahmoud Tatari von der Rüsselsheimer Zertifizierungsorganisation Halal Control. Sein Unternehmen ist eine von nur zwei Firmen in Deutschland, die ein in Malaysia und Indonesien anerkanntes Halal-Siegel verleihen dürfen. Beide Länder sind in der Zertifizierung islamkonformer Lebensmittel weltweit führend.

«Vor allem in Malaysia spielen Halal-produzierte Lebensmittel mittlerweile eine große Rolle», sagt Tatari. «Dort sind 45 Prozent aller Lebensmittel in den Supermärkten entsprechend zertifiziert.» Wie groß die Nachfrage danach sei, zeige das Beispiel der Fastfood-Kette McDonalds: Als deren Restaurants in Malaysia Halal-zertifiziert wurden, habe der Hamburgerverkäufer in dem südostasiatischen Land plötzlich 20 Prozent mehr Umsatz erzielt.

Weswegen auch deutsche Unternehmen nach und nach in den Markt islamisch produzierter Lebensmittel einsteigen wollen: Ein «Food Forum» der Industrie- und Handelskammer Hannover, das Erzeuger über die Halal-Branche informierte, stieß jedenfalls am Donnerstag auf großes Interesse. Denn auch in Deutschland hat der Markt für Halal-zertifizierte Lebensmittel ein Potenzial von rund vier Milliarden Euro, schätzt Tatari. «Allein die Döner-Branche macht einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Euro.»

Weswegen sich auch der Molkereikonzern Nordmilch für den Einstieg in das Geschäft mit islamkonformen Lebensmitteln entschied. Die Kunden wollten es so: «Großbetriebe aus der Schokoladenindustrie fordern mittlerweile zwingend eine Halal-Zertifizierung aller Lieferanten», sagt Burkhard Voß, Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement und Kundenservice bei Nordmilch. «Aber ein bißchen Halal gibt es nicht.» Auch Nordmilch musste deswegen sicher stellen, dass Halalprodukte nicht mit unreinen Lebensmitteln in Verbindung kommen. «Manche Zertifizierungsorganisationen achten sogar auf das Desinfektionsmittel für die Hände der Mitarbeiter in der Produktion», sagt Voß. «Auch darin darf kein Alkohol enthalten sein.»

Doch Unternehmen, die ihre Produktion auf Halal umstellen, haben die Chance auf einen Wachstumsmarkt: «In den kommenden sieben Jahren wird sich der Konsum von Hähnchenfleisch in Indonesien verdoppeln», sagt Dato Seri Jamil Bidin von der malaysischen «Halal Industry Developement Corporation». «Aber bislang beziehen Malaysia und Indonesien ihr Halal-geschlachtetes Hähnchenfleisch vor allem aus Brasilien», sagt Bidin. «Dabei liegt doch Europa viel dichter an Südostasien als Brasilien.»

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