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Deutschlands Muslime 2011. Gemischte Bilanz nach einem Jahr. Von Khalil Breuer

Mehr Reaktion als Aktion

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(iz). Wo stehen die Muslime nach einem Jahr? Die Bilanz fällt wohl eher gemischt aus. Neben einer wachsenden Zahl lokaler Projekte fehlt es immer noch an einer Koordination auf Bundesebene. Deswegen werden die Muslime auf dieser entscheidenden Ebene noch viel zu selten wahrgenommen.

Die Gründe sind offensichtlich: Nur selten kommen Muslime in Berlin zusammen, zum Beispiel um wichtige Stellungnahmen zu Fragen dieser Zeit gemeinsam zu entwickeln. Es fehlt an von Muslimen organisierten gesellschaftlichen Ereignissen, die Brücken schlagen und um positive Aufmerksamkeit werben. So gibt es in der Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Muslime weiter Licht und Schatten, aber auch kleine Erfolge: Themen wie Religionsunterricht auf Länderebene entwickeln sich langsam, aber sicher voran, die Muslime feierten einen beachtlichen „Tag der offenen Moschee“ und viele engagierte Aktivisten kämpfen wacker gegen islamfeindliche Tendenzen an.

Viele neue Initiativen nutzen das Inter­net als Plattform, sich besser selbst darzu­stellen – mit der guten Absicht möglichst viele Menschen für den Islam zu interes­sieren. Immerhin beginnen die meisten Muslime den Ramadan – wenn auch mit einem umstrittenen Verfahren – am gleichen Tag im Jahr.

Die großen Verbände sind nach langem Ringen im KRM zusammengekom­men, aber es fehlt noch immer an einer Hauptstadtpräsenz, einer aussagekräftigen Internetseite und an Aktionen, die die Meinungsführerschaft anstreben und über Reaktionen oder ­Pressemitteilungen hinausgehen.

Das große Thema der Finanzkrise wurde von den Verbänden leider nicht zum Anlass genommen, eine aktive islamische Position einzu­nehmen und die faszinierende Seite des Islam und seiner ökono­mischen Überzeugungen koordiniert aufzuzeigen. Gegen den Trend spielt der wachsende Halal-Markt bei der Koordi­nation muslimi­scher Interessen ebenfalls nur eine unter­geordnete Rolle.

Innerislamisch zementierte der KRM bisher eher die Trennlinien zwischen den verschiedenen ethnischen Lagern, anstatt zur einer echten Zusammenarbeit zu finden. Völlig ungeklärt ist auch die Position der islamischen Vertretung gegenüber der Zakat, einer Säule des Islam. Hier geht es auch darum, wie man diese ­Zahlungen künftig in Deutschland transparent einsetzen will. Bedenklich ist auch eine Tendenz religiöser Vereinigungen, anstatt auf Stiftungen, immer häufiger auf privatwirtschaftliche Gebilde wie zum Beispiel GmbHs zu setzen. Bleibt zu hoffen, dass es im nächsten Jahr noch mehr überregionale Projekte gibt, die alle Muslime mittragen können.

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Khalil Breuer

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